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Vegetationskamera:High-Tech im Wald

Isener Erfindung hilft bei der Erforschung des Klimawandels

Seit der letzten Augustwoche sind an vier Standorten in Norddeutschland ganz besondere Kamerasysteme zu finden. Die sogenannten Phäno-Kameras sollen den Forschern helfen, die Auswirkung des Klimawandels auf den einheimischen Baumbestand zu messen. Mit den Kameras wird exakt festgestellt, wann die Bäume im Frühjahr anfangen zu wachsen und wann sie anfangen, die Blätter zu verlieren. Waldforscher haben so die Möglichkeit, Empfehlungen an Forstämter und Kommunalverwaltungen zu geben, welche Arten von Bäumen künftig in Deutschland wachsen können und welche aufgrund des immer wärmer werdenden Klimas nicht mehr angebaut werden sollten.

Erfindung

Eine Phäno-Kamera im Einsatz.

(Foto: privat)

Entwickelt wurden die Phäno-Kameras vom Isener Klaus Hamal, Inhaber der Firma Alpha11. Er stand vor der Herausforderung ein System zu entwickeln, das 14 Tage selbstständig arbeitet. Dabei werden automatisch bestimmte Bäume mit einem speziellen Schwenk-Neigekopf angefahren und mit einer wetterfesten Zoomkamera die Kronen und die Details der Pflanzen aufgenommen. Bei der klassischen Videoüberwachung schauen nämlich die Kameras nach unten - im Wald ist es aber umgekehrt, da müssen diese eben vom Boden nach oben die Bilder aufnehmen, was einige Probleme in der Statik und Wasserdichtigkeit der Kameras verursachte. In Punkto Statik konnte eine weitere Isener Firma, die von Martin Buschmeier helfen, die hier besonders stabile Halterungen für die Kamera erstellten.

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Klaus Hamal (links) mit Stefan Fleck von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

(Foto: privat)

Das herkömmliche Verfahren, das bisher in der Phänologie verwendet wurde, war manueller Art: Dabei wurden im Rahmen einer einmal wöchentlich stattfindenden Probenentnahme Daten in einen Aufnahmebogen eingetragen. Dabei wurden während der Vegetationsperiode zum Beispiel die Zeitpunkte der Blattentfaltung eingetragen, der Blüte, der Fruchtreife, die Blatt- oder Nadelverfärbung und der Blatt- beziehungsweise Nadelfall. Diese bisherigen Auswertungen zeigten jedoch, dass eine Aufnahme an einem Tag der Woche zu ungenau ist, um die oft innerhalb weniger Tage ablaufenden Entwicklung der phänologischen Phasen zu erfassen Über die Zeitpunkte der Vegetationsentwicklung waren damit nur unscharfe Aussagen möglich.

Durch diverse Experimente, Umbauten und Entwicklung eigener Software konnten die Systeme nun erfolgreich in Göttingen, Celle, Holzminden und in Friesoythe in der Nähe von Papenburg im Wald auf Versuchsflächen installiert werden.

Eine besondere Herausforderung war am Standort in Holzminden zu meistern, da hier mit Hilfe von 30 und 40 Meter hohen Masten eine Richtfunk-Strecke für die Übertragung der Bilder errichtet werden musste. Für Klaus Hamal war das eine Premiere, da er sich nach eigenen Angaben eigentlich ab einer Höhe von vier Meter auf einer Leiter nicht mehr richtig wohlfühlt. In diesem Fall musste er jedoch seine eigene Angst überwinden, da Fachwissen auf dem Turm gefragt war. Mit Hilfe eines Klettergeschirrs und viel Angstschweiß hat der Alpha11-Chef dennoch den anstrengenden Aufstieg auf die Masten bewältigt. Angenehmer Nebeneffekt für den Isener: "Oberhalb der Baumkronen hatte ich in 30 Meter Höhe eine traumhafte Aussicht über die Region, so dass der Aufstieg auch gleich belohnt wurde", sagte Hamal.

© SZ vom 06.09.2016 / SZ
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