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Umzug an den Kronthaler Weiher:Neuer Mittelpunkt für einen Traditionsverein

Im kommenden Jahr will das Alpenkranzl Erding sein "Alpinzentrum" einweihen. Der Vorsitzende Hermann Schießl ist mit der Entwicklung zufrieden. Am Freitag stellt er sich der Wiederwahl

Von Dan Urner, Erding

Es geht vorwärts beim Alpinzentrum. "Seit letzter Woche ist endlich die Baugenehmigung da. Jetzt können die groben Dinge angegangen werden", freut sich Hermann Schießl, der Vorsitzende des Alpenkranzls Erding, der Erdinger Sektion des Deutschen Alpenvereins. Seit etwa einem Jahr laufen in und um ein ehemaliges Sägewerk am Kronthaler Weiher die Bau- und Sanierungsarbeiten. Das Alpenkranzl nennt seine neue Heimat Alpinzentrum, es soll zum Mittelpunkt der Vereinssektion werden, wie Schießl sagt. Begonnen hatten die Planungen vor etwa zwei Jahren. Mit der Einweihung rechnet er im kommenden Sommer. Bis dahin bleibt die Sektion in drei angemieteten Räumen in der Krankenhausstraße in Erding.

Das Konzept sieht ein Vereinsheim mit multiplen Sportangeboten vor. Dazu zählen ein Fitnessraum, eine Slackline und - etwas später, "wahrscheinlich 2023 zum hundertjährigen Jubiläum der Sektion" - ein Kletterturm. Hinzu kommt eine sehenswerte Boulderhalle, die sich auch dadurch vom Rest der Baustelle abhebt, dass ihre Fertigstellung im Vergleich zum Hauptgebäude schon sehr weit fortgeschritten ist. "Es fehlen nur noch ein paar kleine Details und Formalitäten", beispielsweise eine Haus- und Gebührenordnung, ehe die Halle in Betrieb genommen werden könne.

Gerade die Kletteranlagen seien für die Jugendarbeit wichtig, sagt Hermann Schießl. Grundsätzlich will er aber keine spezifische Sportanlage hervorheben, sondern lieber das Gesamtprojekt als Priorität betonen. Es solle "ein Ort des gesellschaftlichen Zusammenkommens" sein, ein Vereinszentrum, das nebst den sportlichen Angeboten auch eine Terrasse und eine Küche bietet. Denn "auch Kochkurse gehören zu unserem Verein". Jeder solle seinen Platz finden. Eine externe Wirtschaft sei nicht geplant, die Bewirtung solle über Selbstversorgung laufen.

In einem seit vier Jahren leer stehenden Sägewerk unweit des Kronthaler Weihers hat die Sektion ein passendes, "ausreichend geräumiges" Gebäude gefunden, um das ambitionierte Projekt zu verwirklichen. Schießl zeigt sich mit dem Fortschritt des Bauvorhabens weitgehend zufrieden. Die Arbeiten würden vornehmlich in Eigenregie bewältigt, dafür sei ehrenamtliche Unterstützung gefragt. "Wie in jedem Verein" seien einige wenige hoch motiviert und fast immer dabei, andere weniger. "Klar, es könnten immer mehr sein, aber ich kann und will nicht jammern." Corona habe das Voranschreiten bisher allenfalls teilweise beeinträchtigt und sei "manchmal Glück, manchmal Hindernis" gewesen. Glück, "weil viele Leute mehr Zeit hatten", aufgrund von Kurzarbeit etwa. Hindernis, weil die Baugenehmigung länger gebraucht habe als geplant.

Auch ansonsten habe die Sektion die Pandemie bislang vergleichsweise gut überstanden, sagt ihr Vorsitzender. Aber auch am Alpenkranzl geht Corona nicht spurlos vorbei. Viele Wandertouren hätten abgesagt werden müssen, erklärt Schießl, gerade zur Hochzeit der Krise im Frühjahr. Nun seien viele Zielregionen Risikogebiete, zum Beispiel Tirol, wo sich viele Berghütten des Alpenvereins befänden. Man habe aber teilweise auf Touren in Bayern und im Landkreis Erding ausweichen können. "Es gab und gibt schon einige Komplikationen, auch Aspekte wie Fahrgemeinschaften gehören dazu."

Auch die im April geplante Jahreshauptversammlung fiel Corona zum Opfer; sie wird nun an diesem Freitag in der Stadthalle nachgeholt werden. Schießl, seit 2016 an der Spitze der Sektion, tritt bei den Neuwahlen wieder als Vorsitzender an. Mit der allgemeinen Entwicklung seiner Sektion ist er zufrieden. Er bemerkt, mit den angebotenen Sportarten "liegen wir voll im Trend". Die Sektion sei sehr aktiv und biete ein breites Spektrum, so verfüge sie über Wander-, Rad-, Ski- und Kletterangebote. Sie zähle 3157 Mitglieder, vor vier Jahren seien es noch etwa 2500 gewesen. Schießl berichtet von einem jährlichen Mitgliederzuwachs von etwa vier bis fünf Prozent im Alpenverein. "Die Zahlen treffen auch auf Erding zu, und das auch in diesem Jahr." Mit Blick auf das neue Alpinzentrum fügt er hinzu: "Die Erfahrung anderer Sektionen zeigt, mit einer Kletteranlage steigert sich die Mitgliederzahl um 25 Prozent." Somit könnte dem Alpenkranzl ein weiteres reges Wachstum bevorstehen.

© SZ vom 23.10.2020

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