Totschlag Zugeschlagen und weggeschaut

Landgericht Landshut: Drei der fünf Angeklagten machen Angaben zur Sache. Einer sagt, er habe sich nur gewehrt. Zwei andere sagen, sie wüssten wenig, weil sie absichtlich nicht zusahen

Von Florian Tempel, Landshut

Im Prozess um den Tod eines 51-jährigen Ukrainers, der vor einem Jahr nachts in Erding so brutal verprügelt wurde, dass er ins Koma fiel und drei Wochen später an seinen schweren Verletzungen starb, sitzen am Landgericht Landshut fünf Männer zusammen auf der Anklagebank. Sie alle waren wie der Getötete Angestellte bei einer Zeitarbeitsfirma, die sie als Be- und Entladehelfer an einen Paketdienst ausgeliehen hatte. Alle fünf Angeklagten waren in der Nacht des 13. November 2017 dabei, als der Ukrainer vor dem Cineplex-Kino mit Schlägen und Fußtritten ums Leben gebracht wurde. Die Tatbeteiligung der einzelnen Männer war jedoch unterschiedlich. Drei von ihnen sind wegen Totschlags angeklagt, weil sie gemeinsam geprügelt haben. Die zwei anderen Männer waren nur als Fahrer dabei. Sie sind wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

Die Angeklagten nutzen nun ihre Möglichkeiten, vor Gericht Angaben zu machen, auf sehr unterschiedliche Weise. Von den drei Hauptangeklagten hat sich nur einer zur Sache geäußert. Die zwei anderen schweigen und sagen gar nichts zu den Vorwürfe. Die beiden Fahrer versuchten den schwierigen Spagat, nicht zu viel und nicht zu wenig zu sagen.

Anlass für den tödlichen Gewaltexzess war, dass der 51-jährige Ukrainer und zwei weitere bei der Zeitarbeitsfirma beschäftigte Männer ausstehenden Lohn gefordert hatten. Als sie den nicht bekamen, hielten die drei Unzufriedenen ein Firmenfahrzeug gewissermaßen als Pfand besetzt.

Eine zentrale Frage, auf die die Richter und vor allem die Angehörigen des Getöteten einen Antworten haben wollen, ist, ob und wie sehr der brutale Angriff vorher geplant war oder spontan eskalierte.

Einer der Fahrer berichtete, dass es Stunden vor der Tat ein Treffen mit dem Geschäftsführer der Zeitarbeitsfirma gab. Da waren sie noch weit weg von Erding. Einer der drei Hauptangeklagten, "ein kleiner Chef", habe an einer Tankstelle in Nürnberg mit dem Firmenchef in dessen Limousine etwas besprochen. Gleich anschließend sei man von Nürnberg nach Taufkirchen an der Vils gefahren, wo die Zeitarbeitsfirma ein Wohnheim für ihre Angestellten hat. Dort wurde der zweite Fahrer unsanft aus dem Schlaf gerissen. Man brauchte ihn, um sich von ihm den Weg zeigen zu lassen. Er hatte zuvor den Ukrainer und die zwei anderen unzufriedenen Kollegen im Auto auf dem Kinoparkplatz in Erding stehen lassen. Er hatte sie dort im Glauben gelassen, sie müssten dort warten, bis jemand komme, um die Sache mit ihrem ausstehenden Lohn zu regeln.

Von Taufkirchen aus fuhren also alle fünf Angeklagten gemeinsam nach Erding. Unstrittig ist, dass die drei Hauptangeklagten ausstiegen und zum dem besetzten Auto gingen. Die beiden anderen hielten sich zurück.

Der Hauptangeklagte, der Angaben machte, behauptete, er sei beschimpft worden und habe deshalb auf einen der Autobesetzer eingeschlagen. Er sei dann dem 51-jährigen Ukrainer hinterher gerannt - warum könne sich selbst nicht erklären. Der Ukrainer habe ihn mit der Faust schlagen wollen, er habe zurückgeschlagen. Der Mann sei dabei umgekippt und wohl so unglücklich gestürzt, dass er dadurch einen Schädelbasisbruch erlitt. Es habe keinerlei Fußtritte und Schläge mit eisernen Gegenständen gegeben. Die beiden Fahrer sagten, die Hauptangeklagten hätten sofort auf die anderen Männer eingeschlagen. Von den tödlichen Schlägen hätten sie aber nichts mitbekommen - weil sie aktiv wegschauten. Der Prozess dauert an.