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Traditionsgaststätte in Erding schließt:Wirtsehepaar Rötzer verlässt die Post

Volkstrauertag

Markantes Gebäude mitten in der Stadt: Der Gasthof zur Post steht unter Denkmalschutz. Er wurde Ende des 17. Jahrhunderts gebaut.

(Foto: Stephan Görlich)

Bernhard Rötzer wird den Gasthof zur Post in Erdings Stadtmitte nur noch bis Ende März leiten. Die Traditionsgaststätte soll aber als bayerisches Wirtshaus weitergeführt werden.

Der Gasthof zur Post in Erding steht vor einer Zäsur: Das Wirtsehepaar Gisela und Bernhard Rötzer zieht sich zurück. Angedeutet hatten es die Rötzers schon früher einmal, dass sie einen Rückzug für möglich halten. Jetzt ist es so weit: Bernhard Rötzer bestätigte der SZ, dass er den traditionsreichen Gasthof zur Post in Erdings Stadtmitte nur noch bis Ende März leiten wird. Wie es anschließend weitergeht, ist noch unklar. Klar ist nur, dass dort wieder eine "bayerische Traditionsgaststätte" ihren Platz finden solle, sagt Ludwig Kirmair, der Zweite Bürgermeister Erdings und Mitglied der Gesellschafterversammlung der Fischers Stiftungs-Verwaltungs GmbH. Ihr gehört die Gaststätte.

Bernhard Rötzer ist eine bundesweite Berühmtheit: Er hatte im Jahr 2011 dem damaligen deutschen ÖDP-Chef Sebastian Frankenberger den Zutritt zu seiner Wirtschaft verwehrt - aus Ärger über das Rauchverbot, das auf Initiative der ÖDP bayernweit wirksam wurde. Damals bekam er viel Zuspruch von Kollegen, wie er sagte. Und auch in anderen Punkten stimmen ihm sicher viel Gastronomen zu: dass es immer schwieriger wird, eine Wirtschaft erfolgreich zu führen. Viele Auflagen, bürokratische Erfordernisse und der Kampf um das Personal machen es den Wirten schwer. Schon vor zwei Jahren hatte Rötzer gesagt, dass es immer schwieriger werde, ausreichend Mitarbeiter zu finden. "Wer will denn heute noch Koch werden?", fragte Rötzer. Alle wollten lieber Abitur machen.

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Zu den näheren Umständen, die ihn zu der jetzt getroffenen Entscheidung bewogen haben, wollte Rötzer sich nicht äußern. Er bestätigte einzig die Tatsache, dass für ihn Ende März Schluss sein wird. Damit endet eine jahrzehntelange Familientradition: Seit 1985 wurde der Gasthof zur Post als Familienbetrieb geführt. Das Wirtshaus an sich ist aber noch viel älter: Wie es auf der Homepage heißt, ist der Gasthof Ende des 17. Jahrhunderts entstanden. Dort befand sich früher die Posthalterstation mit Pferdeställen, Gäste konnten übernachten, die Pferde wurden ausgetauscht. Später bewirtschafteten die Brauerei- und Posthalterleute Friedrich und Katharina Fischer den Gasthof und die Brauerei bis 1890.

Wie in Erding jedes Kind weiß, starben drei Kinder des Ehepaars Fischer schon in jungen Jahren, weswegen die Fischers mit ihrem Vermögen die Fischers Wohltätigkeitsstiftung gründeten, deren vordringliches Ziel es war und ist, ein Distriktarmenhaus zu gründen und zu führen, das heutige Fischers Seniorenzentrum an der Haager Straße. Der Gasthof zur Post und viele andere Wirtschaften im Landkreis gehören noch heute zur Fischers Stiftung. Im Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude bei einem Fliegerangriff beschädigt, blieb aber in seiner Substanz erhalten. Von 1978 bis 1980 erfolgte eine aufwendige Sanierung, 1985 übernahm die Familie Rötzer.

Für die Stadt Erding ist das Wirtshaus von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Erst Ende 2017 schloss der Gasthof Mayr-Wirt in der Haager Straße, auch dieses Ereignis hatte kleine Schockwellen in der Bevölkerung ausgelöst. Viele Stammgäste und Vereine wurden heimatlos, einige fanden im Gasthof zur Post eine neue Heimat. Jetzt werden sie erneut aufgeschreckt. Ähnliches gilt für die jüngere Generation: Ein Fasching ohne den Lumpen-und Bazi-Ball am Donnerstag in der Post ist kein richtiger Fasching. Kirmair zufolge könnte es durchaus so weitergehen wie bisher. Die Suche nach einem neuen Pächter hat demnach schon begonnen. Es werde alles dafür getan, dass wieder eine "bayerisches Traditionsgaststätte" an dieser exponierten Stelle eröffnet wird. Etwas anderes sei für ihn eigentlich nicht denkbar. Für viele Erdinger auch nicht.

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