SZ-Adventskalender:Wenn die Seele krank ist

SZ-Adventskalender: Eine schwere Krankheit kann arm und einsam machen.

Eine schwere Krankheit kann arm und einsam machen.

(Foto: Peter Steffen/dpa)

Herr G. ist vor Jahren an einer Depression erkrankt. Das Caritas-Tageszentrum Prisma in Erding gibt seinem Leben Halt.

Von Regina Bluhme, Erding

Als Herr G. zum ersten Mal das Prisma, das Tageszentrum für psychische Gesundheit in Erding, besuchte, war er sehr skeptisch. Würde er sich unter den anderen Besuchern und Besucherinnen wohlfühlen? Was sollten sie reden? Der 48-Jährige, der seit vielen Jahren an Depression erkrankt ist, blieb zunächst nur auf eine Tasse Kaffee, dann merkte er, wie gut ihm der Austausch tut. Inzwischen kommt er regelmäßig vorbei und bedient an der Café-Bar. Seit nunmehr 25 Jahren steht das Tageszentrum der Caritas Erding Menschen mit seelischen Problemen oder Erkrankungen zur Seite.

Herr G. war in den Jahren zuvor mehrmals in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung. Im Anschluss ging es ihm stets besser, doch leider nicht auf Dauer. Nach wenigen Monaten folgte wieder ein stationärer Aufenthalt. Zu den gesundheitlichen Sorgen kamen bald die finanziellen. Seinen Beruf als Kraftfahrer konnte er aufgrund der Schwere seiner Erkrankung nicht mehr ausüben. Seit vier Jahren lebt er von Erwerbsminderungsrente. Beim letzten Klinikaufenthalt wurde ihm empfohlen, doch einmal das Tageszentrum Prisma zu besuchen. Herr G. zögerte.

SZ-Adventskalender: Alfons Kühnstetter, Teamleiter Tagesstätten, in der gemütlichen Prisma-Cafeteria.

Alfons Kühnstetter, Teamleiter Tagesstätten, in der gemütlichen Prisma-Cafeteria.

(Foto: Renate Schmidt)
SZ-Adventskalender: Kunsttherapeut Avi Gover ist für das offene Atelier zuständig.

Kunsttherapeut Avi Gover ist für das offene Atelier zuständig.

(Foto: Renate Schmidt)

Er hatte große Sorgen, die anderen Besucherinnen und Besucher des Tageszentrums seien so schwer erkrankt, dass er sich bei ihnen nicht wohlfühlen würde. Die ersten Monate schaute er deshalb nur einmal die Woche kurz auf eine Tasse Kaffee vorbei. Im Laufe der Zeit kam er aber doch mit mehreren ins Gespräch. Dabei stellte er fest, dass viele ganz ähnliche Erfahrungen mit psychischen Problemen gemacht hatten. So kam er dann immer öfter, schließlich regelmäßig und auch für mehrere Stunden. Er fasste zunehmend Vertrauen zu den Besuchern und Besucherinnen und dem Personal. Seit etwa einem Jahr übernimmt Herr G. im Rahmen der Beschäftigungsangebote der Einrichtung die Bedienung der Café-Bar. Dadurch gewinnt er zunehmend an Selbstvertrauen.

Das Tageszentrum verstehe sich "als gemeindenahe, niedrigschwellige Anlaufstelle für Menschen mit seelischen Problemen oder Erkrankungen", sagt Alfons Kühnstetter, Teamleiter Tagesstätten. Eine Anlaufstelle für Menschen, die unter den Auswirkungen einer psychischen Erkrankung leiden, nach einem stationären Aufenthalt eine ambulante Nachsorge suchen, sich einsam fühlen und wieder Kontakte zu anderen Menschen knüpfen möchten, eine sinnvolle Tagesstruktur suchen oder sich psychisch stabilisieren, auch um wieder eine Arbeit aufnehmen zu können.

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(Foto: sz)

"Unsere erste Frage ist nie: ,Was hast du für eine Diagnose?", betont Alfons Kühnstetter. Entscheidend sei, "dass jemand hier einen guten Platz findet, um sich stabilisieren zu können". Wichtig sei der soziale Kontakt. "Der Besucher oder die Besucherin sieht: Ich bin nicht allein." Auf dem Wochenplan stehen regelmäßige Bingo-Turniere, Tanzabende, Yoga und Nordic Walking, Koch- und Malgruppen, gemeinsames Mittagessen.

Zum Team gehören Sozialpädagogen, Genesungsbegleiter, Fahrdienst, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Fast von Anfang an dabei ist Kunsttherapeut Avi Gover, der im Atelier des Prisma Malgruppen betreut.

Die Betreuungsplätze und Räumlichkeiten wurden sukzessive erweitert

Seit 25 Jahren gibt es die Einrichtung in Erding. Gestartet wurde mit zehn Betreuungsplätzen, heute sind es über 30. Die Räumlichkeiten und Betreuerteams wurden ebenfalls sukzessive erweitert. Inzwischen gibt es auch Angebote in Dorfen. "Übers Jahr kommen zwischen 100 und 120 Menschen zu uns", sagt Kühnstetter.

Das Angebot ist kostenlos. Um Menschen helfen zu können, ist das Tageszentrum auf Zuschüsse und Spenden angewiesen. Der SZ-Adventskalender will die Einrichtung unterstützen, damit Prisma weiterhin Menschen wie Herrn G. helfen kann. Die Verfassung des 48-Jährigen hat sich inzwischen so weit stabilisiert, dass er in den vergangenen zwei Jahren keine stationäre Behandlung mehr benötigte. Mit Krisen hat der 48-Jährige durchaus noch zu kämpfen, aber er konnte sie ambulant bewältigen. Auch dank der Unterstützung durch das Tageszentrum.

So können Sie spenden:

Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.

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BIC: SSKMDEMMXXX

www.sz-adventskalender.de

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