Vor drei Jahren präsentierte Peter Kapustin, Leiter des Urzeitmuseums Taufkirchen, zusammen mit seinen Söhnen Alexander und Constantin, einen spektakulären Fund: die Knochen von drei Urzeitelefanten der Art Deinotherium Giganteum, die vor zehn bis zwölf Millionen Jahren auf der Erde lebten, als gerade Gebirge wie die Alpen entstanden. Mit mehr als vier Metern Schulterhöhe waren sie gigantisch groß.
Den ersten Knochen hatten die Kinder in einem Fuchsbau bei Weipersheim im Landkreis Erding entdeckt. Der Fuchs hatte ein Schulterblatt des ausgestorbenen Tieres als tragenden Balken verwendet. In dieser Sandgrube hatte ihr Vater bereits seit 20 Jahren immer wieder nach solchen Überresten gesucht, gemeinsam wurden sie schließlich am 13. April 2023 fündig. Seither wurden die 120 Knochen präpariert sowie das Museum erweitert und umgebaut, um Platz für den Sensationsfund zu schaffen. Denn es gibt kaum Überreste von Urelefanten, die nahezu so vollständig erhalten sind wie die in Taufkirchen. Künftig sind sie für Besucher zu sehen.
„In den USA wurde darüber berichtet, in Indonesien, in aller Welt“, sagt Kapustin und deutet auf eine Wand voller Presseartikel hin, die im neuen Eingangsbereich des Museums ausgestellt sind. Daneben hängt ein Monitor, auf dem ein Fernsehbeitrag des Bayerischen Rundfunks läuft, eine Reportage über den Fund und die Finder.
Ebenfalls im Eingangsbereich, in einer großen Vitrine, wird die Evolution der Urelefanten anhand von Modellen anschaulich gemacht: Markante Rüsseltiere, deren erste Vorfahren vor rund 60 Millionen Jahren nur etwa so groß wie eine Katze waren.

Im neuen Hauptraum der Urelefanten ist eine Galerie von Bildern zu sehen, die bei der Grabung gemacht wurden, und zudem fällt der Blick auch auf das Prunkstück, den Schädel des Urelefanten, der Little Consti genannt wird. Er besteht aus dem kompletten Unterkiefer, beiden Backenknochen und den Stoßzähnen. „Nur das Schädeldach wurde abrasiert“, erklärt Kapustin. Ein englischer Paläontologe habe diesen Schädel untersucht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass es wohl der am besten erhaltene Schädel eines Urelefanten sei, den man bislang gefunden habe. „Wir haben noch eine ganze Kiste mit Knochenfragmenten“, sagte der Leiter des Urzeitmuseums, „darin sind möglicherweise noch Fragmente dieses Schädeldachs enthalten.“
Auch das Skelett von Little Consti ist weitestgehend erhalten und an einer leicht geneigten Wand befestigt. Arm- und Fußknochen sind erhalten, ebenso die Rippen. Der separat gezeigte Schädel ist bei diesem Ausstellungsstück durch einen Abguss ersetzt. Bei Consti soll es sich um ein Jungtier gehandelt haben. „Wir gehen von einem Alter zwischen zehn und zwölf Jahren aus, denn die letzten Zähne waren wie bei einem Kind noch vollständig im Zahnfleisch.“
„Big Alex“, der zweite fast vollständig erhaltene Fund eines Urelefanten, wird hingegen nicht stehend gezeigt, sondern die Knochen liegen in der Position, wie man sie an der Fundstelle ausgegraben hat, also zumindest nahezu. Im Museum hat man die Abstände zueinander verkürzt, aus Platzgründen. Big Alex soll im geschätzten Alter von 16 bis 18 Jahren gestorben sein, heutige Elefanten werden etwa 60 Jahre alt.

Nur ein großer Schenkelknochen ist von dem dritten Tier erhalten, das „Lonely Pete“ getauft wurde. Die Überreste von allen drei Tieren wurden auf einem Areal von wenigen Quadratmetern gefunden. Die Wissenschaft geht davon aus, dass alle drei Tiere gleichzeitig bei einer Umweltkatastrophe gestorben sind. Eine Sturmflut wird jedoch ausgeschlossen, weil die Kadaver dabei viel weiter verstreut worden wären. Als naheliegende mögliche Erklärung gilt ein Blitzschlag.
Zur Neueröffnung des Urzeitmuseums wurden unter anderem auch alle Schulleiter im Landkreis eingeladen, darüber hinaus ist eine Schulung mit 30 Lehrerinnen und Lehrern aus dem Landkreis bereits geplant. Außerdem werden die Ausstellungsstücke nun zweisprachig auf den Schildern erklärt, weil immer mehr Touristen auch aus dem Ausland kommen, sagt Kapustin. In den vergangenen Jahren kamen 16 000 bis 17 000 Besucher pro Jahr, mit der neuen Urelefanten-Ausstellung „werden wir die 20 000 wohl knacken“.
Das Urzeitmuseum in Taufkirchen (Vils) ist in den Ferien täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.


