Telefonzellen:Auslaufmodell in Magenta

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Telefonzellen: Vor dem Eingang zum Bahnhof Erding (im Bild) und am Busbahnhof stehen noch öffentliche Telefone. Eins davon wird demnächst abgebaut, ebenso drei weitere im Stadtgebiet.

Vor dem Eingang zum Bahnhof Erding (im Bild) und am Busbahnhof stehen noch öffentliche Telefone. Eins davon wird demnächst abgebaut, ebenso drei weitere im Stadtgebiet.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Telekom baut weitere öffentliche Telefone ab. Im Stadtbereich Erding sind gleich vier auf einmal an der Reihe.

Von Regina Bluhme, Erding

Gleich vier Telefonzellen auf einen Streich werden demnächst im Stadtgebiet von Erding abgebaut: am Bahnhof, am Hofmarkplatz, an der Liegnitzer Straße 14 und an der Max-Planck-Straße 7. Das Bedauern über diese Information hielt sich jüngst im Stadtrat in Grenzen. Seit dem Siegeszug des Handys ist die Nachfrage drastisch gesunken. Die ehemals knallgelben Telefonhäuschen sind zu unscheinbaren, ja unsichtbaren Multifunktions-Stelen mit magenta-farbenem Band mutiert. Bald werden sie ganz verschwunden sein.

Ein wenig Bedauern empfindet Oberbürgermeister Max Gotz aber doch über die Abbaupläne der Telekom. Für einige bedeute das "ein Stück Verlust von Teilhabe", sagte der OB im Stadtrat. Im vergangenen Dezember sei das neue Telekommunikationsgesetz in Kraft getreten. Darin entfalle die öffentliche Telekommunikation als Universaldienstleistung und damit auch "die rechtliche Grundlage für eine Selbstverpflichtung", so Gotz.

Das griffbereite Handy ist inzwischen selbstverständlich

In den vergangenen Jahren gab es bundesweit immer wieder mal Proteste einzelner Gemeinden, wenn ein Telefonhäuschen abgebaut wurde. Vor allem dort, wo es Funklöcher bestehen. Die Nutzung habe in den vergangenen Jahren massiv abgenommen, schreibt Lena Raschke von Corporate Communications der Deutschen Telekom AG auf Nachfrage. "Für den Großteil der Bevölkerung ist öffentliche Telefonie ein Auslaufmodell und das griffbereite Mobiltelefon in der Tasche längst selbstverständlich."

Ein "klares Indiz", dass der Wunsch nach einer öffentlichen Telefonzelle nicht mehr bestehe, sei der fehlende Umsatz, schreibt Raschke weiter. Der Unterhalt kostet Geld: Strom, Standortmiete, Wartung. Wenn der Umsatz über einen längeren Zeitraum "in keinem Verhältnis zur Nutzung" stehe, werde die Telefonzelle abgebaut. Eine Zustimmung von Behördenseite sei nicht notwendig, denn die Grundversorgungspflicht sei entfallen.

Wo noch öffentliche Telefone stehen, weiß in der Stadt keiner

Dennoch, so Raschke, sorge die Telekom weiterhin für eine "bedarfsgerechte Versorgung mit öffentlichen Telefonstellen", vor allem dort, wo es wirtschaftlich Sinn mache, "zum Beispiel an Bahnhöfen, Flughäfen oder auf Messegeländen". Am Erdinger Bahnhof gibt es derzeit zwei öffentliche Stelen, gegenüber des Bahnhofeingangs und am Busbahnhof. Eine wird wohl weichen müssen. Und daran sind die Erdinger und Erdingerinnen selbst schuld: "Mit ihrem Nutzungsverhalten sind Kundinnen und Kunden die Architektinnen beziehungsweise Architekten des Telefonzellen-Netzes", erklärt Lena Raschke.

Wie viele Telefonzellen bleiben in Erding eigentlich übrig und wo stehen diese? Die Fragen von Werner Balbach (Erding Jetzt) und Walter Koppe (Linke) konnte im Stadtrat niemand beantworten. Er werde sich kundig machen, sagte Gotz - auf die Gefahr hin, dass dann auch die verbliebenen abgebaut würden. Wie viele öffentliche Telefone es in Erding oder im Landkreis noch gibt, das war bei der Telekom nicht zu erfahren, der "Ressourcenaufwand" für diese Antwort sei zu groß, schreibt die Pressestelle. Eine Zahl gibt es immerhin: Bundesweit sind noch etwa 14 000 öffentliche Telefone in Betrieb.

Wer will, kann eine gut erhaltene Telefonzelle kaufen

Immerhin werden laut Telekom die öffentlichen Telefone fachgerecht entsorgt oder recycelt. Nostalgiker können auch gut erhaltene Telefonzellen kaufen. Infos für Interessenten gibt es unter info@telekom.de. Gelbe Telefonhäuschen sind jedoch nicht mehr im Angebot.

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