Taufkirchen:Taufkirchener Gemeindearchiv wird eröffnet

Mit einem Jahr Verzögerung wegen Corona soll der öffentliche Betrieb nun am kommenden Sonntag aufgenommen werden. Neben Dokumenten, Fotos und Filmen sind auch eine Reihe von historischen Alltagsgegenständen zu sehen

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Das heimatkundliche Gemeindearchiv Taufkirchen soll am kommenden Sonntag, 19. September, nun endgültig eröffnet werden. Ursprünglich wollte man diese sehenswerte Fundgrube der Taufkirchener Geschichte bereits im November vergangenen Jahres dem Publikum zeigen. Aber dann funkte Corona dazwischen und ließ das Vorhaben platzen. Nun hofft man, dass diesmal alles glatt geht und die Besucher die ganze Fülle dieses Spektrums erleben können.

Das neue heimatkundliche Gemeindearchiv befindet sich in der Reckenbacher Straße im ersten Obergeschoß des Gebäudes, in dem auch das Taufkirchener Jugendzentrum untergebracht ist. Gemeindearchivar Tobias Karbaumer, dessen Vater Konrad, der langjähriger geschäftsführender Leiter der Gemeinde war, sowie Hermann Hoffmann haben zusammen mit dem Bauhof aus einem verstaubten Depot eine sehenswerte Ausstellung geschaffen.

Der umfangreiche Bestand fußt im Wesentlichen auf drei Säulen: Der Heimatforscher Ludwig Tafelmayer hat bereits in den 1980er Jahren im Keller des damaligen Rathauses ein umfangreiches Archiv aufgebaut. Tafelmayer hat alles gesammelt, was er für historisch wertvoll erachtet hat, von Versteinerungen, die im Gemeindegebiet gefunden wurden, über Pfeilspitzen bis hin zu mittelalterlichen Hufeisen. Außerdem sammelte er Dokumente, Zeitungsausschnitte, Chroniken und bereitete sie thematisch auf: Neben einer Dokumentensammlung mit 1000 Ordnern, die noch gar nicht aufgearbeitet werden konnten, hinterließ Tafelmayer 700 thematisch aufbereitete Ansichtstafeln zu nahezu allen Taufkirchener Aspekten.

Als das neue Rathaus gebaut wurde und das alte Gebäude der Landkreis erwarb, um dort die Realschule zu erweitern, landeten diese umfangreichen Bestände 2006 in diesem Depot.

Die zweite Säule besteht aus dem Nachlass des Lokaljournalisten und Heimatforschers Josef Heilmaier, dessen Dokumentensammlung und Fotos sein Sohn Manfred und dessen Frau Almut 2018 der Gemeinde als Schenkung überlassen haben. Die dritte Säule besteht aus Schenkungen und Leihgaben von Gemeindebürgern, die in zahlreichen Vitrinen ausgestellt sind.

Darüber hinaus gibt es eine Sammlung von alten Alltagsgegenständen, die auch auf Kinder und lokalhistorische Laien Anziehungskraft ausübt. So gibt es neben einer alten Feuerwehrtrompete, mit der Alarm geblasen wurde, auch einen 150 Jahre alten Schöpfeimer aus Leder, mit dem die Feuerwehr Eimerketten gebildet hat. Es gibt eine alte Schulbank mit dazugehöriger Tafel, Schulbüchern und Abakus, einen alten Zahnarztstuhl und vieles mehr. Auch Werkzeuge ehemaliger Handwerksbetriebe sind ausgestellt, vom Schlosser Max Maier bis hin zum Schuster Fritz Rampeltshammer.

Während der erzwungenen Corona-Pause waren die drei Archivpfleger nicht untätig. Sie haben viele Schriftstücke digitalisiert und weitere Stücke gesammelt, darunter auch Räder der Taufkirchener Postkutsche und deren Geschichte rekonstruiert. Die Posthalterei in Taufkirchen begann demnach 1843 und endete erst 1956, als dann Postautos eingesetzt und der Betrieb der Kutsche endgültig eingestellt wurde. Zeitweilig beförderte die Kutsche nicht nur Briefe, sondern auch Personen, bis 1898 die Bahn die Personenbeförderung übernahm. Erhalten sind nur noch zwei Räder, die noch die ursprüngliche gelbe Farbe haben, die Kutsche selbst ist bei einem Scheunenbrand in Rauch aufgegangen.

Es gibt nun auch ein kleines Kino, in dem über einen Beamer digitalisierte Kopien von Filmen gezeigt werden, die Hubert Kemper und Heinz Lang in den 1980er Jahren in Taufkirchen gedreht hatten. Darunter befinden sich auch zahlreiche Interviews mit älteren Taufkirchner Bürgern, die aus ihrem Leben erzählen. Zeitdokumente, ursprünglich auf VHS-Kassetten gedreht, deren schleichendem Qualitätsverlust durch die Digitalisierung Einhalt geboten wurde.

Die Öffnungstage und -zeiten für September und Oktober stehen bereits fest und sind auf der Startseite der Gemeinde Taufkirchen im Internet nachzulesen. Der Besuch kann nur nach Anmeldung erfolgen, da sich nur eine begrenzte Anzahl von Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten aufhalten dürfen. Die Anmeldung kann per Telefon unter 08084/3728 oder per E-Mail an gemeindearchiv@tfk-aussenstelle erfolgen. Darüber hinaus steht das Archiv nach Terminvereinbarung auch interessierten Gruppen wie Vereinen zur Verfügung, solange deren Größe die Corona-Regeln nicht überschreitet. Auch für Schulprojekte habe man bereits bei Recherchen geholfen, sagte Tobias Karbaumer. Ganze Schulklassen könne man aber erst empfangen, wenn Corona es erlaubt.

© SZ vom 17.09.2021
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