SZ-Adventskalender:Ein sicherer Hafen

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SZ-Adventskalender: In der Cafeteria des Tageszentrums Prisma (von links): Kunsttherapeut Avi Gover, stellvertretender Leiter Alfons Kühnstetter (hinten), Sozialpädagogin Corinna Stuck und Teamleiter Clemens Mezler.

In der Cafeteria des Tageszentrums Prisma (von links): Kunsttherapeut Avi Gover, stellvertretender Leiter Alfons Kühnstetter (hinten), Sozialpädagogin Corinna Stuck und Teamleiter Clemens Mezler.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Prisma, dem Tageszentrum für psychische Gesundheit der Caritas in Erding, können die Besucher wieder eine Tagesstruktur finden, soziale Kontakte knüpfen und Selbstbewusstsein aufbauen.

Von Regina Bluhme, Erding

Lange hat Frau A. gezögert. Als sie aufgrund einer psychischen Erkrankung in die Klinik musste, ist ihr der Flyer von Prisma in die Hände gefallen. Prisma, das ist das Tageszentrum für psychische Gesundheit der Caritas in Erding. Hier gibt es kostenlose Angebote für Malkurse, für Gymnastik oder einfach für ein Gespräch in der gemütlichen Cafeteria. Vor vier Jahren hat es Frau A. geschafft, aus ihrer Einsamkeit auszubrechen und dort vorbeizuschauen. Jetzt ist sie fast täglich hier. Ein zweites Zuhause habe sie gefunden, das ihr Sicherheit und Stabilität gibt, erzählt sie. Der SZ-Adventskalender will die Arbeit der Psychosozialen Dienste der Caritas weiter unterstützen.

Über eine schmale Treppe geht es hinauf ins zweite Obergeschoss in die Cafeteria von Prisma - ein heller, herbstlich dekorierter Raum mit kleiner Theke und vielen Bildern an den roten und gelben Wänden. An einem langen Holztisch sitzen Frau A. und Herr B., die beide anonym bleiben wollen. Beide fühlen sich mittlerweile fast schon als Mitarbeitende, sagen sie. Frau A. hilft unter anderem beim Kochen und Herr B. kümmert sich beim Freien Tanzen am Donnerstag um die Musik. Das Tageszentrum wolle für Menschen, die unter seelischen Problemen oder Erkrankungen leiden, eine niederschwellige Anlaufstelle sein, erklärt Alfons Kühnstetter, der stellvertretende Leiter. Hier könnten Menschen wieder soziale Kontakte knüpfen, eine Tagesstruktur finden, Selbstbewusstsein aufbauen.

SZ-Adventskalender: Kunsttherapeut Avi Gover ist für das Angebot Offenes Atelier zuständig.

Kunsttherapeut Avi Gover ist für das Angebot Offenes Atelier zuständig.

(Foto: Renate Schmidt)

Menschen mit einer psychischen Erkrankung leben in einem Ausnahmezustand, sie haben kaum soziale Kontakte, sie können oft keiner Beschäftigung nachgehen und werden deshalb schnell in die Armutsfalle getrieben. Einen Ausflug, und sei es ins nahe München, trauten sich manche nicht zu, weiß Sozialpädagogin Corinna Stuck. "Und viele haben dafür auch kein Geld." Deshalb versuche die Caritas, immer wieder begleitete Freizeitmaßnahmen anzubieten.

So ging es in kleinen Gruppen schon an den Bodensee, auch mal nach Venedig. "Sie kommen endlich mal raus aus dem Alltag, aber in einer sicheren Umgebung", sagt Stuck. Auch das Gruppenerlebnis sei wichtig. Die Caritas bemühe sich, diese Fahrten anbieten zu können und das möglichst kostengünstig. Die Ausflüge seien sehr beliebt und manche knapsten dafür monatelang etwas von ihrem ohnehin wenigen Geld ab, weiß Corinna Stuck.

Im Angebot sind neben einem kostengünstigen Mittagsmenü auch Yoga und Bingo

Im Tageszentrum in Erding gibt es aktuell an drei Tagen ein kostengünstiges Mittagsmenü, gemeinsame Feiern, Angebote für Malen und Gestalten, für Nordic Walking, für Entspannung und Yoga, Freies Tanzen und Bingo oder den Café-Treff. Inzwischen hat auch Dorfen ein Tageszentrum.

Alfons Kühnstetter sieht die Aufgabe von Prisma darin, Menschen in psychischen Ausnahmesituationen die Möglichkeit zu geben, am sozialen Leben teilzunehmen. Leider sei wegen Corona vieles ausgefallen, "aber jetzt arbeiten wir uns Schritt für Schritt wieder heran". Dabei sollen die Besucher und Besucherinnen auch so viel wie möglich selbst gestalten, sei es die Kaffeemaschine zu bedienen, sei es beim Kochen mitzuhelfen oder den kleinen Garten zu pflegen.

Die aktuelle Weltlage mache sich bemerkbar, "die Unruhe nimmt zu", sagt der Teamleiter

Seit 1998 gibt es diese Einrichtung. 2010 ist sie um die ehemaligen Praxisräume im zweiten Obergeschoss erweitert worden. Die Nachfrage nach dem Beratungs- und Tagesangebot wachse, sagt Kühnstetter. Je nach Tag kommen zwischen zehn und zwölf Besucher und Besucherinnen, manchmal sind es auch bis zu 25. Corona sei "ein großer Stresstreiber" gewesen, sagt Teamleiter Clemens Mezler. Durch den Ukraine-Krieg und die steigenden Lebenshaltungskosten "nimmt die Unruhe zu". Therapieplätze seien ohnehin zu gering verteilt. Im Prisma arbeiten laut Mezler "24 Köpfe", zum Teil in Teilzeit. Zum Team gehören neben Sozialpädagogen und -pädagoginnen auch zwei Psychologen.

Und dann ist da seit über 20 Jahren Kunsttherapeut Avi Gover. Viele Besucher und Besucherinnen hätten von sich die Meinung, dass sie nicht kreativ sind und auch nicht malen können. "Wir befreien uns von festgelegten Vorstellungen, was schön ist, sagt Gover. "In dem Moment, wo etwas Neues entsteht, gestalte ich Kunst."

In den Malgruppen sollen sich die Teilnehmenden von der Selbstkritik befreien

Es gehe in den Malgruppen also um Kreativität "und es sollte auch Spaß machen". Zugleich achte er darauf, dass sich die Teilnehmenden von Selbstkritik befreien und sich selbst und den anderen wohlwollend begegnen. Die Werke des Malateliers hängen zum Teil in der Cafeteria, zum Teil werden sie auch ausgestellt.

"Unsere Einrichtungen sind auf Spenden angewiesen und wir sind sehr froh, dass wir durch Spenden des SZ-Adventskalenders seit Jahren Bedürftigen helfen können", sagt Caritas-Kreisgeschäftsführerin Alexandra Myhsok. Der SZ-Adventskalender möchte die Arbeit unterstützen, damit Prisma auch weiterhin Menschen mit einer schweren Erkrankung mit Ausflügen und anderen Angeboten ein Stück Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen kann. An diesem Donnerstag müssen Herr B. und Frau A. sich bald verabschieden. Es ist Zeit für Freies Tanzen. "Ich bin der DJ", erklärt Herr B. und Frau A. freut sich schon auf die Musik.

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