Eine Tochter der Stadt:Der 100. Geburtstag von Magda Bittner-Simmet

Die große Erdinger Künstlerin Magda Bittner-Simmet wäre am kommenden Sonntag hundert Jahre alt geworden. Ihre Heimatstadt ehrt sie mit zwei Ausstellungen

Von Mathias Weber

Es ist ein ganz außergewöhnliches Kreuz, aber es passt zu Magda Bittner-Simmet. Auf dem Friedhof St. Paul befindet sich das Grab der in Erding geborenen Künstlerin, die am kommenden Sonntag, 16. Oktober, hundert Jahre alt geworden wäre. Das Kreuz in St. Paul reflektiert ihre Kunst: Es ist wahrscheinlich das farbigste und expressivste auf dem ganzen Friedhof. Vor fünf Jahren hat es der Langenbacher Kichenmaler Franz Böck restauriert und farblich neu gestaltet, inspirieren ließ er sich dabei von der Kunst Magda Bittner-Simmets. Auch wenn die 2008 verstorbene Bittner-Simmet die meiste Zeit ihres Lebens in München gelebt und gewirkt hat, sie fühlte sich immer verbunden zu ihrer Heimat. Vergessen ist Bittner-Simmet hier keineswegs: Der Künstlerin werden in Erding zu ihrem Geburtstag gleich zwei Ausstellungen gewidmet. Außerdem ist ein neues Buch über sie erschienen, das im Umfeld der Münchner Magda Bittner-Simmet-Stiftung entstanden ist. Und schließlich wird es eine Briefmarken-Sonderedition mit Bildern der Malerin mit farbenfrohen Motiven geben, ganz im Stil ihres Expressiven Realismus.

Magda Bittner-Simmets Eltern stammen aus Erding. Während der Vater im Ersten Weltkrieg kämpfte, wohnte ihre schwangere Mutter im Haus ihrer Eltern, die in der Haager Straße die Bäckerei Paukner besaßen, die heutige Bäckerei Fleck. In diesem Haus kam Magda Bittner-Simmet am 16. Oktober 1916 zur Welt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog die junge Familie nach München, in eine Wohnung in der Destouchesstraße in Schwabing. In den Ferien aber verbrachte Magda Bittner-Simmet weiterhin viel Zeit in Erding. Magda Bittner-Simmet verstand sich gleichermaßen als Münchnerin und Erdingerin und war später offenbar auch mit dem Tiermaler Franz Xaver Stahl in Kontakt. Er hat sie im Jahr 1949 besucht. "Ich wäre so dankbar Ihr Urteil zu hören", schrieb Magda Bittner-Simmet am 25. Oktober 1949 an Stahl und lud ihn ein, in ihr Atelier zu kommen. Höflich wie Stahl war, wird er der Einladung sicher nachgekommen sein, denn die Familien Simmet und Stahl waren als Erdinger Bürger gut bekannt und das künstlerische Schaffen der jüngeren Generation - Magda war 15 Jahre jünger als Franz Xaver Stahl - hat ihn immer interessiert. Stahl war an der Kunstakademie München Leiter der Tiermalklasse, während Bittner-Simmet dort studierte. Zwar war Magda nie seine Schülerin, aber im Ausstellungsbetrieb oder im Akademiegebäude ist man sich sicherlich begegnet.

Malerin Magda Bittner Simmet (1916 - 2008)

Blick auf Erding: Magda Bittner-Simmet hat auch ihre Heimatstadt gemalt, expressiv und in starken Farben. Das Bild ist heute im Besitz der Erdinger VR-Bank.

(Foto: privat (Replik))

Nach Kriegsende löste sich Magda Bittner-Simmet sofort vom Nazi-Stil und malte fortan in einem gemäßigt expressionistischen Stil, wobei sie vor allem die Farbenfrohheit und den schnellen Pinselstrich des Expressionismus übernahm, in der Darstellung jedoch realistisch blieb. 1947 heiratete sie den Münchner Arzt Max Bittner, der nur wenige Monate nach der Hochzeit an einer Medikamentenvergiftung starb, womöglich hatte er verunreinigtes Penizillin genommen. Die junge Witwe nahm sich ein Atelier in der Leopoldstraße und hatte bald mit Porträtaufträgen Erfolg. Der Durchbruch gelang ihr 1949, als sie den Abt des Klosters Plankstetten porträtierte. Es folgten weitere gut dotierte Aufträge vorwiegend von Klerikern, Politikern und Unternehmern.

Magda Bittner-Simmet gilt heute als "Porträtistin der Wirtschaftswunderjahre", sie war Teil der Schwabinger High-Society und hielt so Kontakt zu potenziellen Auftraggebern. Allerdings schuf sie auch farbenfrohe Landschaften und Stillleben (auch von Erding und der Umgebung), die zum gediegenen und gehobenen Einrichtungsstil der fünfziger und sechziger Jahre passten. 1989 erhielt Bittner-Simmet das Bundesverdienstkreuz, bis ins hohe Alter malte sie in ihrem Künstlerhaus am Schwabinger Bach. Magda Bittner-Simmet verstarb im Alter von 92 Jahren 2008 in Starnberg, ihre letzte Ruhe fand sie aber in ihrer Geburtsstadt Erding.

Malerin Magda Bittner Simmet (1916 - 2008)

Magda Bittner-Simmet in ihrem Atelier in Schwabing. Mit ihren Portraits verdiente sie gut.

(Foto: privat)

Mit zwei Ausstellungen ehrt diese Geburtsstadt nun unter dem Motto "Feste der Farben" ihre größte Künstlerin. In Zusammenarbeit mit der Magda Bittner-Simmet-Stiftung werden den beiden Erdinger Museen zahlreiche Leihgaben, Fotografien und persönliche Dokumente zur Verfügung gestellt. Aber auch aus Privatbesitz und vom Landkreis Erding werden einige Gemälde mit seltenen Erdinger Motiven zu sehen sein - so zum Beispiel das farbenprächtige vom Grünen Markt. Am Sonntag, 16. Oktober, findet um 11 Uhr einerseits die Vernissage zur Ausstellung "100 Jahre Magda Bittner-Simmet" im Museum Erding statt; später am Sonntag, zwischen 14 und 17 Uhr, wird es eine Geburtstagsfeier im Museum Franz Xaver Stahl geben. Dort werden dann unter dem Motto "Magda besucht Franz" Skizzen, Zeichnungen und Gemälde aus der Akademiezeit zu sehen sein. Private Fotografien und Exponate aus dem Nachlass Magda Bittner-Simmets ergänzen die Ausstellung. Beide Ausstellungen sind bis zum 27. November zu sehen.

© SZ vom 13.10.2016
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