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Tierheim Erding:Junge Katzen abzugeben

In Kirchasch warten viele Katzen auf ein neues Zuhause. Weil es aktuell keine Besuchszeiten gibt, werden wenige Tiere adoptiert.

(Foto: Renate Schmidt)

Jedes Jahr im Sommer, wenn die Tiere Nachwuchs bekommen, steigen die Belegungszahlen. Abgesagte Feste, weniger Helfer und weniger Spenden machen die Arbeit nicht einfacher

Von Laura Dessena, Erding

Junge Katzen bevölkern das Tierheim in Kirchasch. In diesem Jahr sei das Problem mit den jungen Katzen aber besonders groß, sagt Alexandra Wendelken, die Vorsitzende des Tierschutzvereins Erding, der das Heim in der Gemeinde Bockhorn betreibt. Zu viele Katzen seien nicht kastriert und vermehrten sich unkontrolliert, erklärt Wendelken. Das mache sich jedes Jahr deutlich bemerkbar, wenn die Wurfzeit der Katzen beginne - sehr viel deutlicher als die Urlaubszeit oder gar Auswirkungen der Corona-Pandemie. Wendelken fordert, dass mehr Katzen kastriert werden.

Das Tierheim Erding beherbergt im Moment etwa achtzig Tiere, darunter etwa sechzig Katzen, einige davon in privater Pflege. Dazu kommen etwa zehn Hunde, eine Handvoll Kaninchen, zwei Ratten und noch ein paar Tiere. Wendelken sagt, dass Tiere vor dem Urlaub ausgesetzt werden würden, sei schon früher im Landkreis Erding kaum passiert und jetzt auch nicht. Auch dass Tiere aus finanziellen Gründen abgegeben werden, weil Frauchen oder Herrchen aufgrund der Auswirkungen der Corona-Maßnahmen kein Geld mehr hätten, komme nicht vor. Die wahre Herausforderung sei die exponentiell steigende Zahl der Katzen und ihrer Jungtiere.

Die meisten Tiere kommen als Fundtiere ins Tierheim. Vor allem bei Katzen werden die Besitzer nur selten gefunden werden, weil die wenigsten gechippt oder registriert sind. Hundebesitzer werden dagegen fast immer gefunden, weil sie ihre Tiere chippen und in einem öffentlich zugänglichen Haustierregister wie Tasso verzeichnen lassen. In solchen Fällen können Besitzer laut Wendelken innerhalb einer halben Stunde ausfindig gemacht werden.

"Besonders extrem", so Wendelken, ist heuer jedoch die Zahl der streunenden Katzen mit ihren Jungtieren und die Zahl der alleine herumstreunenden Jungkatzen. Jedes Jahr im Juni, wenn die Katzen zu werfen beginnen, bekäme das Tierheim Unmengen an Fundkatzen, weil die wenigsten Katzen oder Kater sterilisiert oder kastriert werden. Dabei sei Sterilisation gerade bei Katzen sehr wichtig. Eine einzige Katze könne im Durchschnitt dreimal im Jahr Junge bekommen und damit neun weitere Katzen werfen, die selbst wieder Junge bekommen. "Das ist wie ein Fass ohne Boden", sagt Wendelken. Das gute Gefühl, am Ende des Jahres viel geschafft und viele Katzen und Jungkatzen vermittelt zu haben, werde jeden Sommer wieder von einer neuen Welle zerschlagen.

Die meisten Fundkatzen kommen zudem krank im Tierheim an. Gerade die kleinen hätten auf der Straße ein grauenvolles Schicksal gehabt, weil sie nicht dazu fähig seien, alleine zu überleben. Aus diesem Grund betont sie: "Jede Katze, die in privater Hand ist, gehört kastriert." Nicht nur die Freigänger, sondern auch Wohnungskatzen. Man verschaffe den Tieren kein angenehmeres Leben, wenn man sie nicht kastriere. Gerade Hauskatzen seien anfällig für Gebärmutterkrankheiten, Stress und generelle Verhaltensauffälligkeiten, wenn sie nicht kastriert seien und keinen Kater fänden. "Wenn jeder seine Katzen kastrieren würde, hätten wir nicht nur weniger Katzen, sondern auch weniger Tierleid", betont Wendelken.

Da das Tierheim im Moment keine öffentlichen Besuchszeiten anbieten kann, fehlen auch die Besucher, die "einfach mal schnuppern" wollen und bei einem Tier hängen bleiben, das ihnen besonders zusagt. Zurzeit muss man gezielt auf der Webseite ein Tier aussuchen und dann einen Termin vereinbaren. Aus diesem Grund würden im Moment auch weniger Tiere adoptiert werden als vor den Beschränkungen. Dies ist in Hinblick auf die exponentiell steigende Zahl der Jungkatzen doppelt problematisch. Aufgrund der Pandemie gab es in den vergangenen Monaten auch Engpässe bei ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern. Die meisten würden nun jedoch wieder kommen. Die Spenden seien durch die Krise ebenfalls etwas zurückgegangen. Was in dieser Hinsicht jedoch mehr auffällt, seien die fehlenden Gelder, die auf den Veranstaltungen des Tierheims eingetroffen wären, denn die Feste mussten abgesagt werden.

© SZ vom 26.08.2020

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