Tag des offenen Denkmals Vom Leben der Bauern und Schlossherren

Ein Höhepunkt ist die Besichtigung eines liebevoll renovierten Bauernhauses in den Gatterbergen aus dem Jahr 1580. Auf Schloss Fraunberg informiert die Hausherrin über die Arbeiten am "Teehaus". Führungen durch die Erdinger Altstadt und Vorträge im Museum stehen auch auf dem Programm

Von Regina Bluhme, Erding

Einmal durchs Schlüsselloch in die Vergangenheit spähen - das ist an diesem Sonntag, 10. September, am Tag des offenen Denkmals möglich. Unter dem Motto "Macht und Pracht" geht es zu einem renovierten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert nach Zwickl in St. Wolfgang und zum Schloss Fraunberg, wo die Hausherrin persönlich über die Arbeiten rund um das alte "Teehaus" informiert. Bei geführten Spaziergängen durch die Erdinger Altstadt gibt es Holzfäller und einen Götterboten zu entdecken. Im Museum Erding stehen Vorträge über die Erdinger Glockengießer, den Kupferschatz aus Oberding oder die Geschichte des Fliegerhorsts auf dem Programm.

Von Pracht konnte zunächst bei dem alten Wohnstallhaus in Saxenberg bei Zwickl wirklich nicht die Rede sein. 2012 hat Familie Daumoser das Anwesen, das gleich ums Eck ihrer Landwirtschaft liegt, erworben. Es war klar, dass das Haus recht alt sein musste. Wie alt, das erfuhr Anton Daumoser junior aber erst, als er an der Stelle einen Neubau plante. Die Baugenehmigung hatte er schon in der Tasche, da schob das Landesamt für Denkmalpflege den Fuß in die Tür. Untersuchungen ergaben schließlich: Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1580 und ist "wohl das einzig noch an originaler Stelle existierende Wohnstallgebäude des Landkreises aus dem 16. Jahrhundert", schreibt der Kreisverein für Heimatschutz und Denkmalpflege, der die Führungen in Zwickl und Fraunberg mitorganisiert.

Hinter den Mauern von Schloss Fraunberg ist der Wiederaufbau des "Teehauses" im Gange. Über die Arbeiten berichtet die Schlossherrin.

(Foto: Stephan Görlich)

Nun war das Haus plötzlich denkmalgeschützt, ein Abriss kam nicht mehr in Frage, "das war anfangs schon ein Schock", räumt Anton Daumoser ein. Aber klar war auch: "Dann renovieren wir." Mithilfe von verschiedenen Fördertöpfen, unter anderem der Deutschen Stiftung Denkmalpflege, eines Ingenieurbüros und jeder Menge Eigenleistung ging es los. Allein Anton Daumoser hat in den Jahren an die 3000 Stunden dort gewerkelt, "in der Freizeit, in der Nacht".

Sandra Angermaier, Geschäftsführerin des Kreisvereins für Heimatschutz, kennt die Geschichte des Hauses und schwärmt von dem Gebäude und dessen Lage: Das Wohnstallhaus liege "malerisch in einer Hügellandschaft mit schmalen asphaltierten Zufahrtswegen fernab jeder Hauptverkehrsstraße auf einer bis zum Jahr 1130 zurückverfolgbaren Herdstelle", schreibt sie in der Pressemitteilung. Der Kniestock des Hauses wurde auf 1580 datiert, "weitere Holzproben bestätigen die Jahre 1564 und 1568." Um 1800 wurde das Erdgeschoss umgebaut, 1930 die Außenmauer in Ziegelbauweise erneuert, dabei blieb der Blockbalkenbau im Inneren erhalten. Manche Ausstattungsteile wie Böden und Türen stammen aus der Zeit um 1950, der Kachelofen in der Stube aus den 1920er Jahren. Die Räume im Obergeschoss haben die geschweiften niedrigen Türen und die kleinen quadratischen Fenster beibehalten und spiegeln nun "anschaulich Bau- und Lebensweise längst vergangener Zeiten wider", betont Sandra Angermaier. Dazu gehört auch, dass sich das Obergeschoss nur in gebückter Haltung und mithilfe eines beherzten Schritts über die hohe Türschwelle erreichen lässt.

Im Museum Erding gibt es Vorträge zur Stadtgeschichte.

(Foto: Renate Schmidt)

Wie Sandra Angermaier betont, sind vergleichbare Wohnstallgebäude, neben dem Herderhaus in Bergham, nur noch in Freilichtmuseen zu besichtigen. Mittlerweile ist auch Anton Daumoser stolz auf das historische Gebäude. "Es war die Mühe wert", lautet sein Fazit. "Das Haus passt einfach in die Kulturlandschaft, es gehört hierher." Nun soll das Haus bis auf Weiteres vermietet werden, sagt Daumoser. "Aber nur an jemanden, der das Haus auch schätzt und erhält."

Im Schloss Fraunberg sind die Arbeiten für den Wiederaufbau des ehemaligen gemauerten Gartenhäuschens, das "Teehaus", noch in vollem Gange. Die Besucher wandeln zudem auf Spuren der Archäologie, denn zu sehen sind am Tag des offenen Denkmals auch die entdeckten Mauerreste unter dem alten "Teehaus", wie Sandra Angermaier ankündigt. Baronin Herdana von Fraunberg erläutert dabei die bis jetzt unveröffentlichten Ergebnisse von Bodenfunden und die weiteren Sanierungsschritte.

Das renovierte Bauernhaus in Zwickl ist zu besichtigen.

(Foto: privat)

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts trug das in die Schlossmauer integrierte und im nördlichen Schlossgelände gelegene gemauerte Gartenhäuschen den Namen "Teehaus". Hier trafen sich die Damen der Gesellschaft zum Nachmittagstee, um ihren Männern beim Kegeln im Schlossgarten zuzusehen. "Dieses kleine, aber feine Gebäude wird nun im Zuge der geplanten Sanierungsarbeiten an der Schlossmauer instand gesetzt und soll später eventuell als Aufbewahrungsort für historische Gegenstände dienen", berichtet Angermaier. Bereits 2015 mussten Notsicherungsarbeiten an dem stark verfallenen Bauwerk durchgeführt werden, schreibt die Geschäftsführerin des Kreisvereins. "Seit 2016 wird nun gebaut und erforscht." Noch aber ist das Teehaus eine Baustelle. Daher sollten die Besucher trittfestes Schuhwerk, am besten Gummistiefel, tragen. Falls es am Sonntag regnet, entfällt die Veranstaltung, ist im Schloss zu erfahren.

Bleibt zu hoffen, dass das Wetter am Sonntag mitspielt, denn es stehen auch zwei Spaziergänge durch Erding auf dem Programm. Volkskundler Albrecht Gribl erläutert Kunst im öffentlichen Raum. Einmal geht es um 13 Uhr um "Verborgene Kunst - Dukaten, Holzfäller und ein Götterbote" und dann um 15 Uhr um "Kunstvolle Stadtmitte - Wappen, Tauben, schöne Fassaden".

Witterungsunabhängig bietet auch das Museum Erding am Tag des offenen Denkmals ein Programm. Neben einem Tag der offenen Tür von 10 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt informieren Museumsleiter Harald Krause sowie Doris Bauer über folgende Ausstellungen: "Auf den Spuren der Erdinger Glockengießer", "Der frühbronzezeitliche Kupferschatz aus Oberding". "80 Jahre Fliegerhorst Erding" und "Von Ardeoingas bis Erding - Eine kleine Stadtgeschichte".

Auch das Museum Franz Xaver Stahl in Erding macht mit beim Tag des offenen Denkmals und gewährt bei freiem Eintritt von 14 bis 17 Uhr Einblicke in Leben und Werk des Tiermalers. Um 14.15 Uhr bietet Museumsleiterin Heike Kronseder eine Führung durch das einstige Wohnhaus Stahls an. Im Anschluss findet um 16 Uhr eine Führung zu Leben und Werk des Chiemseemalers Johann Georg Schlech statt. Laut Ankündigung war er "Hotelierssohn, Tiermaler, Chiemseemaler und Poet". Ob das ein Leben mit Macht und Pracht war, wird am Sonntag verraten.