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Umworbene Azubis:Verschärfter Wettbewerb

Die Suche nach Lehrlingen wird für Unternehmen immer schwieriger: Mit Angeboten auf Berufsmessen, Flyern und abwechslungsreichen Aufgaben hat die ITG-Logistik in Schwaig heuer alle 21 neuen Stellen besetzt

Da waren sie nun in Schwaig gelandet, die 600 strahlend weißen Brautkleider aus China. Unversehrt, aber hoffnungslos zerknautscht. Es half nichts, die Mitarbeiter der ITG-Logistik mussten mit dem Dampfbügler anrücken und die Roben glätten. Marketingchef Thomas Bogner erzählt die Geschichte gerne, schließlich zeigt sie, dass die Arbeit in einer internationalen Spedition recht abwechslungsreich sein kann. Während anderswo händeringend Lehrlinge gesucht werden, konnten bei der ITG Logistik die Ausbildungsplätze besetzt werden. 21 Neuzugänge hat Thomas Bogner kürzlich durch die drei Werkshallen geführt.

Derzeit absolvieren 68 Jugendliche eine Ausbildung. 21 haben am 1. September begonnen. Einer davon ist der 18-jährige Fabian Rutzmoser aus Bockhorn. Der angehende Speditionskaufmann ist an seinem zweiten Arbeitstag mit Aktensortieren beschäftigt - und zufrieden. "Ist schon gut hier", berichtet er. Seine Kollegin Melissa Tasocak ist bereits im zweiten Jahr, und sie würde gerne bei der ITG bleiben, sagt sie. "Die Arbeit ist abwechslungsreich und macht Spaß." Neben ihr lobt Julios Shoraj, ebenfalls im zweiten Ausbildungsjahr, das Betriebsklima. "Hier ist einfach eine gute Atmosphäre", betont der 19-jährige Erdinger.

Hier heißt es den Überblick bewahren: In den Hochregallagern der ITG Logistik stapeln sich Waren aus aller Welt.

(Foto: Renate Schmidt)

Jennifer Scheuren ist eine künftige Fachkraft für Lagerlogistik. Sie steht vor einem sogenannten Taschen-Sorter in einer der riesigen Werkshallen. Die High-Tech-Anlage sortiert selbständig die angelieferten Pullover, Jacken und Hosen, während der Azubi im zweiten Lehrjahr Scanner und Computer bedient. Das Unternehmen bietet noch zwei weitere Berufsausbildungen an: Kauffrau/-mann Büromanagement sowie Fachinformatiker/in Systemintegration.

"Wir haben alle Ausbildungsstellen, die wir tatsächlich brauchen, besetzen können", sagt Thomas Bogner. Freilich, in der Lagerlogistik hätten es schon noch ein paar mehr sein können, gibt er zu. Gerade wenn körperliche Betätigung gefordert sei, "fehlt bei vielen die Motivation und das Engagement", hat Bogner festgestellt. Andererseits gibt es heuer vier Azubis in der Lagerlogistik, die bereits in einer anderen Branche eine Berufsausbildung absolviert haben: Zwei Altenpflegerinnen, eine Bäckereifachverkäuferin und ein Lackierer haben umgesattelt. Doch auch wenn es bisher immer geklappt hat, so merkt auch ITG, dass es auf dem Lehrlingsmarkt "härter geworden ist", räumt Bogner ein.

Schon seit langem sei das Unternehmen auf Berufsmessen vertreten. "So versuchen wir, das Interesse zu wecken". Zum Beispiel mit der Info, dass die Auszubildenden in dem international agierenden Unternehmen verschiedene Abteilungen durchlaufen. "Außerdem bieten wir interne Schulungen an und Vorbereitungskurse für die Prüfung", betont Bogner. Flyer werben für "eine spannende und niemals langweilig werdende Aufgabe". Das stimmt wohl: Wie Bogner berichtet, ist es auch schon vorgekommen, dass ein Ladung von 20 000 Fußbällen zur Verteilung an verschiedene Discounterfilialen angeliefert wurde. "Wir mussten Kompressoren ranschaffen, und dann hieß es pumpen", berichtet er.

Fabian Rutzmoser, Melissa Tasocak und Julios Shoraj werden in Schwaig bei der ITG Logistik zu Speditionskaufleuten ausgebildet.

(Foto: Renate Schmidt)

Auf Jobmessen muss Thomas Bogner dann immer wieder feststellen, dass der Standort Schwaig einige Bewerber abschreckt. Keine U- oder S-Bahn-Haltestelle: "Vor allem Münchner schreckt die schlechte Verkehrsanbindung." Die Azubis wohnen eher im Umland von Erding, einer sogar in Landshut. Der Großteil kommt entweder mit dem Auto, dem Motorrad oder wird von den Eltern gefahren.

Um bei den Jugendlichen punkten zu können, setzt die ITG auf ein gutes Betriebsklima, wie Thomas Bogner betont. Effektiver als jede Werbeanstrengungen sei immer noch die Mundpropaganda unter den Jugendlichen. "Und da zählt ganz stark ein guter Ruf." Gleichzeitig wolle man den Mitarbeitern auch in der Freizeit etwas bieten, und so gibt es schon seit längerem eine Lauftreff und ein eigenes Fußballteam.

Wenn Ende September auf dem Münchner Flughafen die Jobmesse "Berufsfit" ihre Pforten öffnet, ist auch die ITG wieder mit von der Partie. Dieses Jahr wird der Stand von einer Gruppe Auszubildender gestaltet, berichtet Thomas Bogner. Laut Projekt sollen Besucher auf einer Tischplatte zwei Staplerfahrzeuge per Fernsteuerung gegeneinander antreten lassen. Die siegreichen Teilnehmer erhalten ein kleines Präsent. "Auf keinen Fall einen Kugelschreiber", lautete die klare Vorgabe der Azubis. Wie Bogner berichtet, gibt es jetzt stattdessen einen Energydrink in einer Dose mit ITG-Label. "Bei den Jugendlichen kam das super an."