Süddeutsche Zeitung

Tempo 20 in Erdings Altstadt:Immer mit der Ruhe

Der Stadtentwicklungsausschuss senkt die in der Altstadt erlaubte Höchstgeschwindigkeit ab. Aus der Langen Zeile wird aber keine Fahrradstraße.

Richtig zügig kommt man in der Erdinger Innenstadt ohnehin nicht vorwärts. Ständig wird irgendwo gebaut, und das wird sich in den kommenden Jahren wohl auch nicht ändern. Zumindest für 2020 ist bereits bekannt, dass die Landshuter Straße für Kanalarbeiten lange gesperrt sein wird. Dennoch: Für den Fall, dass der Verkehr einmal fließen könnte, wird er nun mit einer neuen Maßnahme wieder abgebremst: Die Erdinger Altstadt wird zu einer Tempo-20-Zone, das hat der Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss am Dienstag mit 9:4 Stimmen beschlossen.

Einige Stadträte betrachten diese Maßnahme zur Verkehrsberuhigung zwar nicht als zielführend, andere halten auch den Zeitpunkt für ungeeignet, weil ein Mobilitätskonzept für die Innenstadt bereits in Arbeit ist. Dennoch fand sich für den Antrag, den am Ende der Diskussion Stefan Treffler (ÖDP) gestellt hatte, eine Mehrheit von Stadträten aus allen Fraktionen. Abgelehnt wurde dagegen der Antrag der Grünen, die Lange Zeile in eine Fahrradstraße umzuwandeln. Eigentlich hatten die Grünen mit diesem Antrag die Debatte überhaupt erst angestoßen. Diesem Antrag hielt die Stadtverwaltung jedoch den Vorschlag auf Einrichtung einer Tempo-20-Zone entgegen und hatte dazu auch schon eine positive Stellungnahme der Polizei eingeholt: Sie hatte darauf verwiesen, dass Fußgänger und Radfahrer von Tempo 20 profitieren würden. Die Kommune müsste aber regelmäßig Geschwindigkeitsüberwachungen anordnen. Eine Tempo-20-Zone sei mit einer Fahrradstraße jedoch nicht vereinbar, schloss Christian Famira-Parcsetich vom Stadtplanungsamt seine Ausführungen.

Der Grüne Günther Kuhn warb trotzdem für eine Fahrradstraße. Nur ein neues Tempo-20-Schild aufzustellen, das bringe nichts, sagte er. Eine Fahrradstraße hätte "eine andere Bedeutung", der Verkehrsmix würde bleiben. "Wir machen uns damit nichts kaputt", sagte er. Man solle einfach mal einen Versuch starten. Er glaube auch nicht, dass Fußgänger und Radfahrer sehr viel sicherer seien bei Tempo 20. Wie die Grünen in ihrem Antrag ausführten, gibt es zwei wesentliche Änderungen bei Fahrradstraßen: Radfahrer dürften auch zu zwei oder in Gruppen nebeneinander fahren. Und sie bestimmen auch das Tempo. Autofahrer müssten besondere Rücksicht nehmen. Bei Stefan Treffler (ÖDP) rannten die Grünen damit offene Türen ein. Der sagte, es wäre schade, wenn das sich in Arbeit befindende Mobilitätskonzept ausschlaggebend dafür sei, dass jetzt nichts passiere. Er sei für alles zu haben.

Anderen gefiel die Fahrradstraße nicht so gut. Ludwig Kirmair (CSU) meinte, dass es etwas von Maßregelung der Autofahrer habe, wenn die Radfahrer das Tempo bestimmten. "Das gefällt mir nicht." Thomas Bauer (CSU) verwies darauf, dass auch bei Tempo 20 Autofahrer nicht mehr so ohne weiteres Radfahrer überholen könnten. Und Burkhard Köppen (CSU) sagte, er sei sofort für Tempo 20, "weil das der richtige Einstieg in eine Verkehrsberuhigung der Innenstadt ist".

Dennoch: Für richtig gut vorbereitet hielt diese Idee unter anderem Petra Bauernfeind (FW) nicht. Sie sagte, sie hätte gerne die Meinung von Fachleuten gehört, zum Beispiel von den Machern des Mobilitätskonzeptes. Diese eine isolierte Maßnahme halte sie für "nicht zielführend, zumal wenn sie ohne begleitende Maßnahmen umgesetzt werde, und in Anbetracht der Tatsache, dass ein Mobilitätskonzept bereits in Arbeit sei. Auch OB Max Gotz (CSU) klang skeptisch, als er sagte, eine Einführung von Tempo 20 würde nicht wirklich etwas bringen. Die allermeisten hielten sich ohnehin an Tempo 30. Das Problem seien aber die anderen, die mit 50 oder 60 Stundenkilometer durch die Innenstadt fahren, wie auch Herman Schießl (CSU) sagte. Treffler setzte schließlich trotzdem durch, dass über die Einführung von Tempo 20 abgestimmt wurde. Kuhn votierte dagegen, weil er "eine Fahrradstraße für die bessere Lösung" halte. Den Beschlussvorschlag, den Antrag auf Einführung einer Fahrradstraße in der Langen Zeile abzulehnen, nahmen dann auch erwartungsgemäß fast alle an - nur Kuhn nicht.

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SZ vom 12.09.2019
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