Die Zahl der Menschen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten und deshalb auf Hilfe angewiesen sind, steigt ständig. Dies bekommen die drei Tafeln im Landkreis hautnah zu spüren. "Wir befürchten im nächsten Jahr noch viel mehr Anfragen und mehr Menschen, die in Not geraten. Das jetzt ist erst der Anfang und wir bereiten uns schon langsam darauf vor", sagt Paula Stimmer, die Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Dorfen, die auch die Tafel betreibt. An einen Aufnahmestopp, wie bei einem Drittel der rund 1000 Tafeln in Deutschland, denkt aber keine der Tafeln.
Seit Februar/März hat sich bei der Tafel Dorfen die Zahl der Kunden mehr als verdoppelt, sagt Paula Stimmer. Im Februar habe man 30 bis 40 Familien gehabt, jetzt habe man mittlerweile rund 90 Familien, die einen Berechtigungsschein der Stadt haben. Hinter jedem Schein stehen zwischen ein und sieben Personen. "Wir haben deshalb tatsächlich derzeit knapp 300 Personen, die jede Woche von uns Essen bekommen." Die Zahl schwanke, weil nicht jeder jede Woche komme. "Obwohl das mittlerweile doch oft der Fall ist." Auch in Dorfen kommen viele ukrainische Familien zur Tafel. "Rund ein Viertel bis ein Drittel sind aus der Ukraine." Für den Winter befürchtet Paula Stimmer deutlich steigende Zahlen. "Wir bekommen das auch vom Sozialamt der Stadt mit. Jede Woche stellt inzwischen die zuständige Mitarbeiterin drei bis sechs neue Scheine aus."
Dass die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen zunimmt, sieht Stimmer auch in der Nachbarschaftshilfe
Beim Aufkommen der Lebensmittel sei die Situation sehr unterschiedlich. Das Problem liege nicht beim Spendenaufkommen allgemein, das sei soweit okay für Dorfen, aber man habe inzwischen viel mehr Kunden. Man rufe deshalb immer wieder auf Social Media Kanälen Privatleute auf, zu spenden, und das klappe auch ganz gut. "Es kommen etliche Bürgerinnen und Bürger spontan mit einer Kiste Milch oder Nudeln, das ist wirklich schön." Trotzdem komme es am Ausgabetag Donnerstag vor, dass weniger da sei und man müsse schauen, alles gleichmäßig zu verteilen.
Dass die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen zunimmt, sieht Stimmer auch in der Nachbarschaftshilfe. Die Zahl der Anfragen habe sich dort ebenfalls gesteigert. "Die Not wird erschreckend immer größer." Erschreckend sei auch, dass inzwischen Menschen zur Tafel kommen, die eigentlich einen Job haben, aber die damit trotzdem am Minimumlimit sind und nicht über die Runden kommen. Ein weiterer, sehr großer und ebenfalls angestiegener Bereich seien Seniorinnen und Senioren, bei denen die Rente nicht reicht. In die Sprechstunde der Nachbarschaftshilfe würden mittlerweile auch "ganz normale" Menschen kommen, die Arbeit oder Rente haben, und fragen, ob man ihnen nicht beim Bezahlen einer Rechnung helfen könne oder die kein Geld für ein Weihnachtsgeschenk für die Kinder haben.
"Die Leute leiden vor allem unter den gestiegenen Lebensmittelpreisen", sagt Bauernfeind
Auch die Tafel in Erding stellt steigende Zahlen fest. "Nach wie vor haben wir keinen Aufnahmestopp, aber wir haben unsere Kunden auf zwei Gruppen aufgeteilt. Ukrainer und Nicht-Ukrainer, die im 14-tägigen Wechsel kommen. 212 Ukrainer sind es beim letzten Mal gewesen, Nicht-Ukrainer sind es rund 190", sagt Petra Bauernfeind, die Vorsitzende der Erdinger Nachbarschaftshilfe, die die Tafel unter sich hat. So könne man besser sicherstellen, dass der Einzelne genug bekommt. Die Zahlen würden unabhängig von den aus dem Kriegsgebiet Geflüchteten aber steigen. "Die Leute leiden vor allem unter den gestiegenen Lebensmittelpreisen", sagt Bauernfeind. Das Aufkommen von Lebensmittel sei Anfang Weihnachten immer "in Ordnung", weil viele Spenden von Vereinen und Schulen, auch von Privat abgegeben würden. Die Helfer würden aber manchmal an ihre Grenzen kommen. "Was mich derzeit aber aufbaut, ist die Hilfsbereitschaft unter der Bevölkerung, die wir spüren."
"Bein uns ist die Zahl in etwa gleichgeblieben", sagt Christine Schick vom Organisationsteam der Tafel Taufkirchen. Man versorge derzeit rund 60 "Bedarfsgemeinschaften", also rund 280 Menschen. Ukrainer würden 45 bis 50 Prozent stellen. Bis Jahresende werde das wohl so bleiben. "Im Februar, März werden wir aber wieder einen Ansturm bekommen", sagt Schick. Sie habe sich in den 15 Jahren ihrer Arbeit bei der Tafel in ihren Prognosen noch nie getäuscht. Viele werden bedürftig werden, wenn sie ihre Nebenkostenabrechnungen und die neuen Abschlagshöhen erhalten. "Momentan aber haben wir alles im Griff. Wir haben einen stabilen Mitarbeiterstamm und derzeit wegen der vielen privaten Spenden genug zum Weitergeben." Auffallend seien die Spenden von Unternehmen, "die teilweise vierstellig sind, was uns kleiner Tafel schon sehr gut tut". Jeder Euro komme letztlich, bis auf die Miete und Energiekoste, den Bedürftigen zugute.
Neue Helferinnen und Helfer können die Tafeln immer brauchen
Auch die Dorfener Tafel hat mittlerweile genügend Helferinnen und Helfer, sagt Paula Stimmer. "Wir haben einen schönen Zuwachs bekommen, was mich sehr freut. Aber natürlich können wir immer neue brauchen!" Was für alle Tafeln gilt.
