Im Sommer droht Taufkirchen ein Verkehrschaos: Die Bundesstraße 15 wird innerorts auf einer Länge von rund einem Kilometer vollständig gesperrt. Von Juli bis Ende September sind Sanierungsarbeiten geplant – mit erheblichen Folgen für Pendler, Anwohner und den Durchgangsverkehr. Die Straße, die Rosenheim, Landshut und Regensburg verbindet, wurde zuletzt 1996/97 bei Straßen- und Kanalbauarbeiten komplett erneuert.
Aufgrund des hohen Anteils an Schwerlastverkehr ist die Straße inzwischen stark beschädigt, auch Teile der Kanalisation müssen saniert werden. Einige Abschnitte werden im Deckenbau erneuert, andere im sogenannten Vollausbau. Während der Bauzeit werden auch Anwohner ihre Häuser zeitweise nicht mit dem Auto erreichen können. Für Fußgänger und Radfahrer sollen Durchgangswege offen bleiben.
Der Schwerlastverkehr auf der B15 hat seit der Eröffnung der A94 stark zugenommen – mit Folgen für Lärm und Straßenzustand gleichermaßen. Gullydeckel sacken ab, die Fahrbahn ist von Rissen und Schlaglöchern durchzogen. Laut einer Verkehrsmessung der Landesbaudirektion Bayern aus dem Jahr 2024 passierten den Abschnitt nördlich von Dorfen bis zur Kreuzung der B15 mit der B388 im Zentrum von Taufkirchen täglich durchschnittlich 8095 Fahrzeuge, darunter 575 Lastwagen. Anwohner klagen seit Jahren über den Lärm, der insbesondere in der Kombination aus Schwerverkehr und Schlaglöchern massiv sei. Zudem seien durch die ständigen Erschütterungen schon Risse in Häusern entstanden.
In der vergangenen Gemeinderatssitzung stellten das Staatliche Bauamt Freising und Bauingenieur Alexander Reindl die Pläne für die Sanierung der Straße vor. Reindl sprach von einer wichtigen Verkehrsader. Die Baulänge vom Taufkirchener Marktplatz nach Süden bis zum Friedhof bezifferte er auf 955 Meter. Der schwierigste Bereich liege in der Ortsmitte, wo B388 und B15 zusammenlaufen. Dort soll der Bereich der Ampelkreuzung während der Bauzeit zumindest einspurig befahrbar bleiben.
Der überörtliche Verkehr soll von Dorfen aus auf der A94 über Landshut umgeleitet werden. In Gegenrichtung wird von Landshut kommend eine Umleitung über Erding nach Dorfen ausgeschildert. Zusätzlich sind im Nahbereich weitere Umleitungen vorgesehen, deren Verlauf noch bekannt gegeben wird. Im Gemeinderat erkundigte sich Bernhard Sinseder nach der Wahl der Bauzeit. Juli, August und September seien Hauptreisezeit, zudem gelte die B15 als sogenannte Ferienstraße. Bauingenieur Alexander Reindl entgegnete, die Zeit sei bewusst gewählt worden, um den Schulbetrieb – insbesondere den Busverkehr – nicht zu beeinträchtigen. Das Vorgehen sei mit der Regierung von Oberbayern abgestimmt.
Anwohner sind froh, dass die Straße endlich saniert wird
Gemeinderat Bernd Friedrich zeigte sich skeptisch, ob die großräumigen Umleitungen von allen Autofahrern angenommen werden. Er befürchtete, dass viele sich auf ihr Navigationssystem verlassen, das dann nach Schlupflöchern suche und den Verkehr über schmale Gemeindeverbindungsstraßen leite. Bauingenieur Alexander Reindl entgegnete, die überörtlichen Umleitungen würden in das System Bayerninfo eingespeist. Darauf griffen Navigationsdienste wie Google Maps zurück.
Gemeinderätin Christine Zeilbeck wohnt am Sanierungsbereich. Sie sagte, sie und die anderen Anwohner seien trotz der Unannehmlichkeiten, die während der Bauzeit entstünden, froh, dass die Straße nun erneuert werde: „Es war nicht mehr auszuhalten mit den Löchern in der Straße.“
Im Landkreis Erding hat man bereits Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation gemacht. Von März 2022 bis Juni 2023 wurde in Dorfen die alte B15-Brücke über die Isen abgerissen und neu gebaut. Obwohl auch damals die Umleitungsstrecken in den Navigationsgeräten angezeigt wurden, versuchten Lastwagenfahrer immer wieder vergeblich, durch Dorfen zu kommen. Auf der Suche nach Schlupflöchern irrten sie durch die Altstadt und über schmale Siedlungsstraßen, bis kein Vorwärtskommen mehr möglich war. Dorfener Bürger wechselten aufs Fahrrad, weil man mit dem Auto jederzeit stecken bleiben konnte. Taufkirchen stehen wohl vergleichbare Monate bevor.

