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Taufkirchen:Slawny profiliert sich

Slawny

Manfred Slawny, 57, tritt als Bürgermeisterkandidat in Taufkirchen an. Sein Wahlkampfauftakt wurde mit großen Interesse verfolgt.

(Foto: Thomas Daller)

SPD-Bürgermeisterkandidat in Taufkirchen stößt bei seiner Auftaktversammlung in Moosen auf großes Interesse. Er zählt sozialen Wohnungsbau und Mobilität zu den Herausforderungen, betont jedoch auch die Stärken der Gemeinde

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Ein aussichtsreicher SPD-Bürgermeisterkandidat in einer CSU-Hochburg? Das gibt es: Manfred Slawny hat bei der Vorstellung seines Wahlprogramms und der Gemeinderatskandidaten den großen Landgasthof Zuhr in Moosen bis auf den letzten Platz gefüllt - genauso wie CSU-Bürgermeisterkandidat Stefan Haberl zwei Wochen davor. Gemessen am Bürgerinteresse könnten sich möglicherweise schon die Kandidaten für eine Stichwahl in Taufkirchen abzeichnen.

Taufkirchen hat den zweitgrößten CSU- Ortsverband im Landkreis. SPD-Jahreshauptversammlungen hingegen finden hier in der Regel an drei Tischen im Nebenzimmer statt. Doch Slawny weckt Interesse, nicht nur unter den 1100 Mitgliedern des SC Moosen, deren Vorsitzender er ist, sondern auch bei vielen Taufkirchenern, die zum SPD-Wahlkampfauftakt gekommen sind. Auf die Schnelle wurden noch Lautsprecher und Mikrofon organisiert, weil man Slawny unplugged vor so großem Publikum gar nicht verstanden hätte.

Slawny stellte sich vor: Er ist 57 Jahre, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und im April kommt sein erstes Enkelkind zur Welt. Er ist langjähriger Betriebsratsvorsitzender, 2005 als Nachrücker in den Gemeinderat gekommen und seit 2008 auch Mitglied des Kreistags. In Taufkirchen ist er stellvertretender Kulturreferent und Mitglied des Schulbeirats, ehrenamtlich ist er zudem Jugendschöffe am Amtsgericht Erding.

Taufkirchen steht vor einem Riesenprojekt, dem Abriss und Neubau der Mittelschule mit Mehrzweckhalle, mit knapp 33 Millionen Euro die größte Investition, die je in Taufkirchen getätigt wurde. Und Slawny bekannte sich dazu: Bildung sei der Schlüssel zum Erfolg, und im Kreistag seien erst kürzlich Zahlen vorgelegt worden, die einen deutlichen Zuwachs der Schülerzahlen in Taufkirchen prognostiziert hätten.

Auch bezahlbarer Wohnraum sei ihm wichtig, sagte Slawny. "Wohnen wird immer teurer, die Preise des Münchner Speckgürtels sind auch bei uns angekommen. Hier müssen wir eingreifen und vorausschauende Wohnungsbaupolitik betrieben." Taufkirchen müsse deutlich mehr sozialen Wohnungsbau vorantreiben und dürfe "das Soziale nicht nur den Tafeln überlassen".

Die Ortsmitte müsse vom Straßenverkehr entlastet werden, fuhr Slawny fort. Die Ortsumfahrung sei im vordringlichen Bedarf, und obwohl das Straßenbauamt überlastet sei, sei er "vorsichtig optimistisch", dass sie in den nächsten Jahren gebaut werde. Zudem müsse aber auch der ÖPNV weiter ausgebaut werden und dazu gehöre auch die richtige Vertaktung. Taufkirchen sei bei der Mobilität jedoch auf einem guten Weg, beispielsweise beim Gemeindebus, dessen Benutzung seit kurzem kostenlos ist.

Zum Thema Landwirtschaft sagte der SPD-Bürgermeisterkandidat, dass er die Probleme der Bauern ernst nehme. "Wenn ich Bürgermeister werde, komme ich und höre mir die Probleme an." Auf dem Land müsse es ein Nebeneinander mit den Bauern geben. "Und dass es ab und zu mal stinkt, das gehört dazu." Andererseits werde er sich aber auch um die Ökologie kümmern, denn das sei ein zu wichtiges Thema um es verwaisen zu lassen; insbesondere vor dem Hintergrund, dass es in Taufkirchen keine ökologische Partei gebe: "Das ist was, was uns fehlt."

Taufkirchen sei ein guter Wirtschaftsstandort mit mehr als 3000 Arbeitsplätzen, betonte Slawny. Die Gemeinde benötige jedoch ein zukunftsfähiges Internet: "Wer von Zuhause aus arbeitet, braucht das. In Bayern sind wir aber ein bissl hintendran und in den Dörfern schaut es noch schlimmer aus." Bei den Bürgerversammlungen in Gebensbach und Wambach sei das thematisiert worden und daran müsse man arbeiten.

Er hob auch die Stärken und Erfolge Taufkirchens hervor: Einen Seniorenbeirat wie in Taufkirchen gebe es nur drei mal im Landkreis. Auch das Mehrgenerationenhaus sei ein "unglaubliches Plus": "Die sprühen vor Ideen, dort ist immer was los. Das Mehrgenerationenhaus ist das Haus, das niemals schläft." Außerdem könne er sich vorstellen, dass künftig auch die Jugend einen Beirat bilden könne; aber der Impuls müsse aus der Jugend kommen.

Nach seiner Ansprache gab es nur eine Frage: Viele Taufkirchener Hausärzte würden bald in Rente gehen. Was könne man machen, um die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Slawny erörterte die Möglichkeiten der Gemeinde und dass man mit 10 000 Einwohnern eine gewachsene Berechtigung auf eine gute medizinische Versorgung habe. Es gab viel Applaus, danach wurde an den Tischen noch lebhaft weiter diskutiert.

© SZ vom 08.02.2020
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