Temperaturen von mehr als 30 Grad:"Da muss man durch, es ist eben Sommer"

Lesezeit: 3 min

Eiscafe und Fruchteis sind die Renner der Saison

Der Renner: Bis zu vierzig Liter Kaffee kocht Christoph Krönauer, damit Vy Pham den Kunden den geliebten Eiskaffee servieren kann.

(Foto: Stephan Görlich)

Die erste Woche der Hitzewelle haben die Bürger im Landkreis gut überstanden: Im Klinikum und in den Seniorenheimen läuft der Betrieb ohne besondere Vorkommnisse, Wasserwacht rechnet am Wochenende mit Ansturm auf Weiher

Die erste Woche der Hitzewelle ist überstanden, doch schon an diesem Wochenende steigen die Temperaturen wohl wieder auf steile 34 Grad an. Keine leichten Zeiten für Schüler, Senioren und Menschen, die körperlich im Freien arbeiten müssen. Wie sind die damit zurecht gekommen? Und wie läuft es am Weiher? Die SZ hat nachgefragt.

Die Senioren

Im Fischers Seniorenzentrum hat man sich auf Höchsttemperaturen von bis zu 40 Grad eingestellt. Die Pflegedienstleitung habe alle Mitarbeiter sensibilisiert, worauf zu achten sei, sagt Einrichtungsleiterin Michaela Heß-Sauer. Über 168 Bewohnerplätze verfügt das Haus und 180 Mitarbeiter. Bei Senioren schwinde oft das Wärmeempfinden. "Die laufen bei dem Wetter auch mit der Strickjacke rum." Deshalb müsse man ihnen zureden, sich leichter zu kleiden und ausreichend zu trinken. Außerdem sorge man für leichte Decken, lüfte nachts, man lasse tagsüber die Jalousien herunter und in den Aufenthaltsräumen seien Ventilatoren aufgestellt. In der Cafeteria werden vermehrt Eis und Eiscafé angeboten, was auch dankbar angenommen werde. Die Maßnahmen hätten sich bewährt, sagte Heß-Sauer: "Wir haben derzeit weniger Bewohner im Krankenhaus als sonst im Schnitt üblich." Die hohen Temperaturen würden eher den Mitarbeitern zu schaffen machen.

Die Eisdiele

Erleichterung von der Hitze gibt es in der Eisdiele. Laut Christoph Krönauer vom Café Krönauer kommen die Gäste schon am Vormittag. "Zwischen 13 und 16 Uhr wird es ruhiger, am frühen Abend kommen wieder mehr." Doch nicht nur die Kunden schwitzen bei der Hitze, sondern auch die Angestellten. In der Backstube habe es zwischen 35 und 40 Grad. Deshalb hält Krönauer seine Angestellten dazu an, Trinkpausen zu machen. "Dann dürfen sich meine Mitarbeiter auch mal mit einem Eis in den Garten setzen." Fruchteis wie Erdbeere sei die beliebteste Wahl unter den Kunden. "Aber der absolute Renner bei den Kunden ist der Eiskaffee", sagt Krönauer. Bis zu 40 Liter werden pro Tag gekocht.

Das Krankenhaus

Keine besonderen Vorkommnisse meldete am Donnerstag das Klinikum Erding. Die Notaufnahme habe bislang keine vermehrten Fälle von Kreislaufzusammenbruch oder Hitzeschlag vermerkt, sagte Pressesprecherin Daniela Fritzen. Allenfalls hätten die Ärzte ein wenig mehr Platzwunden zu versorgen gehabt, womöglich deswegen, weil die Menschen bei schönem Wetter mehr sportlich unterwegs seien. Im Übrigen herrschten im gesamten Gebäude aufgrund der Gebäudetechnik "erträgliche Temperaturen".

Die Straßenmeisterei

"Da muss man durch, es ist eben Sommer, deshalb jammert bei uns keiner", sagt Manfred Zißelsberger, Leiter der Straßenmeisterei Erding. 15 bis 18 seiner Leute seien täglich auf den Straßen im Landkreis unterwegs - bei Temperaturen über dem Asphalt bei 35 bis 40 Grad, wie Zißelsberger schätzt. Vor allem werden derzeit Unterhaltsmaßnahmen erledigt. Bei der Hitze würden dann schon mal öfterl kurze Pausen im Schatten gemacht. Eine Kopfbedeckung sei unerlässlich bei der Arbeit im Freien. Und viel trinken, sagt der Straßenmeistereileiter. Im Sommer gibt es für die Mitarbeiter deshalb kostenlos Mineralwasser.

Die Badeweiher

Alle Weiher im Landkreis Erding, die das Landratsamt regelmäßig überprüft, verfügen über eine "ausgezeichnete Badequalität". Und es gibt auch keine Anzeichen, dass sich das in der näheren Zukunft ändert, darauf weist die Landratsamts-Sprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer hin. Allerdings: Die Temperaturen haben innerhalb eines Monats einen gewaltigen Sprung gemacht: von 16 Grad im Mai auf 21 Grad im Juni in Kronthaler Weiher, von 14,5 Grad auf 22,6 Grad im Wörther Weiher und von 15,6 Grad auf 23,8 Grad im Thenner See. Die Wasserwacht Erding rechnet für dieses Wochenende mit einem noch größeren Ansturm, sagt der Vorsitzender Bernd Janowsky. Mit 15 bis 20 Mann sei man vor Ort, und auch wer keinen Dienst habe, komme gerne vorbei. Die Erdinger Wasserwacht hält sich mit ihrem Einsatzfahrzeug auch für Einsätze bei Notfällen in der Umgebung bereit. Bislang hielten sich die Einsatzzahlen in einem überschaubaren Rahmen: ein paar Bienenstiche, ein paar Schnittverletzungen, das war es.

Die Schüler

Wie war das gleich noch mal mit Hitzefrei für Schüler? Schulamtsdirektor Robert Leiter, zuständig für die Grund- und Mittelschulen, verweist auf das Kultusministerium. "Eine gesetzliche oder sonstige rechtsverbindliche Regelung", wonach den Schülerinnen oder Schülern ab einer bestimmten Temperatur hitzefrei "zu gewähren ist oder gewährt werden kann, existiert nicht", zitiert Leiter die Ausführungen des Ministeriums. Dies bedeute jedoch nicht, dass es völlig unmöglich sei. Die Entscheidung liege "im alleinigen Verantwortungsbereich der Schulleitungen". Diese könne zum Beispiel eigenverantwortlich den Unterricht schon mal ausnahmsweise vorzeitig beenden. Dabei gebe es einige Faktoren zu berücksichtigen, zum Beispiel neben den "raumklimatischen Verhältnissen in den Schulgebäuden" auch die Frage der Schülerbeförderung.

Die Tiere

Auch den Tieren macht die Hitze zu schaffen. Im Tierheim des Landkreises komme erschwerend hinzu, dass die neuen Außengehege noch nicht fertig sind, sagt die zweite Vorsitzende Solveig Wanninger. Die Räume haben sich ganz schön aufgeheizt. Am Donnerstag hätten die Mitarbeiter nasse Bettlaken vor die Türen der Zimmer gehängt, um für ein wenig Abkühlung zu sorgen. "Das ist so ziemlich alles was wir machen können." Beim Nassfutter werde zudem drauf geachtet, dass es schnell gefressen wird, damit es nicht verdirbt. Ansonsten verhalten sich die Katzen, Hunde, Kaninchen, Degus oder Farbratten so, wie es Ärzte bei der Hitze empfehlen: "Sie liegen faul herum und bewegen sich so wenig wie möglich."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema