Eigentlich ist der Seebach in Oberdorfen ein harmloses Bächlein – knöcheltief, kaum einen Meter breit. Doch am 29. August 2021 verwandelte er sich innerhalb weniger Stunden in eine Flut. Nach stundenlangem Starkregen überschwemmte er am folgenden Morgen die angrenzende Siedlung: 35 Häuser liefen voll, es entstanden Schäden in Millionenhöhe. Solche Ereignisse haben auch in Taufkirchen das Bewusstsein geschärft. Dort reagiert der Gemeinderat nun darauf: Nach zwei Jahren Untersuchungen und Vorbereitungen hat er ein „Integrales Konzept zum kommunalen Sturzflut‑Risikomanagement“ einstimmig beschlossen.
Es beruht auf zwei Säulen: einerseits auf der kommunalen Überflutungsvorsorge, andererseits soll die private Eigenvorsorge unterstützt werden. Wer in gefährlichen Tallagen wohnt, wird deshalb Post von der Gemeinde erhalten – ein Hinweis- oder Warnschreiben, je nach Einstufung des Gefahrenbereichs.
Kommunen in Tallagen sind seit diesem Hochwasserereignis sensibilisiert. Auch Taufkirchen hat nun ein Sturzregenkonzept beschlossen, dass in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. Beim Pfingsthochwasser 2022 hatte die Gemeinde in den Ortsteilen Hörgersdorf und Ratzing eigene Erfahrungen mit Sturzregen gemacht. 2024 gab sie beim Büro Wipfler-Plan ein digitales Geländemodell in Auftrag, das Aufschluss darüber geben soll, wo im Gemeindegebiet besondere Risikogebiete liegen.
Ein Algorithmus simulierte in diesem Rechenmodell dann Niederschläge, wie sie bei einem hundertjährlichen Hochwasser zu erwarten sind – zuzüglich eines Klimazuschlags von 15 Prozent. Dabei wurden nicht nur die größeren und kleineren Gewässer untersucht, sondern auch Gebäude, Brücken und Straßen berücksichtigt. Insgesamt wurden 73 Gefahrenstellen ausgewiesen, erläuterte Planer Peter Kummer in der Gemeinderatssitzung.
Zudem wurde errechnet, bei welchen privaten Gebäuden mit einem Hochwasserstand von 30 Zentimetern oder mehr zu rechnen sei. Die Eigentümer, die von der Gemeinde entsprechend informiert werden, könnten privat vorsorgen – etwa, indem sie den Zugang zur Kellertreppe erhöhen oder die Kellerschächte abdichten.
Das Planungsbüro stellt der Gemeinde Taufkirchen insgesamt 142 Maßnahmen vor
Auf die Gemeinde kommen weitere Aufgaben hinzu: Sie muss gezielt Retentions- und Versickerungsräume schaffen, damit das Wasser langsamer ablaufen kann. Zudem sollen Bäche wie etwa in Angerskirchen breiter ausgebaut werden, damit das Wasser möglichst im Bachbett bleibt. Auch bei der Siedlungsentwässerung gibt es Nachholbedarf: Wenn Kanalschächte erneuert werden, soll künftig geprüft werden, ob ein größerer Rohrdurchmesser notwendig ist. In der künftigen Bauleitplanung sollte man sich ohnehin an den Daten des Sturzregenkonzepts orientieren.
Für den Notfall soll eine konkrete Einsatzplanung mit einem Warn- und Alarmsystem geschaffen werden, Feuerwehr und Bauhof sollen dadurch gezielt Sofortmaßnahmen ergreifen können. Das gelte etwa für angeschwemmtes Treibholz, das sich unter Brücken verkeilt und den Wasserabfluss behindert: „Dann muss sofort ein Bagger ausrücken“, sagte Kummer. Insgesamt schlägt das Planungsbüro der Gemeinde nun 142 Maßnahmen vor.
Kummer appellierte an die Gemeinde, mit sogenannten „Quick-win-Maßnahmen“ zu beginnen. Maßnahmen, die schnell umgesetzt werden können, sollen dabei priorisiert werden. Außerdem sollte man Nachbargemeinden einbinden, um Zielkonflikte zu vermeiden. Zudem müsse die Kommunikation mit den Bürgern transparent erfolgen – über Amtsblatt, auf der Gemeinde-Webseite und in den sozialen Medien. Alle fünf Jahre oder nach einem weiteren Sturzregenereignis solle das Konzept fortgeschrieben werden.

