Besondere SehenswürdigkeitDer verborgene Silberschatz im Taufkirchener Wasserschloss

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Die Statue der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm ist Teil des Silberschatzes. Er wurde 2013 im Wasserschloss anlässlich des 750-jährigen Bestehens gezeigt.
Die Statue der Gottesmutter mit dem Jesuskind auf dem Arm ist Teil des Silberschatzes. Er wurde 2013 im Wasserschloss anlässlich des 750-jährigen Bestehens gezeigt. Foto: Bodo Gsedl; Gemeinde Taufkirchen
  • Die Gemeinde Taufkirchen sammelt Spenden für eine 50.000 Euro teure Sicherheitsvitrine, um ihren wertvollen Silberschatz aus dem Wasserschloss dauerhaft zu präsentieren.
  • Der Silberschatz mit Madonna, Heiligenfiguren und Messausstattung ist eine Seltenheit, da die meisten vergleichbaren Schätze während der Säkularisation 1802/1803 eingeschmolzen wurden.
  • Der Schatz entstand durch eine Wallfahrt, die der Schlossherr Adam Freiherr von Puech mit Gebeinen aus römischen Katakomben als "Heiliger Viktor" begründete.
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Die Projektgruppe der Gemeinde Taufkirchen sammelt Spenden für eine Sicherheitsvitrine.

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Ein wertvoller Silberschatz, der sonst gut verborgen ist, soll künftig öfter zu sehen sein: Die Gemeinde Taufkirchen an der Vils besitzt einen außergewöhnlichen Kirchenschatz aus der Kapelle des Wasserschlosses. Jahrzehntelang waren nur wenige Stücke in der Schlosskapelle ausgestellt, der Großteil lagerte im Tresor einer Bank. Nun sammelt eine Projektgruppe des Kommunalunternehmens Wasserschloss Spenden für eine Sicherheitsvitrine, um die schönsten Exponate dauerhaft präsentieren zu können.

Zu dem Silberschatz zählen eine Madonna, Heiligenfiguren, Kerzenleuchter, Votivgaben und eine wertvolle Mess-Ausstattung mit Kelch, Hostienschale und Kännchen für die Eucharistiefeier. Der Schatz wurde in der Zeit der Wallfahrt nach Taufkirchen angesammelt. Diese war aus heutiger Sicht ein Schlawinerstück: Denn im benachbarten Dorfen existierte mit der Wallfahrt zur Kirche Mariä Himmelfahrt bereits neben jener in Altötting eine der größten in Bayern. Für Speis, Trank und Übernachtung ließen die Pilger Geld in Dorfen und in Taufkirchen wollte man auch verdienen. Um den Umsatz seiner eigenen Brauerei zu fördern, reiste der Schlossherr Adam Freiherr von Puech 1695 nach Rom, wo er die Gebeine eines unbekannten Toten aus den Katakomben erwarb. Zuhause präsentierte er sie unter dem Namen des „Heiligen Viktor“ und begründete so eine eigene Wallfahrt nach Taufkirchen.

Solche Silberschätze wie in Taufkirchen waren auch in reichen Bistümern, Abteien und Klöstern vorhanden. Doch in den Jahren 1802 und 1803 fand in Bayern die Säkularisation statt. Viele geistliche Fürstentümer wurden aufgelöst und ihr Besitz wurde verstaatlicht. Rechtsgrundlage für diese Enteignung war der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss. Die Silberschätze wurden eingeschmolzen und zur Sanierung der Staatsfinanzen verkauft.

Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums Freising, einem der größten kirchlichen Museen der Welt, hatte sich 2017 auf Bitten der Taufkirchener Gemeinderätin und Ordinariatsrätin Anneliese Mayer mit dem Silberschatz befasst und war begeistert: Er sprach von einer „Entdeckung“, die bislang in der Literatur wenig bekannt sei. Der Silberschatz sei eine „Seltenheit in der Frömmigkeits- und Kulturgeschichte“, weil die meisten Ausstattungen dieser Art während der Säkularisation eingeschmolzen wurden. „Fast keine sind in dieser Weise erhalten. Dieser Schatz hat in Taufkirchen nur überlebt, weil er privater Besitz der Schlossherren war und kein kirchlicher Besitz.“

Kürzeder sprach damals von einem „erstaunlichen Bestand“, der seiner „Einmaligkeit geschuldet“ sei. Diesen „veritablen Schatz“ könne man auf Dauer nicht weiterhin im Verborgenen belassen, zumal man im Wasserschloss über den originalhistorischen Ort der Schlosskapelle verfüge. So entstand damals die Idee eines kleinen Museums in der Schlosskapelle, in der beispielsweise auch die „vier wunderbaren Reliquienbüsten, Meisterwerke der Münchner Silberschmiede“ sowie der Katakombenheilige Viktor und Wallfahrtsandenken als ortsgebundenes kulturelles Erbe präsentiert werde.

Auch die Votivgaben und eine sakrale Messausstattung sollen im Wasserschloss ausgestellt werden, wenn sie mit einer Vitrine aus Sicherheitsglas geschützt werden können.
Auch die Votivgaben und eine sakrale Messausstattung sollen im Wasserschloss ausgestellt werden, wenn sie mit einer Vitrine aus Sicherheitsglas geschützt werden können. Foto: Gemeinde Taufkirchen

Die Gemeinde als Eigentümerin des Wasserschlosses möchte den Silberschatz künftig der Öffentlichkeit zugänglich machen. Geplant ist dafür die Umgestaltung des Oratoriums in einem Nebenraum rechts neben der Schlosskapelle. Dort soll der Schatz in einer museumstauglichen Vitrine mit Beleuchtung präsentiert werden. Noch diskutiert wird, ob die um 1921/22 eingebaute Holzempore entfernt werden soll. Sie war seinerzeit in der Schlosskapelle eingebaut worden, damit die Ordensfrauen von dort aus auf den Altar sehen konnten. Würde die Empore wegfallen, wäre ein ebenerdiger Zugang von der Kapelle zur Vitrine möglich. Gezeigt werden sollen allerdings nicht alle Stücke, sondern nur die schönsten und wertvollsten Objekte des Silberschatzes.

Die Schlosskapelle ist bereits mit einer Alarmanlage ausgestattet. Museums-Fachleute haben nach Angaben der Projektgruppe zudem einen Vorschlag für die Vitrine gemacht. Die Gesamtkosten für das Projekt mit Umgestaltung des Raumes werden auf derzeit 50 000 Euro geschätzt. Damit das Silberschatz-Projekt umgesetzt werden kann, bittet das Kommunalunternehmen Wasserschloss nun um Spenden.

Der Silberschatz war nicht die einzige Kostbarkeit des Wasserschlosses. Einst beherbergte es auch eine Kunstsammlung von europäischem Rang. Rund 150 Gemälde bedeutender Künstler des Mittelalters und der Renaissance waren dort ausgestellt, darunter Werke von Albrecht Dürer, Lucas Cranach, Tizian, Tintoretto und Peter Paul Rubens. Nach Einschätzung von Kunsthistorikern handelte es sich bei einem Teil dieser Sammlung um Kopien. Viele Originale jedoch sollen in Krisen- und Kriegszeiten verloren gegangen sein.

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