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SZ-Adventskalender:Starthilfe für das Projekt "Studierzimmer"

Dank der Spenden von SZ-Lesern kann die Aktionsgruppe Asyl sechs Computer für Schüler und Schülerinnen finanzieren

Von Regina Bluhme, Erding

Matheformeln und Englischvokabeln am Laptop pauken, das wird auch nach dem Corona-Lockdown zum Unterrichtsalltag gehören. Längst aber nicht alle Schüler und Schülerinnen haben einen Computer zuhause, von einem ruhigen Platz zum Lernen ganz zu schweigen. Die Aktionsgruppe Asyl (AGA) Landkreis Erding startet nun das Projekt "Studierzimmer": Jugendlichen mit Fluchthintergrund oder aus sozial schwachen Familien steht ab kommender Woche in Erding ein Raum mit sechs Internet-Arbeitsplätzen zur Verfügung. Sechs Geräte samt Drucker im Gesamtwert von 3250 Euro hat der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung finanziert. Die Unterstützung durch das Hilfswerk machen die Spenden der SZ-Leser möglich.

Im Juni hatte sich Margot Hoigt, Vorstand der Aktionsgruppe Asyl Erding, mit einem Brief an den SZ-Adventskalender gewandt. Es gehe um die Ausstattung eines Studierzimmers mit sechs Plätzen für geflüchtete oder sozial schwache Jugendliche, der Raum sei gefunden, nun fehlten noch die Arbeitsgeräte, schreibt Hoigt. Für die Anschaffung von sechs Notebooks und eines Druckers beantragte sie insgesamt 3200 Euro. Jetzt hat es der Erdinger Verein schwarz auf weiß. Das Geld, das aus Spenden der SZ-Leser stammt, ist genehmigt, die Finanzierung der Laptops gesichert.

AGA-Vorstand Margot Hoigt mit den Computern, die dank SZ-Lesern finanziert werden konnten.

(Foto: Renate Schmidt)

"Wir freuen uns wirklich sehr", sagt Margot Hoigt. Wie sehr Schüler und Schülerinnen auf digitale Medien angewiesen seien, habe sich in der Corona-Krise gezeigt, zugleich sei auch die soziale Ungleichheit deutlich geworden. Der Alltag von Schülern und Schülerinnen in Flüchtlingsunterkünften sehe so aus: Den Familien mit bis zu fünf Mitgliedern stehe ein Zimmer zum Schlafen und Wohnen zur Verfügung. "Für die Schüler ist es unmöglich, innerhalb der Unterkünfte einen ruhigen Platz für Hausaufgaben oder Lernarbeiten zu finden", so Hoigt. Zudem sei in den Unterkünften ein Internetanschluss behördlicherseits verboten. Die Schulen setzten aber in höheren Klassen den Zugang und das Arbeiten mit den neuen Medien voraus. Doch wer statt eines Laptops per Handy Hausaufgaben zu erledigen hat, der tut sich doppelt schwer. Das lief zum Beispiel dann so ab, dass Schüler die Aufgaben von der Schule auf ihr Handy bekamen, diese dann an Margot Hoigt per Whats app weiterschickten, "ich habe sie dann ausgedruckt und den Schülern vorbeigebracht." Diese Ungerechtigkeit wolle die AGA mit dem Studierzimmer jetzt ausgleichen.

Die Idee für das Projekt sei bereits im vergangenen Jahr Idee gereift, sagt Margot Hoigt. Die Vorbereitung und erste Planungen liefen also schon vor Corona an. Jetzt sei sie froh, denn so kann bereits ab kommender Woche mit dem Projekt Studierzimmer gestartet werden. Gedacht ist es für Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund, die weiterführende Schulen wie Realschule, Gymnasium oder FOS besuchen, "etwa ab der achten Klasse", so Hoigt. Selbstverständlich seien auch Jugendliche ohne Fluchthintergrund, die in ähnlich schwierigen Verhältnissen lebten, im Studierzimmer willkommen, betont die AGA-Vorsitzende.

So können Sie spenden:

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00

BIC: SSKMDEMMXXX

www.sz-adventskalender.de

www.facebook.com/szadventskalende

Das Landratsamt stellt den Raum sowie Stühle und Tische zur Verfügung, Internetzugang und alle Nebenkosten inklusive. Vorübergehend wird das Studierzimmer zunächst einmal in einem der Container hinter dem Korbinian-Aigner-Gymnasium eingerichtet. Sobald Platz ist, soll eine Räumlichkeit zwischen Schwesternwohnheim und Klinikum bezogen werden, die momentan coronabedingt als Lager genutzt wird. Äußerlich sei die aktuelle Lösung nicht schön, räumt Margot Hoigt ein, "aber innen passt wirklich alles". Platz gebe es ausreichend, damit bei sechs Personen die vorgeschriebenen Corona-Abstandsregeln eingehalten werden, Fenster zum Lüften sind auch vorhanden und Platz für einen Desinfektionsmittelspender ist auch gegeben.

Wer einen Internet-Arbeitsplatz haben will, muss sich bei der AGA melden, es werde genau Buch geführt, wer in welchem Zeitraum einen Computer benutze, betont AGA-Vorstand Margot Hoigt. Einen ersten Interessenten kennt sie bereits. Ein junger Mann mit Fluchthintergrund, der "in Rekordzeit den Quali gemacht hat" und jetzt die FOS besuchen wird, habe sich schon gemeldet. "Ich vertraue darauf, dass die jungen Menschen, die sich bei uns melden, auch wirklich lernen wollen." Man müsse den Nutzern eine gewisse Eigenverantwortlichkeit zutrauen. "Ich bin da guter Dinge", sagt Margot Hoigt.

© SZ vom 11.09.2020

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