Taufkirchen:Zweifel am "Brückenbauer"

Photovoltaik

Geschäftsführer Steininger sagte, man nehme nur Handwerksbetriebe aus der Region, "maximal aus dem Nachbarlandkreis" für die Installation.

(Foto: privat)

"Power 2 Nature" will durch die Bündelung von Aufträgen mehr Fotovoltaikanlagen auf die Dächer bringen. Regionale Handwerker sollen sie installieren. Einige Taufkirchener Gemeinderäte wittern einen Haken an der Sache

Von Thomas Daller, Taufkirchen

"Power 2 Nature" heißt ein kleines Unternehmen, das derzeit Kommunen im Landkreis eine "Bündelaktion für Fotovoltaikanlagen" anbietet. Mit Zustimmung der Gemeinde werden Bürger zu Informationsveranstaltungen eingeladen, individuell beraten und dann größere Aufträge mit entsprechenden Rabatten bei regionalen Handwerkern generiert. Geschäftsführer Alexandru Steininger hat auch dem Gemeinderat Taufkirchen ein solches Angebot unterbreitet, das für die Gemeinde kostenlos ist. Das Unternehmen erhielt zwar den Auftrag, aber zehn der 24 Gemeinderäte stimmten dagegen, weil sie einen Haken an der Sache vermuteten.

Steininger wies zu Beginn seines Vortrags auf den Klimawandel und dessen Folgen hin und dass man bereits in 6,5 Jahren die 1,5-Grad-Grenze erreichen werde. Umso dringender sei die Energiewende. Eine durchschnittliche Fotovoltaikanlage mit zehn kWp spare bis zu vier Tonnen CO₂ pro Jahr. Sein Unternehmen veranstalte in Gemeinden, die sein Angebot befürworten, Veranstaltungsreihen für die Bürger. Dabei gehe er auch ins Detail und erkläre, wie man die Anlage nicht nur für die Elektrogeräte nutzen könne, sondern auch für ein E-Auto oder zum Heizen. Wenn Bürger im Anschluss daran eine individuelle Beratung wünschen, stehe man auch dafür kostenlos zur Verfügung. Wenn sich die Anschaffung konkretisiere, hole man bei regionalen Fachbetrieben Angebote ein. Beim Kauf der Anlagen erhalte "Power 2 Nature" eine Provision, über die sich das Unternehmen finanziere. In Forstinning habe man mit diesem Vorgehen innerhalb von zweieinhalb Jahren 1,3 Megawatt PV-Leistung umgesetzt, im Landkreis Erding hätten Forstern, Ottenhofen, Pastetten sowie Isen, Walpertskirchen und Wörth Interesse. Taufkirchen könnte auch mit dabei sein.

Der stellvertretende Bürgermeister Christoph Puschmann (CSU) war skeptisch. Er erinnerte daran, dass Taufkirchen über eigene Gemeindewerke verfüge, die ebenfalls so eine Beratung leisten können. Und es gebe auch Firmen vor Ort, die Solarzellen aufs Dach bringen könnten. "Power 2 Nature" komme ihm vor wie ein Zwischenhändler: "Ich persönlich sehe den Mehrwert nicht."

Bernd Friedrich (SPD) verglich das Unternehmen mit einer "mobilen Teerkolonne", die Einfahrten asphaltieren. "Bei 100 Einfahrten kriegt man einen besseren Preis, als wenn man eine asphaltieren lässt." Und Bürgermeister Stefan Haberl monierte, es fehle an Facharbeitern, die die Anlagen montieren, nicht an Beratern.

Steininger entgegnete, sein Geschäftsmodell biete weitere Vorzüge: Wenn ein einzelner "Häuslebauer" für eine PV-Anlage einen Auftrag erteile, wird er oft sehr spät umgesetzt. "Mit unserer Bündelungsaktion reservieren wir nicht nur Kapazitäten, sondern dass das auch zeitnah umgesetzt wird, weil wir bevorzugt behandelt werden."

Martin Huber (AfD) wies darauf hin, dass heimische Betriebe nur noch bei PV-Anlagen Wartungsarbeiten durchführen würden, die sie auch selbst errichtet hätten, weil sie überlastet seien: "Ihr habt doch keinen Service. Da gehört ein Wartungsvertrag her."

Steininger sagte, man nehme nur Handwerksbetriebe aus der Region, "maximal aus dem Nachbarlandkreis". Und zudem nehme man auch keine "Eintagsfliegen", sondern nur Handwerksbetriebe, die seit mindestens zehn Jahren bestehen würden; "manche gibt es bereits in zweiter Generation". Und diese einzelnen Anbieter würden dann auch die Reparaturmaßnahmen anbieten. "Power 2 Natur" verstehe sich als "Brückenbauer" zwischen den Interessenten und den Handwerksbetrieben. Und die Verträge schließe der Kunde in seinem Namen mit diesen Handwerksbetrieben ab. Doch bei einigen blieb die Skepsis. Dem Beschluss, dass der Gemeinderat das Konzept wohlwollend zur Kenntnis nimmt und weitere Schritte unterstützt, stimmten 14 Gemeinderäte zu, zehn waren dagegen.

© SZ vom 26.07.2021
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