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Taufkirchen:"Echt Erding" überzeugt nicht so recht

Echt Erding

Das Logo ist hübsch und gut gelungen, da gibt es nichts auszusetzen.

(Foto: Stephan Görlich)

Gemeinderäte kritisieren unklare Kriterien der Regionalmarke, ein zu breit aufgestelltes Konzept und den Onlineshop ohne Versand

Von Thomas Daller, Taufkirchen

Der Landkreis will mit seiner neuen Regionalmarke "Echt Erding" noch im Oktober an den Start gehen. Bei der Grünen Woche in Berlin wurde die Erdinger Marke, die die Wertschöpfungskette im Landkreis bündeln soll, bereits Anfang des Jahres vorgestellt. Nun ist die "Echt Erding"-Online-Plattform startklar. Bei einer Vorstellung im Taufkirchener Gemeinderat gab es allerdings noch einige Fragen und auch deutliche Kritik am Konzept und der Umsetzung.

Friederike Aschenbrenner aus Isen, die für das Marketing von "Echt Erding" zuständig ist, erläuterte zunächst, welche Möglichkeiten die Regionalmarke biete. Entscheidend sei, dass die Anbieter ihren Sitz im Landkreis haben. Es gehe aber nicht allein um landwirtschaftliche Produkte. Auch Handwerkserzeugnisse, Dienstleistungen, Gewerbe oder Gastronomie könnten sich mit der Regionalmarke schmücken. "Alles, was in den Endkundenbereich reingeht", fasste es Aschenbrenner zusammen.

Die Vermarktung läuft über drei Schienen: Das Logo darf man für eine Schutzgebühr von 90 Euro ein Jahr lang verwenden. Dann gibt es noch einen digitalen Auftritt für 90 Euro, mit dem sich beispielsweise Handwerker vorstellen können. Und nun startet auch der digitale Marktplatz, ein Onlineshop, der in Zusammenarbeit mit der Baywa aufgebaut wird. Dort können Erzeuger, Handel und Landwirte ihre Produkte präsentieren, wobei sie eine Gebühr von zwölf Prozent vom Umsatz zahlen müssen. Diese Plattform soll noch diesen Monat starten. Allerdings ist kein Versand vorgesehen. Man kann die Ware dort zwar bestellen und bezahlen, muss sie dann jedoch beim Erzeuger abholen.

Der fehlende Versand wurde im Gemeinderat kritisiert, denn der Regionalitätsgedanke schränke sich dadurch selbst ein. Warum sollte man nicht aus einer anderen Region Produkte aus Erding bestellen können? Aschenbrenner nannte das ein "Feedback", das sie "gerne mitnehmen" werde. Gemeinderätin Ingrid Kratzer (CSU), die eine Weinhandlung mit Catering betreibt, war irritiert, ob beispielsweise auch sie das Logo verwenden könnte. Der Wein, den sie verkaufe, stamme nicht aus dem Landkreis Erding. Doch wie verhalte es sich, wenn sie einen Präsentkorb zusammenstelle? Der zweite stellvertretende Bürgermeister Manfred Slawny (SPD) monierte, dass die Regionalmarke in ihrem Kriterienkatalog mit Nachhaltigkeit werbe: "Wer überprüft denn diese Kriterien?"

Martin Huber (AfD) kritisierte, dass der Onlineshop zwölf Prozent vom Umsatz verlange: "Da schlucke ich schon, das ist ein bisschen hoch." Und der erste stellvertretende Bürgermeister Christoph Puschmann (CSU) sagte, die Regionalmarke habe sich seines Erachtens viel zu breit aufgestellt. "Ich hätte es besser gefunden, wenn man erst einmal auf die Produkte setzt und dann langsam wächst. Step by step wäre man schneller zum Ziel gekommen."

Aschenbrenner sagte, sie werde die Anregungen an Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) weiterleiten, auf dessen Initiative die Regionalmarke zurückgehe. Sie berichtete, dass auch die Regionen Bodenmais und Rosenheim an eigenen Regionalmarke arbeiten würden. Die Erdinger Regionalmarke habe momentan einen kleinen Engpass, weil täglich Fotoshootings erfolgen würden. Mehr als 40 Anbieter befänden sich deswegen in der Warteschleife. Man habe versucht, von jedem Gewerbe Anbieter zu finden, aber vor allem in der Gastronomie sei das Interesse noch sehr zaghaft.

© SZ vom 10.10.2020

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