NS-VerbrechenGedenken an ermordete Patienten in Taufkirchen an der Vils

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Noch nicht lange erinnert eine Gedenktafel am Wasserschloss auf dem Gelände des heutigen Bezirkskrankenhauses in Taufkirchen an der Vils an die Opfer der „Euthanasie“ in der Nazizeit.
Noch nicht lange erinnert eine Gedenktafel am Wasserschloss auf dem Gelände des heutigen Bezirkskrankenhauses in Taufkirchen an der Vils an die Opfer der „Euthanasie“ in der Nazizeit. (Foto: Renate Schmidt)

An diesem Dienstag wird im Wasserschloss auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses an die Opfer der „Euthanasie“ erinnert.

Von Wieland Bögel, Taufkirchen an der Vils

Im Bezirkskrankenhaus Taufkirchen an der Vils wird an diesem Dienstag, 21. Oktober, an eine oft vergessene Gruppe von Naziopfern erinnert: Menschen mit psychischen Krankheiten und geistiger Behinderung. Auch die damalige Landesfürsorgeanstalt Taufkirchen, der Vorläufer des heutigen Klinikums des Bezirks Oberbayern, war in die Ermordung von Anstaltsinsassinnen und -insassen während der NS-Diktatur involviert.

Am 21. Oktober 1940 wurden die ersten Männer und Frauen, wohl insgesamt 125 „Pfleglinge“, in die damalige Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar deportiert. Dies geschah im Namen der sogenannten „Aktion T4“, hinter der harmlos klingenden Bezeichnung verbirgt sich die systematische Ermordung von Psychiatrie-Patienten. Dieses Schicksal traf auch mindestens 68 Personen, die zuvor in Taufkirchen untergebracht waren, sie wurden in die Tötungsanstalt Hartheim in Österreich deportiert und dort ermordet, weitere ließ man in sogenannten „Hungerhäusern“ in Haar systematisch verhungern.

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Mit einer "Bibliothek" als weiterem Gedenkort will das Isar-Amper-Klinikum über die Biografien der etwa 4000 ermordeten Patienten der einstigen Heilanstalt Eglfing-Haar aufklären und deren Schicksale so sichtbarer machen.

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Trotz intensiver Forschung seien bisher nicht alle Biografien und Lebensgeschichten aufgearbeitet und aufgeklärt, schreiben die Veranstalter in ihrer Einladung, das gilt für die Opfer und die Täter: „In die Deportationen und Morde waren zahlreiche Menschen verstrickt, die zum Teil aus tiefster Überzeugung die Patientinnen und Patienten in den sicheren Tod schickten.“ Widerstand gegen diese Menschheitsverbrechen sei dagegen nur in seltenen Fällen dokumentiert und nachweisbar. Nach dem Krieg hätten zudem zahlreiche Täter und Beteiligte versucht, sich zu rechtfertigen und ihre eigene Schuld kleinzureden. „Anhand von Auszügen aus authentischen Quellen versuchen wir Ihnen einen Eindruck von den Verstrickungen sowie von den unterschiedlichen Graden der Tateinbindung der Personen in der Landesfürsorgeanstalt zu vermitteln.“

„An die Opfer zu erinnern, ihre Lebensgeschichte zu erforschen und den Opfern wieder einen Namen zu geben, ist uns eine zentrale Aufgabe und Verpflichtung gleichermaßen. Die Aufarbeitung der unvorstellbaren Verbrechen ist ein wesentliches Element der Erinnerungskultur, die aus der Geschichte lernt und für die Zukunft lehrt.“

Die Gedenkveranstaltung am Dienstag, 21. Oktober, im Wasserschloss Taufkirchen in der Bräuhausstraße 5 beginnt um 18 Uhr. Nach den Grußworten gibt es eine szenische Lesung sowohl zu Tätern als auch zu Opfern der „Euthanasie“. Anschließend wird an der Gedenktafel ein Kranz niedergelegt. Der Eintritt ist frei, es wird um Anmeldung unter https://eveeno.com/826279624 gebeten.

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