Taufkirchen gilt als Bastion der CSU. Bei den Kommunalwahlen stimmen die Wähler seit jeher mehrheitlich für deren Bürgermeisterkandidaten. 2020 wurde Stefan Haberl so zum Nachfolger seines Parteifreundes Franz Hofstetter gewählt, der 24 Jahre im Amt war. Nun tritt Haberl zum ersten Mal für eine Wiederwahl an, aber die Zeichen stehen auf Sturm.
Die Nominierungsversammlungen der Taufkirchener CSU waren in der Vergangenheit eine Demonstration der Stärke. Ein Pflichttermin für die 130 Mitglieder des Ortsverbandes, Hofstetter wurde bei seiner letzten Aufstellungsversammlung 2013 mit 100 Prozent Zustimmung nominiert. Zu Haberls Aufstellung für die Kommunalwahl 2026 kamen nun lediglich 45 Mitglieder des CSU-Ortsverbandes, und von denen stimmten auch noch zwölf gegen den amtierenden Bürgermeister. Ein Affront unter Parteifreunden.
Auf der Gemeinderatsliste der CSU wollen außerdem sechs der bisherigen neun Räte nicht mehr antreten, darunter der stellvertretende Bürgermeister Christoph Puschmann sowie Referentinnen und Referenten, die sich in der Vergangenheit einen guten Namen gemacht haben. Die meisten davon sind noch weit entfernt von einem politischen Rentenalter.
Die Gemeinde Taufkirchen befindet sich in einer schwierigen Situation: Der Neubau der Mittelschule mit Mehrzweckhalle und der Bau des Ärztehauses auf der Gutwiese waren teure Projekte, Taufkirchen ist mit 36,5 Millionen Euro relativ hoch verschuldet. Als Nächstes steht auch noch die Ertüchtigung der Kläranlage an, die mit dem Einwohnerwachstum nicht mehr Schritt hält und die neun Millionen Euro kosten soll. Doch das werfen Haberls Gegner ihm gar nicht vor, weil diese Entscheidungen mehrheitlich im Gemeinderat beschlossen wurden.

Haberls Gegenkandidat Bernd Friedrich von der SPD will auch keine großen Versprechungen machen, aber kritisiert Entscheidungen der Vergangenheit. So hätte er auf der Gutswiese kein Kinderhaus gebaut, für das es gar nicht genügend Kinder gebe. Bei den Planungen habe man noch von zwei Wohngebieten „geträumt“ und die Geburtenrate sei nicht so stark nach oben gegangen. Künftig müsse man die Interessen der Bürger genauer abwägen und sich nicht von Einzelinteressen überrumpeln lassen. Dem Bürgermeister wirft Friedrich vor, intransparente Entscheidungen zu treffen. In den vergangenen sechs Jahren seien viele Themen und Abstimmungen in den nicht öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung verschoben worden, obwohl es dafür keine sachliche Begründung gegeben habe.
Die Freien Wähler fordern „weniger Instagram, mehr Engagement bei Sachthemen“
Die Freien Wähler in Taufkirchen, die Friedrich unterstützen, werden noch deutlicher: FW-Gemeinderat Korbinian Empl bemängelt die Mitarbeiterführung Haberls im Rathaus und dass er zu viel Zeit damit verbringe, sich auf Videos für seinen Instagram-Auftritt in Szene zu setzen. Darunter leide die Arbeit des Bürgermeisters. So seien Fehler und Verzögerungen beim Bau des Kinder- und Ärztehauses entstanden, die Haberl zur Chefsache hätte machen müssen. Empl forderte „weniger Instagram, mehr Engagement bei Sachthemen, weniger Selbstdarstellung“. Zudem, so Empl, „gibt es ja noch einen zweiten Kandidaten“. Die CSU im Gemeinderat sieht die Instagram-Präsenz Haberls auch nicht völlig wohlwollend, aber über einen despektierlichen Satz, lustig verpackt im Rahmen einer Faschingsveranstaltung, geht die öffentliche Kritik dabei nicht hinaus.
Und nicht zuletzt sitzt Haberl auch noch die Bürgerinitiative gegen das geplante Baugebiet Flaring im Nacken. Dort soll eine große neue Siedlung unmittelbar an die bestehende Landwirtschaft heranrücken, was die dort ansässigen Bauern als Existenzbedrohung betrachten. Innerhalb weniger Monate sammelten sie mehr als 900 Unterschriften und erfüllten damit die Voraussetzung für einen Bürgerentscheid. Dieser Entscheid soll zwar erst am 19. April stattfinden und somit nach der Kommunalwahl, aber es ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, dass jene Bürger, die unterschrieben haben, Haberl auch bei der Wahl einen Denkzettel verpassen wollen.
Bereits bei seiner Wahl 2020 konnte sich Haberl erst in einer Stichwahl gegen seinen damaligen Herausforderer Manfred Slawny, ebenfalls von der SPD, durchsetzen. „Diese Wahl wird noch spannender als die letzte“, prognostiziert Slawny.

