Urzeitmuseum "Wie aus einem Bilderbuch"

Peter Kapustin erwirbt aus einer alten Sammlung 30 Fossilien, die den Jura-Raum bereichern. Das Taufkirchener Urzeitmuseum rechnet in diesem Jahr mit neuer Rekordbesucherzahl

Von Thomas Daller, Taufkirchen (Vils)

Das Taufkirchener Urzeitmuseum ist um einige Attraktionen reicher: Der Jura-Raum ist mit Original-Fossilien aus einer alten Sammlung neu gestaltet worden. Bestens erhaltene und teilweise seltene Fische, verschiedene Krebsarten, ein Pfeilschwanzkrebs mit einer langen Fußspur und eine Schlangenechse bieten einen Einblick in die damalige Welt unter und über Wasser.

Diese neuen Schätze hat seit einem halben Jahrhundert kaum jemand zu Gesicht bekommen. Ein älterer Herr, der selbst nicht sammelt, hatte sie von seiner Mutter bekommen. Die Fossilien waren noch in Tageszeitungen aus dem Jahr 1953 eingewickelt, als Peter Kapustin die Stücke in Augenschein genommen hat. Unter anderem war auch ein seltener Flugsaurier dabei, komplett mit Flughaut, die sich als dunklerer Schatten im Stein abzeichnet. "Der liegt perfekt da, wie aus einem Bilderbuch im Grunde", sagte Kapustin. Beeindruckt war er auch von einer Riesenlibelle mit 30 Zentimetern Spannweite. Ein großer Teil der Flügel war noch unter Stein verborgen und musste von einem Präparator erst freigelegt werden. "Pro Flügel saß der rund 30 Stunden dran, und so eine Libelle hat vier Stück davon", sagte Kapustin. Auch zwei Fische sind dem Leiter des Urzeitmuseums besonders aufgefallen: ein Beißfisch aufgrund seiner Größe von 50 Zentimetern sowie ein Schnabelfisch, der noch einen Beutefisch im Maul hat, an dem er offenbar erstickt sein muss. Insgesamt 30 Fossilie hat Kapustin aus dieser Sammlung schließlich erworben.

Peter Kapustin senior mit Mammutknochen. Das Urzeitmuseum Taufkirchen rechet 2015 mit einem neuen Besucherrekord.

(Foto: Peter Bauersachs)

Für Urzeitfans ist die Jurazeit eine besonders interessante Zeit. Vor rund 200 Millionen Jahren war das heutige Europa noch ein Teil des Kontinents Laurasien und überschwemmt von einem urzeitlichen Meer namens Tethys. Nur vereinzelte Bergmassive ragten noch daraus hervor, wobei sich die Alpen erst später bildeten. Der Name Tethys entstammt der griechischen Mythologie. Die Meeresgöttin war die Tochter des Himmels (Uranos) und der Erde (Gäa). Sie vermählte sich mit ihrem Bruder Okeanos, ihre mehr als 3000 Kinder waren Flüsse, Seen und Quellen. Noch weitaus zahlreicher als ihre Kinder sind die Fossilien, die Tethys hinterließ. Vor allem besonders gut erhaltene Fossilien. Die Schichten, in denen man diese Fossilien findet, deuten auf eine hohe Nährstoffkonzentration in diesem Urzeitmeer hin, die vermutlich zu einer hohen Planktonproduktion führte und eine artenreiche Nahrungskette nach sich zog. Durch die hohe Zahl an Lebewesen in den oberen Meeresschichten wurde unten der Sauerstoff knapp. Tote Tiere und Pflanzenreste konnten nicht mehr durch Bakterien zersetzt werden und deshalb sind so viele artenreiche Fossilien aus dieser Zeit erhalten.

Von den seit Jahresbeginn mehr als 3500 kleinen und großen, jüngeren und älteren Urzeitfans vor allem aus Altbayern, Schwaben und Franken, die das Urzeitmuseum besucht haben, sei stets ermutigendes Lob zu hören gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Art der Präsentation mit Informationen und Führungen zum Sehen, Hören und Begreifen würden die Phantasie anregen und Staunen bewirken. Bis zum Jahresende rechne man mit der Rekordbesucherzahl von 10 000 Museumsgästen.

Neben den allgemeinen Öffnungszeiten an Samstagen von 13 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr seien Führungen für Kindergarten- und Schulgruppen, für Seniorenkreise und für Kindergeburtstagsgäste sehr gefragt; die Termine hierfür müssten aber gesondert vereinbart werden. Das ist telefonisch unter der Nummer 015121483443 möglich oder per Mail an info@urzeitmuseum.de.