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Taufkirchen:Taufkirchen setzt auf Carsharing

Schulbusflotte auf Gut Biberkor; Schulbusflotte auf Gut Biberkor

Einen Kleinbus mit neun Sitzen stellt das Unternehmen zur Verfügung. Das Konzept habe sich schon an 60 Standorten bewährt.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ein Kleinbus der Firma Mikar soll künftig den Bürgern zur Verfügung stehen

Carsharing auf dem Land und Carsharing in der Stadt kann man nicht über einen Kamm scheren. Das Modell "kleiner Zweitwagen" hat sich in Großstädten bewährt, auf dem Land deckt nach Angaben von Jennifer Stern ein Neun-Sitzer-Bus viele Bedürfnisse besser ab. Stern hat dem Taufkirchener Gemeinderat das Prinzip der Firma Mikar erklärt, für die sie arbeitet, und die Mitglieder davon überzeugt. Taufkirchen will das Konzept baldmöglichst umsetzen.

Die Firma Mikar mit Sitz in Deggendorf bestehe bereits seit 20 Jahren und habe sich auf den ländlichen Raum spezialisiert, sagte Stern. Die Firma kauft die Busse und bleibt Eigentümer. Sie übernimmt auch den Fahrzeugservice wie Reinigung, Räderwechsel oder TÜV. Von Seiten der Kommune bitten sie lediglich um eine Empfehlung, dann garantieren sie die Umsetzung für einen Zeitraum von vier Jahren.

Mit dieser Empfehlung wendet sich Mikar an Unternehmen in der jeweiligen Kommune und bietet den Bus als Werbefläche an. Für die Dauer von vier Jahren kostet die Standardwerbefläche etwa 1500 bis 1600 Euro, es gibt auch kleinere zum halben Preis. Damit decke die Firma den Großteil ihrer Kosten, sagte Stern. Die eigentlichen Mietkosten für das Fahrzeug seien nur das "Zuckerl obendrauf".

Die größte Zielgruppe seien private Gruppen. Daneben würden auch Vereine, Firmen oder Hotels das Fahrzeug nutzen. Beispielsweise könnten zwei Familien gemeinsam übers Wochenende damit nach Südtirol fahren. Auch ein Großteil einer Kindermannschaft lasse sich damit zu einem Spiel in den Nachbarort fahren. Man könne auch einen Teil der Sitze ausbauen und für einen Ausflug die Fahrräder mitnehmen. Oder man fahre zum Einkaufen in ein schwedisches Möbelhaus und lade dort die großen Pakete ein. Solche Nutzungen seien nach Erfahrung der Firma sehr gefragt. Mittlerweile gebe es ihre Busse in 60 Orten und die durchschnittliche jährliche Fahrleistung pro Bus liege bei 30 000 Kilometern, "weil die Zielgruppe so breit gefächert ist", sagte Stern.

Die Kosten für die Nutzer lägen bei 4,90 Euro pro Stunde beziehungsweise 44,90 Euro für 24 Stunden. Darin enthalten seien 300 Kilometer frei pro Buchung, für jeden weiteren Kilometer zahle man zehn Cent. Außerdem müsse man den Wagen wieder vollgetankt abstellen.

Um Kunde zu werden, müsse man sich eine App aufs Smartphone laden. In dieser App werde beispielsweise die Bankverbindung eingegeben, um die Fahrten zu bezahlen. Außerdem müsse man sich mit seinem Führerschein legitimieren. Das könne beispielsweise durch eine Sichtprüfung im Rathaus erfolgen. Sobald die Freischaltung erfolgt sei, was meistens noch am selben Tag erfolge, könne man den Bus nutzen. Dazu benötige man nicht einmal eine Schlüsselübergabe, denn man könne das Fahrzeug per Telematik öffnen und schließen. Den Fahrzeugschlüssel finde man im Wagen. Die Fahrzeugübergabe sei standortbasiert. Wo man den Bus abgeholt habe, stelle man ihn auch wieder ab.

Mikar betrachte den Bus als Nutzfahrzeug: "Kleine Dellen nehmen wir hin", betonte Stern. In der App seien bereits vorhandene Schäden dokumentiert. Wenn man bei der Übergabe eine neue Delle entdecke, sollte man sie fotografieren und an Mikar schicken. Nur wenn die Firma zu 100 Prozent nachweisen könne, dass ein Kunde einen größeren Schaden am Bus verursacht habe, müsse er mit haften.

Für die Kommune würden keine Kosten anfallen, betonte sie. Aber der Firma sei es wichtig, dass sie durch deren Zustimmung einen offiziellen Anstrich habe. Sobald die Zustimmung erfolgt sei, schreibe man alle Unternehmen in der Gemeinde an und kontaktiere sie später telefonisch, ob Interesse an einer Werbefläche bestehe. Nur wenn eine Zusage erfolge, komme man auch persönlich vorbei. In Taufkirchen habe sie keinerlei Zweifel, hinreichend Interessenten zu finden: "Sie haben eine ordentliche schöne große Kommune", sagte sie. Dieses Konzept habe schon in wesentlich kleineren Gemeinden funktioniert.

Bürgermeister Stefan Haberl fand das Konzept gut: "Jedes weitere Auto, das man von der Straße runter bringt, ist ein Erfolg." "Vielleicht kann damit der eine oder andere auf den Zweitwagen verzichten", stimmte Stern zu. Der Gemeinderat beschloss daraufhin einstimmig, das Konzept baldmöglichst umzusetzen.

© SZ vom 08.10.2020 / tdr
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