Süddeutsche Zeitung

Talentiade 2019:Gemeinsam Schritt für Schritt

Das Rock 'n' Roll-Team des Erdinger Anne-Frank-Gymnasiums hat im Mai bei Bundesfinale "Tanzen in Schulen" den zweiten Platz belegt. Die ehrgeizigen Schülerinnen und Schüler wollen noch mehr erreichen

"Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das!" - Mit diesem Ausruf löst sich der Kreis und die 22 Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums begeben sich in ihre Positionen. Aus den Lautsprechern tönt die rockige Coverversion "Umbrella" von den Baseballs und mit zackigen Kicks und Drehungen tanzen sie voller Energie knapp drei Minuten durch die Turnhalle. Danach hat sich die Rock 'n' Roll Gruppe eine Pause verdient, doch lange lässt der nächste Durchgang nicht auf sich warten. Schließlich haben die jungen Tänzer der achten und neunten Jahrgangsstufen nicht ohne Grund beim diesjährigen Bezirksfinale Oberbayern in Erding gewonnen. Den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft beim Bundeswettbewerb "Tanzen in Schulen" im Mai haben sich die Tänzer durch harte Arbeit erst verdienen müssen.

Jeden Freitagnachmittag üben die Schülerinnen und Schüler in der Turnhalle des Anne-Frank-Gymnasiums von 13.30 bis 15 Uhr ihre Schritte. Trainiert werden sie von der ehemaligen Sportlehrerin Monika Ross. Seit 27 Jahren leitet sie die Tanzgruppe am Anne-Frank-Gymnasium und nimmt mit den Schülern an Wettbewerben teil, früher war es noch im Bereich künstlerischer Tanz. Durch Fortbildungen und Videos aus dem Internet kam sie auf den Geschmack von Rock 'n' Roll, das sie seit 2001 und über ihre Berufszeit hinaus ehrenamtlich lehrt. Warum Ross trotz Rente weiter trainiert, ist für sie ganz klar: "Es macht einfach Spaß".

Wenn ihre Tänzerinnen und Tänzer am Freitag nach einer langen Schulwoche ins Training kommen, sind sie manchmal gefrustet von schlechten Noten oder anstrengenden Tests. "Aber sie kommen trotzdem und gehen danach immer entspannt nach Hause", sagt Ross. Bei den zwei bis vier Minuten langen Tänzen können sich die Schüler ordentlich auspowern. Ross braucht nur einmal "Pinguin" zu schreien und die jungen Jugendlichen wissen sofort, welche Schrittabfolge von ihnen verlangt wird. Auch Co-Trainerin Miriam Angermair, die als Schülerin selbst Teil der Tanzgruppe war, ist stolz: "Es ist erstaunlich, wie sich die Gruppe von dem anfangs durchgemischten Haufen zu dem entwickelt hat, was sie heute ist."

Die meisten sind schon seit der fünften Klasse Teil der Tanzgruppe und ihr über die Jahre treu geblieben. Dadurch sind sie eng zusammengewachsen. "Am meisten schätze ich an unserer Gruppe die Gemeinschaft, den Ehrgeiz und die gemeinsamen Busfahrten", sagte Schülerin Carlotta Döll. An den Choreografien arbeiten die Trainer und Tänzer gemeinsam, nur bei der Musikauswahl wird es manchmal schwieriger sich zu einigen. Wenn es dann an den Wettkampf geht, darf das Maskottchen auch nicht fehlen. "Vor ein paar Jahren habe ich von meinen Tänzern zum Abschied einen großen Stoffbären geschenkt bekommen, der seitdem auf allen Wettkämpfen dabei ist", sagt Ross. Die Wettkämpfe spornen die Jugendlichen an und die Erfolge schweißen die Gruppe noch enger zusammen. Gemeinsam haben sie schon viel erreicht, doch selbst der zweite Platz beim Bundeswettbewerb "Tanzen in Schulen" stimmt die ehrgeizigen Schülerinnen und Schüler nicht zufrieden. Trainerinnen Ross und Angermair bestätigen: "Über den zweiten Platz haben sie sich ziemlich geärgert."

Das nächste Ziel ist also klar: Sie wollen Deutscher Meister werden. "Der erste Platz sollte schon drin sein", sagte Schüler Benedikt Fritsch bei einem Interview bei der bayerischen Meisterschaft in Bayreuth. Seitdem ist dieser Spruch zum neuen Motto der Gruppe geworden. "Sie sollen nicht mit dem Gefühl reingehen, dass sie den ersten Platz nicht schaffen könnten", sagte Ross. Ganz im Gegenteil sollen sie sich sogar große Ziele setzen und dabei an sich glauben. Ein bisschen nervös sind die Schüler natürlich schon vor den Wettkämpfen, doch sobald sie auf der Bühne stehen, ist das Gefühl verflogen. "Wir wissen, dass wir nicht alleine sind und sollte es einer verhauen, dann verhauen wir es halt alle gemeinsam", sagt Schüler Tim Rachholz.

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Quelle:
SZ vom 21.06.2019
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