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Taufkirchen:Milch erfährt mehr Wertschätzung

Martin Wegmann an seiner Milchtankstelle: Die Nachfrage nach der frischen Landmilch steigt auch in der Coronakrise.

(Foto: Renate Schmidt)

Bauernverband registriert in der Coronakrise eine zunehmende Nachfrage und einen höheren Butterverbrauch

Am 1. Juni haben Milchviehbetriebe und Bauernverbände in über 30 Ländern den 63. Internationalen Tag der Milch begangen. Innerhalb Europas ist Deutschland Milchland Nummer 1. Der Bayerische Bauernverband (BBV) nahm den Weltmilchtag zum Anlass, Gäste auf den Stola Hof nach Taufkirchen einzuladen. BBV Vize-Kreisobmann Michael Hamburger begrüßte neben den Ortsbäuerinnen Steffi Hörmann und Ulrike Glasl zwei Direktvermarkter aus dem Landkreis: Andreas Fürmetz vom Doislhof in Pretzen und Martin Schaidhammer von Berghamer MiLLi, Dorfen. Als BBV Ortsobmann und Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Taufkirchen war der Taufkirchener Gemeinderat Korbinian Empl als Ansprechpartner ebenfalls dabei.

Hamburger verwies in seiner Begrüßung auf die 646 Milchbetriebe im Erdinger Landkreis mit durchschnittlich 41,5 Kühen. Die Bauern im Erdinger Raum liefern ihre Milch ans Milchwerk Jäger in Haag; die Taufkirchener Milch geht an Meggle in Wasserburg. Laut Hamburger fragen die Verbraucher in den vergangenen Jahren immer mehr nach regionalen Lebensmitteln. Diese Nachfrage sei während der Corona-Pandemie noch größer geworden. Der Landkreis Erding habe auf das geänderte Verbraucherverhalten mit der eigenen Marke "echt erding" reagiert, die Direktvermarktern eine bessere Plattform und entsprechende Aufmerksamkeit bringen soll und den angebotenen Produkten einen hohen Identitätswert.

Korbinian Empl knüpfte an die Worte von Hamburger an und begrüßte es, dass zumindest einige wenige Landwirte den Weg der Direktvermarktung gewählt hätten. Milch an der Milchtankstelle oder vom Hofladen kommt mit allen Inhaltsstoffen zum Verbraucher. Unbehandelt enthalte sie etwa 4,4 Prozent Fett und werde dem Kunden CO2-neutral zur Verfügung gestellt, da zwischen Kuhstall und Hofladen meist nur wenige Meter zurückgelegt werden. Durch die Direktvermarktung ergebe sich eine erhöhte Wertschöpfung für den jeweiligen Betrieb. Leider würden die Milchbauern derzeit einen Preisrückgang bei Milchverkauf an die Molkereien erfahren, obwohl die Nachfrage ständig steige. Gerade in der Corona-Zeit sei der Butterverbrauch stark gestiegen, so dass die Molkereien mehr Milch bei den Landwirten nachfragen. Dennoch sinke der Milchpreis. Im Gegensatz dazu stiegen die Futtermittelpreise durch erhöhte Frachtkosten während der Corona-Pandemie. Teilweise sei es zu Lieferengpässen gekommen, was sich in den Preisen widergespiegelt habe.

Gastgeber Martin Wegmann eröffnete die Milchtankstelle am Stola Hof im Herbst 2016, weil damals schon eine gewisse Unzufriedenheit über den Milchpreis der Molkerei herrschte und die Kunden, die ihre Milch bereits in kleinen Mengen ab Hof kauften, die Möglichkeit eines Milchautomaten ins Gespräch brachten. Die Milch werde zum Preis von einem Euro pro Liter verkauft und sei somit günstiger als hochwertige Milch im Supermarkt. Schaidhammer stellt seit Beginn der Corona-Pandemie eine verstärkte Nachfrage fest, die dazu führte, dass der Milchautomat an manchen Tagen schon mittags neu befüllt werden musste. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass durch Kurzarbeit mehr Menschen zu Hause sind.

© SZ vom 03.06.2020

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