Uwe Kloos freut sich mächtig. Seine Bilder, Skulpturen und Kunstmöbel in einer Einzelausstellung im Erdinger Frauenkircherl zeigen zu können, ist ein Höhepunkt in seinem Dasein als künstlerisch aktiver Mensch. Dienstagabend ist Vernissage, alles ist gut vorbereitet. Der schöne weiße Raum des Frauenkircherls strahlt voller Farbe und Wucht, denn Uwe Kloos liebt intensive Kontraste und kräftigen Ausdruck.
Wie so viele andere sieht sich der 60-jährige Isener nicht in erster Linie als Künstler. Er lebt ja nicht davon, sagt er, und das ist bei der Frage, wer ist Künstler und wer nicht, ein möglicher und sinnvoller Ansatz, die Sache wenigstens in eine Richtung zu klären. In seinem Berufsleben war Uwe Kloos ein erfolgreicher Personalmanager, viele Jahre in leitender Funktion für die Human Resources großer Unternehmen zuständig. 2024 hat er sich als Innovationsberater selbständig gemacht. Er möchte seine Erkenntnisse aus seinem Berufsleben und seiner intensiven Beschäftigung mit Kunst nun verbinden.

Wir erwähnen das hier nicht nur als Information, sondern als hintergründige Annäherung an sein Werk und sein Schaffen. Auf dem Netzwerk Linkedin, wo sich Werktätige zu vernetzen suchen, hat Uwe Kloos natürlich auch eine Einladung zu seiner Ausstellung gepostet. Und da schreibt er: „Kreativität ist der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit von Organisationen. Nicht als Deko – sondern als Denkraum. Als Spiegel. Als Impulsgeber.“
Das ist ein bisschen Werbung für sich und sagt etwas über sein Verständnis von Kunst aus. In seinem Fall ist das künstlerische Schaffen von Bildern und Objekten eben nicht nur eine Freizeitbeschäftigung oder eine therapeutische Ausgleichsmaßnahme zur streng rationalen Geschäftsmäßigkeit im Berufsalltag. Uwe Kloos macht Kunst, weil sie ihm ermöglicht, die Dinge in einer wesentlich anderen Art zu ergründen, Überlegungen in Aktion anzustellen und Gedanken beim Tun zu fassen. Uwe Kloos weiß, was Kunst vermag, weil er es selbst erfahren hat.


Vor etwa 30 Jahren, zur Halbzeit seines bisherigen Lebens, legte Uwe Kloos mit dem Malen los. Die Initialzündung sei tatsächlich ein Acrylfarben-Malkasten gewesen, den er bei einem Preisrätsel gewonnen habe, erzählt er. „So ein kleines Ding mit vielen Tuben. So ging die Story los.“ Kann man doch mal ausprobieren, wenn man es schon hat, dachte er sich. Er legte los, es packte ihn und er blieb dabei. „Schnell, intuitiv und ein bisschen grob“, deswegen liebe er das Malen mit den kräftigen Acrylfarben. Und ebenso dann die Arbeit mit Skulpturen, die er aus gefundenem Holz, Keramik und anderen Materialien zusammenbaut.
In seinen Motiven ist er – im Gegensatz zum bunten, oft grellen Schein seiner Bilder oder Objekte – tiefgründig. In vielen Fällen geht es ihm um psychologische und soziale Beziehungen, um kommunikative oder gestörte Interaktionen. Seine Bilder tragen oft nur ein Wort-Titel, knappe Begriffe wie „Isolation“, „Warten“, „Meeting“ oder „Zeit“. Das vielschichtige Durch- und Miteinander von Figuren, Mustern, collagierten Kleinigkeiten und Details drückt das Bildthema hingegen bewusst durch mannigfaltige Unschärfe aus.

Der Titel seiner Ausstellung lautet „Burning Art“ und nimmt Bezug auf ein besonderes Erlebnis, dass es vor wenigen Jahren hatte. Uwe Kloos besuchte das Burning-Man-Festival in der Wüste von Nevada, ein jährliches Ereignis für Menschen, die an die unbedingte Macht der Kreativität, aber auch an grelle Selbstdarstellung und maximale Offenheit zu allen anderen glauben – zumindest als Neun-Tage-Utopie.
Uwe Kloos – Burning Art, bis Sonntag, 6. April, täglich ab 15 Uhr, Frauenkircherl Erding.
