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Unfallstatistik im Landkreis Erding:Corona macht Straßen sicherer

Wegen der Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen geht die Mobilität zurück - und damit im Landkreis Erding auch die Zahl der Verkehrsunfälle. Die Polizei übernimmt dafür Aufgaben im Bereich Covid-19-Kontaktermittlung

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Deutlich weniger Verkehrsunfälle, weniger Verletzte und nur drei Tote: Die Bilanz der Polizei zum Unfallgeschehen auf den Erdinger Straßen für das Jahr 2020 fällt positiver als in früheren Jahren aus. Doch das vergangene Jahr könne nicht mit den Vorjahren verglichen werden, zu sehr haben die angeordneten Lockdowns sowie Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen die Mobilität verändert, wie die beiden Polizeiinspektionen (PI) übereinstimmend sagen. Darüber hinaus arbeiteten die Menschen vermehrt von zu Hause aus. In fast allen Bereichen ist deshalb ein Rückgang bei den Verkehrsunfallzahlen zu beobachten. Weniger Arbeit hatte die Polizei aber deshalb nicht, man war mit anderen Aufgaben in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beschäftigt.

"Wir haben das natürlich schon gemerkt, dass weniger auf den Straßen los ist", sagt Harald Pataschitsch, stellvertretender Leiter der PI Erding. "Dafür haben sich andere Betätigungsfelder aufgetan, wie die Einhaltung der Infektionsschutzverordnung zu überwachen." Auch das Impfzentrum in Erding habe man im Auge: "Man kann sich vorstellen, dass das Impfzentrum ein begehrter Einbruchsort ist. Wir sind deshalb dort auch im Umfeld im Einsatz", sagt Pataschitsch - in welchem Umfang wollte er nicht verraten. Zudem habe man Mitarbeiter für das Contact Tracing-Team am Gesundheitsamt abstellen müssen. "Wenn das Landratsamt oder das Team die betroffenen Personen nicht erreicht, wurden wir in der Regel auf den Plan gerufen, um die Personen zu finden und zu verständigen", sagt der stellvertretende Polizeichef.

Auch bei der PI in Dorfen stellte man fest, dass aufgrund des Lockdowns weniger Autos und Personen unterwegs gewesen sind, und die wurden vielleicht öfters kontrolliert. Vor allem wer nach 21 Uhr noch unterwegs gewesen sei, sei eher mal kontrolliert worden. "Wer getrunken hatte, wird auch eher mal nicht auf die Uhr gesehen haben", sagt Harald Pataschitsch. So könne man vielleicht erklären, warum die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol am Steuer eine Rolle spielte, im Vergleich zu 2019 mit 58 gleich geblieben sei.

"Natürlich haben wir weniger Unfälle gehabt, der eine oder andere Diebstahl ist auch weggefallen, aber dafür haben wir in anderen Bereichen mehr Arbeit, zum Beispiel bei der Unterstützung des Gesundheitsamtes", sagt auch Harald Kratzel, der Leiter der Dorfener Inspektion. Ein Impfzentrum habe man zwar nicht, aber sei mit den Überbringungen von Quarantänemaßnahmen, dem Ermitteln von Leuten, die telefonisch von den Kontaktermittlern am Gesundheitsamt nicht erreicht werden konnten, die Überprüfung von Mitteilung von Bürgern, die Corona-Auflagenverstöße melden, gut beschäftigt gewesen. Letztere sein durchaus häufiger gewesen. "Corona hat wie überall unseren Alltag 2020 dominiert und war jeden Tag so präsent, dass viele andere Themen gar nicht so stattfinden konnten", sagt der Polizeichef.

Die Unfallbilanz für den Landkreis Erding zeigt wegen der geringeren Mobilität wie im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord (Erding, Freising, Ebersberg, Dachau, Starnberg, Landsberg am Lech, Fürstenfeldbruck, Eichstätt, Pfaffenhofen/Ilm, Neuburg-Schrobenhausen und die Stadt Ingolstadt) fallende Tendenzen. So sank die Gesamtzahl der Unfälle im vergangenen Jahr um 24,3 Prozent. Sie sank damit deutlich stärker als im Präsidiumsbereich mit 19,1 Prozent. Bei den 3916 Unfällen im vergangenen Jahr gab es 592 Verletzte (minus 20,2 Prozent), aber auch drei Tote - 2019 sind es sieben gewesen. Ebenfalls deutlich zurück gegangen sind die Verkehrsunfälle mit anschließender Fahrerflucht. Fanden 2019 noch 873 statt, waren es 2020 nur noch 570, was einem Rückgang um 34,7 Prozent entspricht. Zudem war bei 98 Verkehrsunfällen zu hohe oder nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache (2019: 128). Trotz längerer Schulschließungen wegen Covid-19 sank aber die Zahl der Schulwegunfälle nur von sieben auf fünf. Nur bei den Unfällen mit "anderen berauschenden Mitteln" als Alkohol stiegen die Zahlen stark an: Statt drei im Jahr 2019 gab es vergangenes Jahr zehn Unfälle unter Drogeneinfluss.

© SZ vom 23.02.2021
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