Therme Erding Rutsche für Frauen gesperrt

Wenn sie die Beine nicht fest zusammenpressen, kann es zu erheblichen Verletzungen im Intimbereich kommen: Immer wieder mussten Frauen nach dem Rutschen auf dem "X-treme Faser" in der Therme Erding mit Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nun wird über Schutzhosen nachgedacht.

Von Charlotte Theile

Der Mann an der Rutsche bleibt hart. Das Schild über ihm sagt es schließlich klar und deutlich: "Sorry, Ladies", aber diese Rutsche ist nur für Männer zugelassen. Eine junge Frau im Bikini will sich davon nicht abhalten lassen. Sexismus sei das, unglaublich, dass alle Frauen per se als unsportlich gelten würden.

Erhebliche Gefahr für den Intimbereich: die "X-treme Faser"-Rutsche in der Therme Erding.

(Foto: oh)

Marcus Maier, Geschäftsleiter der Rutschenwelt Galaxy in der Therme Erding, kann den Ärger der jungen Frau eigentlich verstehen. Der "X-treme Faser", eine gelb-schwarze Röhre, in der man mit einer Geschwindigkeit von bis zu 72 Stundenkilometer durchs Wasser rauscht, sei schon ein großer Spaß und, wenn man Körperspannung halte, auch für Frauen kein Problem.

Wenn sie die Spannung aber nicht halten können, kann es zu erheblichen Verletzungen im Intimbereich kommen. Immer wieder mussten Frauen mit Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, so Maier. Zunächst habe man versucht, die Unfälle durch genaue Anleitung zu verhindern: "Wir haben den Frauen gesagt, dass sie ihre Beine zusammenpressen und die Spannung während der gesamten Rutschfahrt halten müssen. Trotzdem haben sich in den Pfingstferien wieder zwei verletzt." Daraufhin wurde das Schild über der Rutsche angebracht.

Anatomisch sei die Sache eindeutig: Wenn Frauen mit geöffneten Beinen im Wasser ankommen, trifft sie das Wasser mit bis zu 72 Stundenkilometer im schlechtesten Fall so, dass der Strahl direkt in den Körper hinein geht. Schwere Unfälle habe es noch nicht gegeben, sagt Maier, sie seien aber möglich: "Wir möchten nicht, dass fünf Sekunden Spaß das Leben einer Frau verändern."

Dass sich ein Mann durch den Wasserstrahl im Intimbereich verletzt habe, sei noch nie vorgekommen. Im österreichischen Ötztal steht eine ähnliche Rutsche, der Freefall, hier sind sogar 80 Stundenkilometer möglich. Auch diese Rutsche ist für Frauen gesperrt - obwohl TÜV und Hersteller dies nicht verlangen. Denn eigentlich müssen Rutschen für beide Geschlechter konzipiert werden. Sobald ein Gerät jedoch vom TÜV zertifiziert ist, gehört es den Betreibern. Und die haben eben beschlossen, die Sicherheit ihrer Gäste durch ein Verbot zu gewährleisten.

Sandra Morawitz aus Hallbergmoos kennt die gelb-schwarze Röhre gut: Schon oft hat sie bei Wettbewerben wie dem 42-km-Rutsch-Marathon in Erding mitgemacht; oft war sie schneller als die Männer. Nicht mehr hinein zu dürfen, findet Morawitz "schon komisch". Auch Galaxy-Chef Maier hält die Sperrung für keine optimale Lösung: "Wir überlegen, in Zukunft Schutzhosen an Frauen zu verteilen."