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SZ-Adventskalender:Die großen Sorgen der Kleinen

Kinder aus bedürftigen Familien müssen auf vieles verzichten, nicht nur zur Weihnachtszeit. Corona macht nun einiges noch schwerer

Von Regina Bluhme

Das erste Adventswochenende ist da, die Schaufenster der Geschäfte sind geschmückt, die TV-Werbung ist auf frohe Festlichkeit getrimmt. In vielen Familien ist die Stimmung jedoch gedrückt; Mütter und Väter fragen sich, ob Geld für Geschenke übrig bleibt. Die Corona-Pandemie trifft bedürftige Familien besonders hart, und das nicht nur zur Weihnachtszeit. Die Soziale Beratung der Caritas in Erding wird von verzweifelten Eltern aufgesucht, die nicht wissen, wie sie Homeschooling ermöglichen sollen, zugleich belasten Zukunftssorgen und Kontaktbeschränkungen Eltern und Kinder. Der Adventskalender der guten Werke der Süddeutschen Zeitung will die Arbeit der Caritas Erding unterstützen und bittet seine Leser darum, ihn dabei mit Spenden zu unterstützen.

Die Zahl der Anfragen steigt, das spüren Ralf Lohrberg und Brigitte Fischer von der Sozialen Beratungsstelle deutlich. "Wir stoßen langsam an unsere Kapazitäten", sagt Lohrberg. Familien, die zuvor jeden Cent einzeln umdrehen mussten, kämen jetzt mit den Auswirkungen der Pandemie noch mehr in die Bredouille. "Wenn durch Kurzarbeit nur ein paar hundert Euro wegbrechen, ist das ein Riesenproblem", weiß Ralf Lohrberg. "Kinder sind sehr gute Seismografen", sagt er. Sie spürten sofort, dass die Mutter traurig ist, der Vater angespannt. Und dann das Homeschooling: Nicht in jeder Familie verfüge ein Schulkind über Laptop und Drucker, über Eltern, die passable Hilfslehrer abgeben, oder gar ein eigenes Zimmer.

Coronavirus - Finnland

Die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie stellen gerade Kinder aus bedürtigen Familien vor neue, vor große Herausforderungen.

(Foto: Antti Aimo-Koivisto/dpa)

Wie die Realität bei manchen aussieht, zeigen zwei Beispiele aus der Beratungsarbeit von Frank Lohrberg und Brigitte Fischer: Frau A. ist alleinerziehend und hat vier Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren. Der Vater hat keinen Kontakt zu den Kindern, der Unterhalt kommt nur schleppend. Frau A. arbeitet Teilzeit im Verkauf, die Familie muss aufstockend Arbeitslosengeld II-Leistungen beantragen. Als im ersten Lockdown die Schulen und Kitas schließen, hat Frau A. niemanden für die Kinder. Da sie in der Probezeit ist, wird sie gekündigt. Sie ist nun zuhause bei den Kindern, das Homeschooling erweist sich als schwierig, die Familie hat weder Laptop noch Drucker. Die Nachbarin druckt die Arbeitsaufträge aus. Da die Wohnung viel zu klein ist, können die Großen sich nicht konzentrieren, die Stimmung wird immer angespannter, zusätzlich fehlt das Geld vom Arbeitseinkommen, und die Tafel hatte in der ersten Zeit zu.

Die Kinder vermissen ihre Freunde, Frau A. geht es psychisch immer schlechter, da die Situation sehr belastend ist. Die Kinder spüren, dass es der Mama nicht gut geht, haben aber niemanden, mit denen sie sich austauschen können. Ein Teufelskreis. Persönliche Gespräche gibt es nicht, die Familie bleibt mit ihren Sorgen bei sich. Die Caritas kann die Familie telefonisch beraten und organisiert einen Laptop mit Drucker, zudem nimmt Frau A. Telefongespräche in Anspruch.

So können Sie spenden

Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.

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Familie W., zwei Kinder: Das Ehepaar wird durch Corona in Kurzarbeit geschickt, das Einkommen reduziert sich von heute auf morgen jeweils auf 67 Prozent. Trotz Kindergeld wird es sehr knapp. Die Familie lebt sehr ländlich und ist auf zwei Autos angewiesen, da sie sonst nicht zur Arbeitsstelle kommen. Jede Reparatur reißt ein Loch in die Haushaltskasse. Die Kinder gehen in die Schule, durch den Lockdown müssen sie Homeschooling machen, die Eltern sind bei der Unterstützung aufgrund ihrer Existenzängste überfordert. Herr W. ist trockener Alkoholiker, der Lockdown verlangt ihm alles ab, die familiäre Situation ist angespannt, da keine Kontakte möglich sind Die Kinder leiden sehr, wünschen sich einen geregelten Tagesablauf und vermissen ihre Freunde.

Schon seit Jahren arbeitet der SZ-Adventskalender mit der Caritas Erding zusammen. "Der SZ-Adventskalender ist eine super Sache, wir sind sehr froh, diese Unterstützung zu haben", sagt Kreisgeschäftsführerin Barbara Gaab. Dieses Jahr will die Caritas zudem zehn Familien gezielt unterstützt werden, die sich Essengeld oder das Betreuungsgeld für ihre Kindergarten- oder Schulkinder nicht leisten können. Hiervon sind vor allem Familien und Alleinerziehende betroffen, deren Einkommen knapp oberhalb der Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld I liegt. Sie haben keinen Anspruch aus dem Teilhabepaket oder der wirtschaftlichen Jugendhilfe und müssen deshalb die Kosten selber tragen. Oft reiche das Einkommen dann nicht für die Kindergartengebühr oder das Essengeld in der offenen Ganztagsschule. Die Caritas Kinderburg würde gerne eine Gitarre für Musikangebote kaufen. Die Kinderburg besuchen vor allem Kinder mit Migrationshintergrund, mit Förderbedarf oder aus schwierigen Familienverhältnissen. Der Adventskalender für gute Werke will auch hier die Caritas unterstützen.

© SZ vom 28.11.2020
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