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Tourismus in Erding:Wohlfühlstadt mit Wärme und Weißbier

Die Stadt freut sich über hohe Übernachtungszahlen und will den Tourismus weiter ankurbeln. Doch der Bürgermeister dämpft die Euphorie.

Marlene Mortler hat sich fleißig Notizen gemacht, als sie sich am Freitagmorgen im Weißbräu über das Tourismus-Potenzial der Stadt und des Landkreises Erding informieren ließ. Und wenn die tourismuspolitische Sprecherin der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion zurück nach Berlin kommt, hat sie vorwiegend Positives aus der Region zu vermelden.

Die Beliebtheit der Therme Erding freut auch die Hoteliers: Sie trägt zu eine Auslastung der Hotelbetten von fast 78 Prozent bei.

(Foto: Peter Bauersachs)

Der Fremdenverkehr boomt, die Belegungszahlen der Hotelbetten und die Besucherzahlen der Erdinger Therme brechen alle Rekorde: Das Erholungs- und Spaßbad steuert 2010 auf die 1,6 Millionen-Marke zu und Günther Pech, Leiter des Erdinger Stadtmarketings verkündete: "Wir kommen in diesem Jahr leicht und locker auf 300.000 Übernachtungen." Auf der "Minus-Seite" ihres Schreibblocks hat Mortler sich dennoch ein dickes Kontra notiert: Der weiteren Ausweitung des Tourismus sind durch die bestehende Infrastrukur durchaus Grenzen gesetzt.

Tourismus spielt in Deutschland als Wirtschaftsmotor eine zunehmend große Rolle. "Das Bewusstsein für den Urlaub im eigenen Land erlebt derzeit eine Renaissance", sagte Mortler. Sie war auf Einladung des Bundestagsabgeordneten der Wahlkreise Erding und Ebersberg Max Lehmer (CSU) gekommen und hatte sich vor dem Meinungsaustausch im Weißbräu die Erdinger Theme zeigen lassen. "Ich bin platt und begeistert darüber, wie das Unternehmen geführt wird und natürlich von den Zahlen", sagte sie.

Die Beliebtheit der Therme trägt zur fast optimalen Belegung der Erdinger Hotelbetten bei. Das wiederum lässt die Herzen von Landrat Martin Bayerstorfer ("Wir sind der Wachstumslandkreis Nummer eins in der Bundesrepublik.") und Pech ("Wir spielen mit im Orchester der Großen.") höher schlagen. Die Hotelbetten der Stadt sind zu fast 78 Prozent ausgelastet, die des Landkreises zu etwa 54 Prozent, wie Pech verkündete. Exklusive des Übernachtungspreises lasse ein Tourist durchschnittlich rund 60 Euro hier.

Die Zahl der Landkreis-Gemeinden, die zum Touristik-Boom der Region beitragen und schließlich auch von ihm profitieren wollen, steigt. "13 von 26 sind bei uns mittlerweile Mitglied", sagte Pamela Kruppa (CSU), Vorsitzende des Erdinger Fremdenverkehrsvereins und Bürgermeisterin von Moosinning. Der "Urlaub auf dem Bauernhof" ist ebenfalls auf dem Vormarsch, 13 Landwirtschaftsbetriebe nutzen bereits diese Form des Nebenerwerbs, demnächst kommen noch zwei hinzu.

Gerade als die Diskussion aufkam, wie denn der Verkauf regionaler Produkte und damit der Tourismus im Landkreis weiter angekurbelt werden könnte - Mortler hatte den "Urlaub zum mitnehmen" in Form eines Geschenke-Korbes vorgeschlagen - trat Erdings Bürgermeister Max Gotz (CSU) auf die Euphoriebremse: "Eine Ausweitung des Tourismus macht nur Sinn, wenn die Infrastruktur angepasst wird. Wir haben Ortsstraßen im Landkreis, die sind stärker befahren als Bundesstraßen. Und die Touristen kommen hauptsächlich mit dem Auto."

Kruppa pflichtete Gotz bei, pro Thermen-Gast fahre eben ein Auto mehr durch Moosinning. Die Bürgermeisterin wünschte sich von Mortler, sich in Berlin dafür einzusetzen, den Ausbau der Verkehrswege auf die gleiche Ebene zu stellen wie die Förderung des Tourismus.

Natürlich wurde dennoch erörtert, wie sich die Stadt Erding auf dem Tourismus-Markt noch besser in Position bringen könnte. Die Voraussetzung für ein erfolgreiches Marketing sei, dass ein gutes Produkt angeboten werde, sagte Marlene Mortler, und das sei in Erding der Fall.

Dazu spreche die Therme für sich wie etwa der Kölner Dom oder der Freizeitpark Rust. "Außerdem gilt: Je größer der Zusammenschluss, desto größer sei die Schlagkraft bezüglich der Außenwirkung." Auf der ITB in Berlin, der Weltleitmesse des Tourismus, im kommenden März ist die Stadt Erding vertreten. Den Slogan für diese und weitere Messen hat Günther Pech schon ausgetüftelt: "Wohlfühlstadt mit Wärme und Weißbier." Marlene Mortler war merklich angetan von Erding, den Werbespruch wird sie sich also sicher als Pluspunkt notiert haben.