Starkstromleitung Oberbachern-OttenhofenTennet schwenkt auf Alternativroute um

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Am Umspannwerk in Ottenhofen werden die Leitungen erneuert.
Am Umspannwerk in Ottenhofen werden die Leitungen erneuert. (Foto: Renate Schmidt)

Der Netzbetreiber rückt beim Ersatzbau von seiner favorisierten Trasse bei Ottenhofen ab und geht mit der Variante der Bürgerinitiative ins Genehmigungsverfahren. Die BI vor Ort ist erleichtert.

Von Regina Bluhme, Ottenhofen

Netzbetreiber Tennet und eine Bürgerinitiative in Ottenhofen streiten seit Jahren um den Trassenverlauf einer Höchstspannungsleitung. Nun gibt es eine überraschende Wendung: Am Dienstag teilte Tennet mit, dass das Unternehmen die Variante „Finsinger Holz“ in das Genehmigungsverfahren einreichen werde – die Variante der Bürgerinitiative „Starkstromleitung ja, aber mit Abstand zu Ottenhofen und Neuching/Lausbach“. Im Herbst soll das Planfeststellungsverfahren beginnen.

Der Bayreuther Netzbetreiber Tennet werde im Juni die Genehmigungsunterlagen für den Ersatzneubau der Freileitung zwischen Oberbachern und Ottenhofen einreichen, schreibt Catherin Krukenmeyer, Referentin für Bürgerbeteiligung von Tennet, am Dienstag in einer Pressemitteilung. Für das Verfahren habe Tennet „wichtige Optimierungen entlang der gesamten Trasse“ in die Planungen eingearbeitet. Zudem sei die von der BI vorgelegte Alternativroute  „Finsinger Holz“ „tiefergehend geprüft“ worden. „Nach umfassenden Untersuchungen“ habe sich der Netzbetreiber dazu entschieden, diese Trasse „als Vorzugsvariante in das Verfahren einzureichen“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

„Wir sind sehr erleichtert“, sagt Johann Auerweck von der Bürgerinitiative auf Nachfrage der SZ am Dienstag. Erleichtert, „dass unsere sachlichen Argumente Gehör gefunden haben“ und jetzt berücksichtigt würden.

Bis dahin war es ein langer Weg. Unstrittig ist, dass die bestehende, über 50 Jahre alte 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung von Oberbachern nach Ottenhofen erneuert werden muss. Insgesamt tangiert die Strecke für den Ersatzneubau auf 50 Kilometern vier Landkreise. Im Bereich Ottenhofen gab zwei Varianten für die neue Höchstspannungsleitung: eine Variante entlang der Staatsstraße in der Nähe der Bestandsleitung und eine Variante der BI im Bereich Finsinger Holz. Beide Trassen hatte die Regierung von Oberbayern 2021 als raumverträglich beurteilt.

Bei einem Ortstermin 2022 informiert Johann Auerweck von der BI (rechts) über den geplanten Trassenverlauf. Unter den Zuhörern sind die beiden Mitglieder des Wirtschaftsausschusses, MdL Steffen Vogel (3. von rechts) und MdL Volkmar Halbleib (4. von rechts).
Bei einem Ortstermin 2022 informiert Johann Auerweck von der BI (rechts) über den geplanten Trassenverlauf. Unter den Zuhörern sind die beiden Mitglieder des Wirtschaftsausschusses, MdL Steffen Vogel (3. von rechts) und MdL Volkmar Halbleib (4. von rechts). (Foto: Stephan Görlich)

Die Bürgerinitiative „Starkstromleitung ja, aber mit Abstand zu Ottenhofen und Neuching/Lausbach“ betonte stets, dass die von Tennet bevorzugte Trasse sehr nah an Wohnbebauung und Betrieben vorbeilaufe, teilweise 30 und 44 Meter von Gebäuden entfernt. Weiter argumentierte die BI, bei der Alternativtrasse der BI befinde sich keine Wohnbebauung unter den vom Landesentwicklungsprogramm her erforderlichen 200 Metern Mindestabstand.  Eine Rodung des Bannwaldes „Finsinger Holz“ sei auch nicht nötig. Es würde sich sogar die Chance bieten, den Bannwald zu erweitern, bis zu 21 000 Bäume sollen angepflanzt werden.

Die Bürgerinitiative hatte eine Petition gegen die geplante Trasse gestartet und immer wieder die Politik zu Terminen vor Ort eingeladen. Im Dezember 2022 hatte die Petition vonseiten der BI im Wirtschaftsausschuss des Landtags mehrheitlich Zustimmung erfahren. Man könne die Anliegen durchaus nachvollziehen, hieß es damals.

Bannwald und Biotope werden geschont , so Tennet

Tennet erklärte daraufhin, weiterhin beide Varianten zu prüfen, hielt aber zunächst an der ursprünglichen Trasse fest. Im Januar 2025 gab der Netzbetreiber dann bekannt, dass die Variante „Finsinger Holz“ aufgrund neuer Erkenntnisse nicht mehr deutlich nachteiliger gegenüber der Variante im Bestand sei. „Denn der Netzbetreiber konnte die Trassierung im Bereich des Bannwaldes so anpassen, dass keine Masten im geschützten Gebiet stehen werden. Auch die Zahl provisorischer Leitungen konnte deutlich verringert werden“, schreibt Catherin Krukenmeyer am Dienstag.

In einer weiteren Untersuchung seien abschließend die umweltfachlichen Auswirkungen der Variante bewertet worden. Ergebnis:  „Der Bannwald und geschützte Biotope werden dank der neuen Variante geschont.“  Auch erste Baugrunduntersuchungen an möglichen Maststandorten sprächen nicht gegen die Variante. Deshalb reiche Tennet die Variante „Finsinger Holz“ als Vorzugsvariante in das Planfeststellungsverfahren ein. Die Unterlagen werden laut Krukenmeyer Anfang Juni zur Vollständigkeitsprüfung an die Behörde übergeben.

Die Einreichung der Genehmigungsunterlagen nach der Vollständigkeitsprüfung ist laut Tennet für Herbst 2025 vorgesehen.  Voraussichtlich Ende des Jahres wird die öffentliche Auslegung der Planungsunterlagen stattfinden. In dieser Phase kann die Öffentlichkeit die Planungen digital einsehen und Einwendungen einreichen. Der neue Trassenverlauf ist online unter www.tennet.eu/oba-ott in einer interaktiven Karte einsehbar.

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