bedeckt München 24°

Milchwirtschaftlicher Frühschoppen:Kampf um die Milchpreise und den Ruf

Verwertungsgenossenschaft kritisiert im Taufkirchner Festzelt die niedrigen Milchpreise. Landrat Bayerstorfer nimmt Landwirte gegenüber Kritikern in Schutz

Die aktuelle Lager auf dem komplexen Milchmarkt stand am Montag beim milchwirtschaftlichen Frühschoppen der Molkerei Meggle im Festzelt auf dem Volksfestplatz im Mittelpunkt. Als es bei der 1928 gegründeten Verwertungsgenossenschaft noch viel mehr als die derzeit 97 Milchlieferanten gab, waren die Reihen bei der Traditionsveranstaltung zwar deutlich besser gefüllt, doch eine große Bedeutung haben die Milchbauern Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) zufolge mit immerhin noch 600 Milchbetrieben im Landkreis immer noch. Mit dem Milchpreis von 32 Cent sind die örtlichen Erzeuger aber nicht einverstanden. Ende des Jahres soll um einen besseren Preis gekämpft werden.

"Wir brauchen dringend eine Versachlichung der Diskussion", sagte Bayerstorfer, selbst Landwirt. Dem Zeitgeist zufolge würden Bauern häufig "verunglimpft", es sei nicht akzeptabel, wenn sie in der öffentlichen Darstellung so hingestellt würden, als ob sie nichts anderes zu tun hätten als Tiere zu quälen, Gewässer zu verunreinigen und Subventionen zu erschleichen. Es sei auch nicht richtig, wenn in der aktuellen Debatte zum Umwelt- und Klimaschutz behauptet werde, dass die Landwirtschaft einer der Hauptverursacher von CO2- und Methangas-Emissionen sei, dies sei "so nicht zutreffend". Bayerstorfer zufolge trage die Agrarbranche "tatsächlich nur acht Prozent zum Gesamtausstoß bei". Folglich stammen die restlichen 92 Prozent der umweltbelastenden Gase aus Verkehr, Industrie und Energieproduktion. Im prosperierenden Landkreis tragen die insgesamt 2000 landwirtschaftlichen Betriebe und die Branche erheblich zur guten wirtschaftlichen Lage bei, hieß es.

Zum Thema Tierwohl verglich Bayerstorfer die Beziehung der Milchbauern zu ihren Milchkühen mit der Rolle eines Trainers eines Spitzensportlers: Der Coach müsse auch - damit sein Schützling Hochleistung bringe - auf gute Rahmenbedingungen und positive Stimmung achten, damit sich die Protagonisten wohl fühlen und gute Leistungen bringen: "Wir brauchen Hochleistungstiere mit Familienanschluss". Den Tieren gehe es im Landkreis seiner Einschätzung nach in Anspielung auf aktuelle Negativbeispiele aus anderen Regionen gut, die Milchbauern leisteten gute Arbeit mit großer Leidenschaft.

Der Taufkirchener Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU) sagte, dass die Bauern ihre Betriebe fit für die Zukunft machen müssten, damit die nächste Generation weiter machen könne. Wie rasant der Wandel war schilderte Kreisrat Korbinian Empl (FW) von der Milchverwertungsgenossenschaft: Vor 50 Jahren produzierten 850 Mitglieder durchschnittlich 58 Liter Milch am Tag, heute gibt es nur noch 97 Milchlieferanten die im Durchschnitt 900 Liter Milch am Tag abliefern. Empl teilte mit, dass derzeit Unmut mit dem Taufkirchner Milchpreis von derzeit 32 Cent (Vorjahr 36 Cent) herrsche, der Preis sei auf dem untersten Level der Region angekommen: "Das tut uns Erzeugern weh". Ende des Jahres wolle der Vorstandsvorsitzende deshalb um einen besseren Preis feilschen.

Dazu sagte Franz Mayer von der Meggle-Geschäftsführung: "Wir hatten in der ersten Jahreshälfte fast 34 Cent und jetzt im Juli 32,5 Cent - wir wissen nicht, wohin sich der Milchpreis weiter entwickeln wird, der Markt kann sich in Monaten drehen." Im Vergleich der vergangenen fünf Jahre lag der Milchpreis in Taufkirchen um die 34 Cent je Liter Milch, im vergangenen Jahr sogar bei mehr als 35 Cent je Kilogramm, sagte er. Die Situation am Milchmarkt werde volatil bleiben, aber im Durchschnitt der Jahre rechne er mit für die Bauern rentablen Milchpreisen.

Die aktuelle Lage erläuterte Corina Jantke vom Institut für Ernährungswirtschaft: 2019 gab es ein Wachstum der Milchmenge in Irland, Polen, Großbritannien und einen Rückgang in Deutschland (in Bayern ein Rückgang bisher um 1,7 Prozent zum Vorjahr). Beim Milchpreis gibt es Anzeichen, dass er weiter nach unten geht, hieß es. Es gibt das Damoklesschwert Brexit, auch der Handelsstreit zwischen USA und China bereite beim Export ebenso Sorge wie Wetterextreme und Klimawandel. Bis 2030 sei sie wegen Zuwachs der Weltbevölkerung zuversichtlich, dass die Milch-Nachfrage steige.