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Taufkirchen:Unruhe in Taufkirchen

Bei Schnaupping und Jettenstetten findet sich Gestein, das ein atomares Endlager möglich machen würde

Von Philipp Schmitt, Taufkirchen

Ob in geologisch dafür geeigneten Bereichen Taufkirchens von 2050 an in einem für eine Million Jahre konzipierten Endlager hoch radioaktiver Atommüll gelagert wird, das ist noch völlig offen. Bürgermeister Stefan Haberl (CSU) hält ein solches Endlager in Taufkirchen für sehr unrealistisch, die Gemeinde werde sich gegen ein solches Vorhaben aber vorsorglich wehren und sei "entschieden dagegen". Haberl sagte, niemand in der Gemeinde habe damit gerechnet, dass Taufkirchen auf der Liste der 90 möglichen Standorte stehen könnte. Das früher für ein Endlager vorgesehene Gorleben in Niedersachsen hingegen wurde bereits von der Liste gestrichen.

Nichts deutet derzeit konkret darauf hin, dass "einzelne dafür geeignete Fitzelchen" in Taufkirchen, wie Haberl sagte, zu einem nationalen Endlager für Atommüll werden könnten. Allerdings hat Haberl das Thema trotzdem auf die Tagesordnung der Gemeinderatsitzung am Dienstag gesetzt, denn man müsse wachsam sein, wie er sagte. Ihm sei nicht ganz wohl dabei, dass Taufkirchen auf der Liste stehe. Bereiche der Gemeinde gehören laut einem Zwischenbericht zu den bundesweit 90 zu prüfenden Gebieten, die Entscheidung solle 2031 fallen. Dabei geht es unter anderem um die Bodenbeschaffenheit mit Steinsalz, Tongestein und Kristallin-Gestein, wie sie in Taufkirchen etwa bei Schnaupping und Jettenstetten und einigen anderen "Fitzelchen" zu finden ist. Diese Areale sind Haberl zufolge aber vermutlich zu klein für ein bundesweites Atommüllendlager. Natürlich werde sich die Gemeinde dagegen wehren, bundesweites Endlager für hochverstrahlten Atommüll werden zu können. Eine gewisse Besorgnis bleibt aber offenbar zurück, weil Bereiche von Taufkirchen auf geologisch geeignete Böden geprüft werden. Haberl versuchte zu relativieren, schließlich seien zwei Drittel der Fläche Bayerns und die Hälfte der Bundesrepublik aus geologischer Sicht für die Lagerung des hochradioaktiven Müll geeignet. Die Auswahl werde letztlich höchstwahrscheinlich nicht auf Taufkirchen fallen. Haberl sagte, er gehe davon aus, dass Taufkirchen bereits in der nächsten Stufe oder dem übernächsten Auswahlschritt "herausfallen wird". Eine Garantie gibt es dafür aber nicht, auch wenn Haberl die Bereiche in Taufkirchen für ein Endlager als zu klein ansieht. "Ich wollte heute den Gemeinderat über den aktuellen Sachstand dazu informieren", sagte Haberl.

Falls er im weiteren Auswahlverfahren neue Informationen erhalten sollte oder sogar ein Beschluss des Gemeinderats erforderlich werden würde, werde er dies frühzeitig mitteilen. Er wolle für Transparenz und fachliche Informationen aus erster Hand sorgen und damit wilden Gerüchten den Wind aus den Segeln nehmen.

Der Bürgermeister wies noch einmal darauf hin, dass theoretisch die Hälfte der Fläche Deutschlands geologisch für ein atomares Endlager geeignet wäre. In den kommenden Jahren werden die 90 Gebiete weiter reduziert. "Das ist ein langwieriges Verfahren", sagte Haberl. Bis 2031 soll die Entscheidung für einen Standort gefallen sein und 2050 die Lagerung beginnen.

In der Gemeindeverwaltung befasst sich Herbert Mayerthaler intensiv mit dem Thema. Am 28. Januar hat es demnach zum Auswahlprozess eine digitale Fachkonferenz gegeben, wo unter Vertretern aus den 90 infrage kommenden Gebieten Argumente ausgetauscht werden konnten. Haberl fügte an, dass die Gemeinde Taufkirchen beim Thema atomares Endlager eng mit dem Landratsamt zusammen arbeite.

Nach der Katastrophe am 11. März 2011 im japanischen Atomkraftwerk Fukushima nach einem Erdbeben hat noch im Juni 2011 der Bundestag das Aus für alle deutschen Atomkraftwerke beschlossen. Am 28. November 2011 fand der letzte Transport mit radioaktiven Müll ins Zwischenlager nach Gorleben statt. Im Juli 2013 wurden dort die Erkundungs-Arbeiten beendet. 2017 versprach die Bundesregierung eine ergebnisoffene Endlagersuche. Als so genannte Wirtsgesteine für atomaren Müll kämen Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein infrage. Im September 2020 wurde durch die Bundesgesellschaft für Endlagerung publiziert, dass der Salzstock in Gorleben nicht mehr als Standort für ein Endlager für Atommüll infrage komme. Infrage kämen aber 90 weitere Gebiete, darunter Taufkirchen. Jetzt wird zunächst weiter geprüft.

© SZ vom 11.02.2021
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