Umweltschutz:Vorsorge schützt Trinkwasser

Stadtwerkechef Ruthner mahnt Verbraucher und Betriebe

"Wir müssen unsere Wasserressourcen besser schützen", sagt Christopher Ruthner, Geschäftsführer der Stadtwerke Erding. Das Wasser in Erding komme zwar in hoher Qualität aus der Leitung, aber deutschlandweit müsse immer mehr technischer Aufwand betrieben werden, um unerwünschte Stoffe zu beseitigen. Deshalb müsse die Vorsorge mehr im Mittelpunkt stehen: "Stoffe, die gar nicht erst in die Gewässer gelangen, müssen nicht mit großem Aufwand entfernt werden. Wasserwerke und Abwasserentsorger können nicht dauerhaft als Reparaturbetriebe fungieren", betont Christopher Ruthner. Eine konkrete Gefährdung sieht er nicht nur durch Gülle und Pestizide, sondern auch durch Arzneimittel.

"Die neue Bundesregierung muss dringend das Vorsorge- und Verursacherprinzip konsequent durchsetzen. Dazu gehört, die ökologische Landwirtschaft weiter auszubauen sowie Hersteller und Anwender von gefährdenden Stoffen endlich in die Pflicht zu nehmen", sagt der Stadtwerkechef. Auch die Verbraucher könnten etwas tun, um die Trinkwasserressourcen zu schützen. Reste von Lösungsmitteln, Pflanzenschutzmitteln, Fotochemikalien, Kosmetika, Holzschutzmitteln sowie Batterien, Farben und Lacke gehörten in den Sondermüll. "Auf keinen Fall gehören Medikamente in die Toilette oder in den Ausguss", sagt Ruthner.

Tatsächlich können Reste von Medikamenten inzwischen nahezu flächendeckend und ganzjährig in Fließgewässern, aber auch in Boden- und Grundwasserproben nachgewiesen werden, wie Messungen des Umweltbundesamts zeigen. Mehr als 150 verschiedene Arznei-Wirkstoffe seien feststellbar. Selbst im Trinkwasser lassen sich vereinzelt Spuren nachweisen. Eine Gefahr für die Gesundheit gehe davon zwar nicht aus, heißt es. Doch schon allein aus Vorsichtsgründen müsse der Eintrag so gering wie möglich gehalten werden.

Das sieht auch Thomas Altstetter von den Erdinger Stadtwerken so. Für das Wasser aus dem Tertiär- und Quartärbrunnen sieht er auf keinen Fall eine Gefahr für die Zukunft, da das Wasser mehrere Tausend Jahre alt sei. Aus diesem unbelasteten Wasser müsse man nur Eisen und Mangan filtern, aber das Trinkwasser aus dem Brunnen im Aufhausener Wald sei nur rund 40 bis 50 Jahre alt. Alles, mit dem das Oberflächenwasser kontaminiert werde, tauche Jahrzehnte später im Grundwasser auf. "Beim Thema Nitrat durch Düngung haben wir das Problem in Zusammenarbeit mit den Landwirten inzwischen besser im Griff", sagt Altstetter. Die Nitratwerte würden sinken.

Auch Ludwig Brandwirth, der Wassermeister des Taufkirchener Zweckverbands zur Wasserversorgung, sieht derzeit noch keine Problem. "Bei uns wird es eher besser. Als ich anfing, galt die Trinkwasserverordnung von 1997. Damals hatte wir 40 Milligramm pro Liter, heute sind es 33 Milligramm nur noch." Eine der Ursachen sieht er in dem geänderten Düngeverhalten der Landwirte. Früher sei einfach Dünger und Gülle auf den Feldern ausgebracht worden. Aber die jungen Bauern von heute seien viel besser geschult, die wüssten dank einer Düngebilanz, wann und wie viel sie düngen müssen. Außerdem sei Nitratdünger teuer geworden. "Unser Wasser läuft durch eine 70 bis 80 Meter dicke Kiesschicht, das ist wie ein natürlicher Filter", sagt der Wassermeister.

Auch bei den Stadtwerken Dorfen ist das Wasser um die 1000 Jahre alt. Medikamentenspuren seien deshalb sehr unwahrscheinlich, sagt Wassermeister Johann Schleibinger. Aber dass die Gefahr bestehe, dass irgendwann Medikamentenrückstände im Wasser landen.

© SZ vom 24.03.2018 / wil
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