Tag der Bundeswehr Die Neugier war weniger stark als erhofft

Statt 10 000 finden nur rund 4600 Besucher den Weg zum Wiweb bei Erding. Die Leistungsschau zieht Männer wie Frauen an - vor allem jüngere. Umlagert war vor allem militärisches Großgerät wie Panzer, der Tornado und Hubschrauber

Von Gerhard Wilhelm, Erding

So ganz viele Besucher wie erwartet - rund 10 000 - waren es am Schluss dann doch nicht am "Tag der Bundeswehr"auf dem Gelände des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe (Wiweb) am Samstag. Die Pressestelle der Bundeswehr zählte sogar nur rund 4600 Besucher, die das Motto der Veranstaltung "Willkommen Neugier" aufgriffen. Wer gedacht hatte, es würden vielleicht vor allem Männer oder Väter mit ihren Söhnen kommen, wurde eines besseren belehrt. Auch viele Frauen, auch jüngere, begutachteten, was die Bundeswehr an militärischem Gerät zu bieten hat, aber ebenso, ob sie als potenzieller Arbeitgeber in Frage kommt. Denn auch dieser Aspekt, neben der technischen Leistungsschau, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Ein bisserl problematisch war der Standort. Nicht, dass man nicht vieles sehen konnte - vom Kampfpanzer Leopard bis zum Kampfhubschrauber Tiger und noch vieles mehr war ausgestellt -, problematisch war, dass die Anfahrt zum einzigen erlaubten Parkplatz (auf der Start- und Landebahn des Fliegerhorstes) so gut wie nirgends beschildert war und weder im Internet noch auf den großen Werbeplakaten der Bundeswehr für den Tag zu finden. Im Internet wurde nämlich auch die Adresse des Wiweb angegeben, wenn auch mit dem Hinweis "Bitte nicht als Navi-Adresse verwenden". Aber dass man dort überhaupt nicht parken durfte, war nicht vermerkt. Und deshalb waren die Bundeswehrsoldaten sowohl dort, wie auch am Eingang am Tag der Bundeswehr über die Wartenberger Straße sowie am Haupttor des Fliegerhorstes den Tag über gut beschäftigt, ankommende Besucher darauf hin zu weisen, dass man nur am Zugang bei Oberbockhorn zum Parkplatz komme, wo ein Shuttlebus zum Wiweb verkehre. Die Pressestelle begründete diesen Missstand damit, dass "die zuständigen Behörden nur in sehr wenigen Ausnahmefällen Genehmigungen zum Aufstellen von Hinweisschildern erteilt" habe.

Zu sehen gab es beim Tag der Bundeswehr auch Diensthundevorführungen.

(Foto: Renate Schmidt)

Während auf dem Schrannenplatz in Erding die Linke gegen den Tag der Bundeswehr protestierte (Bericht unten), empfing die CSU wenige Meter vor dem Eingang der Veranstaltung mit einem Infostand und verteilte unter anderem Buttons mit der Aufschrift "Wir danken Euch". Die Bundeswehrpressestelle betonte, dass der Standort außerhalb ihres Geländes sei, innerhalb wäre der Stand wegen der politischen Neutralität nicht erlaubt worden.

Auf dem Gelände wurde ein breites Spektrum gezeigt, was bei den militärischen, wehrtechnischen und wehrwissenschaftlichen Dienststellen hinter den sonst verschlossenen Kasernentoren passiert. Auch am Tag der offenen Türen sozusagen, schrieb man die Sicherheit groß und kontrollierte jeden Besucher, auch mit Metalldetektoren. Vor allem umlagert war militärisches Großgerät wie die Panzer Leopard, Puma oder eine Panzerhaubitze. Und nicht nur umlagert, sondern auch auf ihnen tobten sich - neben Männern - vor allem Kinder aus. Begehrt war auch, einmal in einem Tornado sitzen zu dürfen. Das Kampfflugzeug war lange Zeit am Erdinger Fliegerhorst stationiert. Und so mancher Erdinger kann sich noch an den Lärm der startenden Jets erinnern. Auch der Kampfhubschrauber Tiger war mit all seiner Bewaffnung gefragt.

Dass die Bundeswehr aber noch mehr zu bieten hat, wurde auf dem Großteil des Geländes gezeigt oder sogar demonstriert. Diensthunde zeigten live ihr Können, Drohnen, wie man im Gefecht aufklärt und Taucher, wie man unter Wasser schweißt. Zudem gab es einen Fallschirmsimulator mit 3D-Brille und einen 3-Scanner samt 3D-Drucker, der einen als Figur ausspuckte. Auch die Marine war vertreten. Für ein Schiff oder U-Boot war der Weg zu weit, aber man erfuhr unter anderem wie man unter Wasser telefoniert oder faxt.

Aber auch die kulinarische Seite kam nicht zu kurz, vor allem die Getränkeausschänke waren bei dem Sommerwetter begehrt. Sieben "Food Trucks" verköstigen die Besucher. Zudem gab es die "Erbse reloaded" - das einzige Essen wohl aus der Feldküche. Allerdings war bei rund 27 Grad ein heißer Erbseneintopf eher weniger gefragt. Für Kinder gab es zudem Kinderschminken und eine Hüpfburg - wenn sie nicht das Klettern auf Panzern vorzogen.

Einen Platz, um sich vorzustellen, fanden aber auch zivile Einrichtungen wie die Feuerwehr, das BRK, die Polizei, der Verein Historische Fahrzeuge, die Kreismusikschule und der Bundesfortsbetrieb Hohenfels.