Talentiade 2019 Mit Können und Konzentration

Yannik Angenend ist Snowboarder und deutscher Meister im Parallelriesenslalom. Der 18-Jährige gehört zum Nationalkader und mischt auch international mit

Von Anna-Lena Klingenstein, Erding

Seit seinem neunten Lebensjahr steht Yannik Angenend auf dem Snowboard. Der 18-Jährige ist Raceboarder beim FC Lengdorf und Teil des deutschen Snowboard Nationalteams - und das ziemlich erfolgreich: Dieses Jahr sicherte er sich in Hochfügen den Titel des Deutschen Meisters in Parallelriesenslalom. Bei der Junioren Weltmeisterschaft erreichte er im Sommer 2018 in Neuseeland den sechsten Platz in derselben Kategorie.

Wer schneller ist, gewinnt: Yannik Angenend aus Lengdorf auf seinem Raceboard.

(Foto: Privat)

"Angefangen habe ich eigentlich mit Skirennen," sagt Angenend, "aber das war eher hobbymäßig." Bei einem Rennen des Skiverbands München traf er auf den Raceboard Trainer Hans Bussler. Als dieser ihm anbot, sich auf das Brett zustellen, entdeckte Angenend seine Leidenschaft für das Raceboarden: "Seitdem wollte ich nicht mehr damit aufhören." Für den Vater Stefan Angenend war der erste Versuch seines Sohnes auf dem Raceboard "spannend und toll anzusehen". Es sei ihm auf Anhieb leicht gefallen: "Yannik hat einfach das nötige Körpergefühl und die richtige Balance", sagt Stefan Angenend. Beim Raceboarden kommt es vor allem auf die Geschwindigkeit an. Angenend und seine Gegner fahren beide parallel zueinander den Kurs entlang. Wer schneller ist, gewinnt.

Der erfolgreiche Sportler mit seinem Raceboard und der Meistertrophäe.

(Foto: Privat)

Raceboarden macht dem Lengdorfer aus einem ganz bestimmten Grund Spaß: "Das Schönste ist der Konkurrenzkampf, das Messen mit dem Gegner," sagt Angenend. "Es ist nicht wie beim Skifahren, wo man auf Zeit fährt." Außerdem seien es die familiären Verhältnisse im Team, die ihm gefallen: "Jeder kennt sich und versteht sich gut." Dass Angenend das besonders am Herzen liegt, bestätigt auch sein Vater: "Yannik ist sehr teamorientiert und freut sich für seine Teamkollegen, auch wenn er verloren hat." Der Erfolg liege auch in Angenends mentaler Stärke begründet. Während Skifahrer ein bis zwei Läufe fahren, kann es beim Raceboarden auch mal bis zu zehn Läufe geben. Verzögerungen und lange Wartezeiten seien dabei keine Seltenheit: "Man weiß eigentlich nie, wann genau es losgeht", erklärt Stefan Angenend. Dann heißt es Konzentration bewahren. Genau das könne Angenend sehr gut. "Yannik lässt sich nicht verunsichern und nicht aus der Ruhe bringen". Trainer Christian Veit beschreibt den Raceboarder ähnlich: "Er ist sehr gewissenhaft und zielstrebig."

Angenend investiert viel Zeit in den Sport, "Platz für Hobbys bleibt da nicht." Stattdessen trainiert er fünf Mal die Woche, auch im Sommer. Obwohl zum Snowboarden Schnee gehört, klafft in Angenends Trainingsplan während der warmen Jahreszeit keine Lücke - im Gegenteil. Er fahre dann entweder auf einen Gletscher oder mache Krafttraining in der Halle. Dann stehen Koordinationstraining, Beinpresse oder Rumpfübungen auf dem Programm. Rückschläge hindern Angenend nicht daran, seine Trainingseinheiten fortzusetzen. Bereits zwei Mal habe er sich das Schlüsselbein gebrochen und "schon mehrmals die Schulter ausgekugelt". Vor einigen Wochen wurde er an der rechten Schulter operiert. Aus der Bahn geworfen hat ihn das nicht: "Ich habe dann eben anderweitig trainiert", sagt Angenend.

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Kommendes Jahr ist der Nachwuchssportler im Abschlussjahr. Dann darf er bei keiner Junioren Weltmeisterschaft mehr antreten, da er mit 19 Jahren das Höchstalter erreicht hat. Dass er bei der nächsten Junior Weltmeisterschaft ein letztes Mal mitfährt, dürfte laut Trainer Veit aber kein Problem sein. Solange er die internen Qualifikationskriterien erfülle: "Aber das sollte wie die Jahre zuvor auch klappen", so Christian Veit.

Derzeit besucht Angenend die Christophorus-Schule (CJD) in Berchtesgaden. Das Sportinternat ermögliche es ihm, Schule und Sport unter einen Hut zu bekommen und das Abitur zu machen. Später möchte Angenend den "Sport zum Beruf machen" und zur Sportfördergruppe der Bundeswehr. Aber das ist nicht alles: "Ich möchte gerne mal bei Olympia antreten".

Mit der Talentiade 2019 prämiert die Süddeutsche Zeitung zum zehnten Mal die Leistung von Sporttalenten (bis Jahrgang 2000) aus München und der Region sowie die Nachwuchsarbeit ihrer Vereine. Wir suchen deshalb junge Sportlerinnen und Sportler, die in den letzten beiden Jahren - unabhängig von Sportart oder Titeln - sportliches Engagement gezeigt haben. Vergeben werden unter anderem neun Förderpreise à 1500 Euro. Bewerbungen und Vorschläge bis 18. Juni unter sz.de/talentiade2019.