Freizeit in Bayern:Wie die Therme Erding nach Corona durchstarten will

Lesezeit: 3 min

Die Therme Erding hat bis dato einen Umsatzverlust von etwa 60 Millionen Euro. Trotzdem wurde saniert und umgestaltet. Seit kurzem ist die "Sky Lounge" fertig - sie kommt dem gestiegenen Wunsch der Gäste nach mehr Privatsphäre entgegen.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Donnerstag und es schüttet kurz vor zehn Uhr wie aus Kübeln, der stürmische Wind peitscht den Regen fast waagrecht durch die Luft. Ein Wetter, von dem man sagt, dass man da nicht mal einen Hund vor die Tür jagt. Wenn Jörg Wund aus dem Fenster blickt, dann freut er sich: "Das ist Thermenwetter." Wund ist Besitzer der Erdinger Therme und die vergangenen zwei Jahre in der Corona-Pandemie haben Spuren hinterlassen.

Rund 300 Tage erzwungene Schließung und nur eine maximale Auslastung von 25 Prozent in den wichtigsten Betriebsmonaten unter 2G plus Regeln haben die finanziellen Reserven aufgezehrt, da man insgesamt 63 Prozent weniger Besucher als in den Vorjahren gehabt habe. In Euro an Umsatzverlust ausgedrückt: die Therme hat bis dato einen Umsatzverlust von rund 60 Millionen Euro hinnehmen müssen, sagt Wund.

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Nichtsdestotrotz habe man notwendige Sanierungsmaßnahmen vorgezogen und einige neue Ideen verwirklicht, sagt der Thermenbetreiber, dessen Familie auch die Therme Bad Wörishofen gehört. Das meiste, wie unter anderem der etwas vergrößerte Textilbereich, ein neuer Ruheraum, das "Aureum", sowie eine modernisierte Badewasser- und Steuerungstechnik und Lüftungsanlage, ist 2021 fertig geworden. Doch ein paar Baustellen zogen, beziehungsweise ziehen sich weiter ins neue Jahr.

Statiker hatten zum Beispiel den Thermenchef nicht ausbremsen können beim Bau seiner "Sky Lounge", aber der Holzmangel in der Pandemiezeit. "Im Januar 2021 wurde die Sky Lounge mit drei Ebenen entworfen, im Februar das Holz bestellt und gekommen ist es dann im September." Ein Jahr später ist sie fertig. "Der Baustoffmangel hat viele der Sanierungsarbeiten und neuen Ideen zeitlich verzögert", sagt Jörg Wund.

Über eine "Himmelstreppe", wie Wund sie nennt, geht es mittlerweile zum höchsten Punkt im Saunabereich, der neuen Sky Lounge mit rund 80 kostenlosen Liegen. Mit Blick über Palmen und Poolbereich. "Alles von Handwerkern aus dem Landkreis gemacht", betont Jörg Wund.

Bei der neuen Rutsche wird an den Wasseranschlüssen gearbeitet. (Foto: Gerhard Wilhelm/oh)

Und bei den Liegen sieht man schon einen Trend: die Gäste wollen laut Wund mehr Privatsphäre, deshalb gibt es mittlerweile viel mehr Trennwände als früher. "Die Leute werden auch nach Pandemie-Ende nicht wieder so zahlreich wie früher kommen", glaubt der Thermenbetreiber. Man müsse sich erst wieder an die Nähe von vielen Menschen gewöhnen.

Diesen Wunsch nach mehr Privatsphäre sehe man auch an den Belegungszahlen der vorhandenen Lounges und Chalets, die man mieten kann. "Dort hatten wir in den vergangenen zwei Jahren Rekordbelegungen." Im Winter sei man bei einer Quote von 85 Prozent gewesen. "Die Leute gönnen sich das, auch, weil sich in der Urlaubskasse einiges angespart hat." Auch das Hotel Victory sei sehr gut belegt, seitdem man wieder geöffnet haben darf. "Im Januar war es zu 90 Prozent belegt. Jetzt zu über 80 Prozent."

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Insgesamt sei die Lage entspannter geworden, sagt der Thermen-Chef. "Die ganz große Nervosität und die bitterbösen Einträge in Facebook sind weniger geworden. Alle Leute hoffen jetzt, dass die Politik Erleichterungen wirklich auf den Weg bringt." Eines ärgert Jörg Wund schon länger: im Mai vor zwei Jahren habe man eine Sieben-Tage-Inzidenz von weniger als 50 gehabt und die Therme habe zusperren müssen. Jetzt sei man in Erding bei 1600 bis 1800 und man spreche von Lockerungen.

Die Corona-Pandemie hat der Therme aber auch eine neue Zielgruppe beschert, wie Wund sagt: "Junge Menschen zwischen 17 und 28 Jahren, die die Einschränkungen eine Zeitlang vergessen wollen. Wir hoffen, diese Gruppe kommt auch nach der Pandemie wieder, weil es ihnen hier gefallen hat."

2022 soll laut dem Thermen-Betreiber ein Jahr des "Feinschliffs" werden. Aber neue Pläne gibt es schon: für ein Dschungeldorf mit Baumhäusern. "Dschungel-Chalets", wie Wund sagt. Im Bereich des Hotels und des Wellenbads sollen heuer noch neue Liegeflächen in rund vier Metern Höhe entstehen. Auch die neue Rutsche ist noch nicht fertig. Aktuell werde an den Wasseranschlüssen für den Betrieb der Rutsche gearbeitet. Eine Rutsche, in der der Gast wie ein Skater in einer Halfpipe mehrmals hin und her pendelt, ehe es weiter geht.

Bis Ostern soll sie betriebsbereit sein. Wund hofft jetzt, dass ein Besuch bald unter 3G-Regelung zugelassen wird, weil dann die Besucherzahlen noch mal steigen könnten. "Wir kommen aus der Pandemie raus, zwar mit einem Riesenflurschaden, aber das Unternehmen ist nicht gefährdet." Die staatlichen Hilfszahlungen für 2020 seien eingegangen, für 2021 warte man immer noch auf mehr als die Hälfte. "Wenn alle Hilfen wie beantragt eingehen, wird das insgesamt nur rund 22 Prozent unseres Umsatzrückgangs ausgleichen. Einsparungen konnten wir durch Kurzarbeitergeld und Temperaturabsenkung realisieren", sagt Wund. Ziel müsse 2022 eine "schwarze Null" sein.

© SZ vom 18.02.2022 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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