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Thomas Schreder muss sich gedulden:Landesjagdverband sagt Wahl ab

CSU-Kreisvertreterversammlung

Seit zwanzig Jahren setze er sich „24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche“ für den Landesjagdverband ein, sagt Thomas Schreder. Er brenne für dieses Amt.

(Foto: Stephan Goerlich)

Der Erdinger CSU-Politiker greift nach dem Vorsitz

Von Thomas Daller, Erding

Mit Spannung hatte der Erdinger Kreisjagdverband auf den für Samstag geplanten Landesjägertag in der Messe Nürnberg abgewartet, jetzt muss er weiter warten: Wie der Bayerische Jagdverband (BJV) am Freitag mitgeteilt hat, wird die Versammlung abgesagt; eine Ausnahmegenehmigung könne wegen Überschreitung der darin erlaubten Teilnehmerzahl bis auf Weiteres nicht genehmigt werden, teilte demnach die Stadt Nürnberg mit. Eigentlich sollte in Nürnberg der neue Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) gewählt werden, und zu dieser Wahl wollte der BJV-Vizepräsident Thomas Schreder aus Erding antreten, der Vorsitzende des hiesigen Kreisjagdverbandes. Als Gegenkandidat stand bereits Ernst Weidenbusch fest, der ursprünglich als Justiziar für das Präsidium kandidieren wollte. Doch die Liste hätte sich noch erweitern können, denn selbst am Wahltag können sich Interessenten noch für den Präsidenten-Posten bewerben.

Im Landesjagdverband wollte mit der Neuwahl auch wieder Ruhe einkehren bei den Jägern. Denn gegen den bisherigen Präsidenten Jürgen Vocke, der ein Vierteljahrhundert an der Spitze des Verbands stand, wird wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten ermittelt. Laut Staatsanwaltschaft München I geht es um private Auslagen, den Dienstwagen und die Beschäftigung von Vockes Tochter bei einem BJV-nahen Unternehmen. Seither hat Vocke sein Amt ruhen lassen. Aktuell wird der Verband kommissarisch von Vizepräsident Thomas Schreder und Landesschatzmeisterin Mechthild Michaela Maurer geführt.

Die Neuwahl war ursprünglich für März bei einem Landesjägertag in Lindau geplant, der wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste. In Nürnberg werden am Samstag etwa 400 Delegierte erwartet, der einflussreiche Landesjagdverband hat rund 50 000 Mitglieder.

Ernst Weidenbusch, Schreders Gegenkandidat in Nürnberg, ist seit 2003 CSU-Abgeordneter im Landtag. Der 57-jährige Rechtsanwalt aus der Nähe von Salmdorf im Landkreis München ist zudem stellvertretender Landrat. Weidenbusch gilt als "Newcomer", er hat erst seit fünf Jahren einen Jagdschein und ist auch erst seit fünf Jahren Mitglied im BJV.

Schreder ist bereits Vorsitzender des einflussreichen Jagdbezirks Oberbayern, wo er einstimmig gewählt wurde. Zudem ist er auch gewählter BJV-Vizepräsident. Und Schreder hat die Zeit genutzt, um in der Öffentlichkeit die Anliegen der Jäger gut zu kommunizieren. Denn inhaltlich brennen den Jägern derzeit zwei Themen auf den Nägeln: Wegen der Afrikanischen Schweinepest sollen sie immer mehr Schwarzwild schießen und sehen sich dabei nur noch als Schussknechte der Agrarpolitik. Hinzu kommt, dass sich die Jäger gegen die geplante Novelle des Bundesjagdgesetzes wehren, mit dem Rehe stärker bejagt werden sollen. Schreder hat sich vehement gegen den Grundsatz "Wald vor Wild" ausgesprochen und für ein ökologisches Miteinander plädiert. Das ist bei den Jägern gut angekommen. Bei der Wahl zum Vizepräsidenten wurde er mit mehr als 400 von 500 Stimmen gewählt.

Schreder sagte der SZ auf Anfrage, er brenne für dieses Amt und setze sich seit 20 Jahren "24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche" für den Landesjagdverband ein. Er habe das fachliche Wissen, die Erfahrung und sei bereit, 100 Prozent zu geben. Dieses Amt sei zu wertvoll, um es "nebenbei" zu machen. Damit werde er am Samstag für sich werben. Auf die Frage, wie wichtig eine politische Vernetzung des BJV in den Bayerischen Landtag sei, sagte Schreder, der BJV stünde bereits mit zwei Beinen im Landtag, da sowohl der BJV-Bezirksvorsitzende aus der Oberpfalz als auch der BJV-Bezirksvorsitzende aus Mittelfranken Landtagsabgeordnete und dort in den Ressorts und Arbeitskreisen auch "bestens vernetzt" seien.

© SZ vom 16.10.2020

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