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Südeinschleifung Erding:Mit Begleitschutz ins Ministerium

Die Initiative "Erding jetzt" traut Bürgermeister Max Gotz in Sachen Südeinschleifung nicht über den Weg - und will ihm für die Gespräche im Ministerium mehrere Stadträte zur Seite stellen.

Erstmals nach den Äußerungen des Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) und des Wirtschaftsministers Martin Zeil (FDP) zu der von ihnen präferierten Südeinschleifung wird in Erding in der kommenden Woche in großer Runde über die veränderte Lage diskutiert: Bürgermeister Max Gotz (CSU) ließ das Thema "Information zum S-Bahn-Ringschluss" noch auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag (Beginn 17.45 Uhr) setzen. Zusätzliche Würze erhält die Diskussion durch einen Antrag des "Erding jetzt"-Sprechers Hans Egger: Er möchte, dass künftig eine Delegation aus Stadträten den Bürgermeister bei seinen Verhandlungen mit dem Ministerium begleitet.

"Erding jetzt"-Sprecher Hans Egger wirft der Verwaltung vor, sie verfolge "überdeutlich andere Ziele" als die Südeinschleifung.

(Foto: Peter Bauersachs)

Sowohl Seehofer als auch Zeil hatten in den vergangenen Tagen und Wochen geäußert, dass unter finanziellen Gesichtspunkten die Südeinschleifung der Nordeinführung vorzuziehen ist. In Erding wurden diese Äußerungen erstaunt zur Kenntnis genommen, denn vor einer Entscheidung für eine der beiden Varianten - es geht um die Verknüpfung der künftigen Regionalbahn mit dem künftigen S-Bahn-Ringschluss - war eine nochmalige Präsentation der beiden Varianten im Erdinger Stadtrat erwartet worden. Stattdessen haben nun die hochrangigen Landespolitiker mit ihren Äußerungen für eine Vorentscheidung gesorgt.

Im Erdinger Stadtrat zeichnet sich ein Konflikt ab: Bürgermeister Max Gotz (CSU) vermisst weiterhin belastbare Zahlen des Ministeriums für die beiden Varianten. "Ich plädiere für eine ergebnisoffene Diskussion, aber erst müssen die Fakten auf den Tisch", dies hat Gotz in den vergangenen Tagen mehrfach gesagt. Andere Gruppen wie auch "Erding jetzt" haben sich offenkundig mit der Entscheidung für die Südeinschleifung abgefunden und wollen auf dieser Grundlage die bestmögliche Lösung für Erding finden.

Im Gegensatz dazu warnte Gotz im Gespräch mit der SZ davor, sich frühzeitig auf die Südeinschleifung festzulegen. Er verweist darauf, dass die jetzige Version, die das Ministerium im Juli im Stadtrat präsentiert hatte, für die städtebaulichen Entwicklung Erdings verheerende Folgen haben würde. "Es steht fest, dass das Ministerium von der vorgestellten Variante nicht abweicht", sagte er. Bekanntlich fehlen bislang Pläne für die Untertunnelung der Bahnübergänge an der Parkstraße und an der Bahnhofstraße, es fehlen Lärmschutzmaßnahmen für Altenerding und Bergham sowie eine weitgehende Tieferlegung der Bahngleise.

Geringe Chancen räumt Gotz dem Ansinnen ein, dass eine Delegation des Stadtrates ihn zu den Verhandlungen mit dem Ministerium begleitet. Die Gemeindeordnung sehe vor, dass der Bürgermeister die Stadt vertrete. Tiefer getroffen zeigte sich Gotz von dem Vorwurf Eggers, die Verwaltung verfolge "überdeutlich andere Ziele" als die Südeinschleifung. Die Verwaltung verfolge überhaupt keine Ziele, sagte Gotz. Wenn Verwaltungsangestellten ihn begleiteten, dann um ihn zu unterstützen und weil er nicht ohne Zeugen mit Vertretern des Ministeriums reden wolle.

Die Forderung Eggers nach Bürgerversammlungen laufen Gotz zufolge ins Leere: Er bemühe sich um größtmögliche Transparenz, Bürgerversammlungen seien vorgesehen.