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Strompreise werden weiter steigen:Ein schwieriges Geschäft

Klaus Steiner, Geschäftsführer Stadtwerke Dorfen und Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energiewirtschaft, erwartet nach dem Ende der Corona-Krise einen weiter ansteigenden Stromverbrauch und steigende Preise

Von Thomas Daller, Dorfen

Die Energiewende stockt, unter anderem auch deswegen, weil die Förderung über die EEG-Umlage beim Altbestand seit 2020 allmählich ausläuft. Das müsste auch bei den Stromkunden ankommen, wenn weniger Umlage gezahlt wird und zudem der Bund 2021 rund 10,8 Milliarden Euro zuschießt, um die EEG-Umlage zu deckeln. Trotzdem wollen nur rund zehn Prozent der Stromversorger den Preis senken, rund 80 Prozent behalten den Preis bei und rund zehn Prozent wollen ihn sogar anheben. Die Stadtwerke Dorfen wollen ihn heuer stabil halten. Stadtwerke Geschäftsführer Klaus Steiner ist zugleich Vorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW). Er rechnet aber in 2022 mit einem starken Preisanstieg.

Die Deckelung des EEG-Kontos aus Steuermitteln sei lediglich ein "Tropfen auf dem heißen Stein", sagte Klaus Steiner. Denn die Großhandelspreise an der Strombörse würden steigen. Gleichzeitig bleibe die extrem hohe Belastung von 52,5 Prozent an Steuern und Abgaben auf den Strompreis. Die Entwicklung des Strompreises sei deutlich absehbar, weil beispielsweise die Stadtwerke Dorfen bereits drei Jahre vor dem sogenannten Erfüllungszeitpunkt den Strom einkaufen würden, um Preisspitzen auszugleichen. Hinzu komme, dass die Netzentgelte steigen würden, allerdings uneinheitlich. In den Städten blieben sie stabil, nur im ländlichen Raum würden sie höher. Auf dem Land sei noch Platz für Photovoltaikanlagen und diese Anschlüsse würden sich auf die Netzentgelte auswirken. So seien die Netzentgelte in München nur halb so hoch wie in Dorfen.

Bayern habe außerdem seine Vorrangstellung bei der klimafreundlichen Stromerzeugung längst an andere Bundesländer verloren. Insbesondere im Winter sei man zunehmend auf Stromimporte angewiesen. Seit 2017 steige der Stromverbrauch in Bayern wieder an. Effizienzfortschritte durch sparsamere Geräte würden mittlerweile durch die fortschreitende Elektrifizierung, die gute Konjunktur der vergangenen Jahre und das Bevölkerungswachstum wieder aufgezehrt.

Wenn sich das Stromverbrauchsverhalten nach der Corona-Krise wieder normalisiert habe, erwarte der VBEW einen weiter ansteigenden Stromverbrauch. Und das vor dem Hintergrund, dass nun auch die Kernkraftwerke sukzessive vom Netz genommen würden. "Unabhängig davon, wie man zu Kernkraftwerken steht", sagte Steiner, aber diese Leistung stünde dann nicht mehr zur Verfügung. Die Erneuerbaren Energien hätten das Ruder übernommen und dafür benötige man weitere Investitionen in Netze und Speicher.

Steiner geht davon aus, dass insbesondere die Elektromobilität vor einem ganz starken Zuwachs stehe. Auch der Strombedarf für Wärmepumpen steige. Daher benötige man dringend einen Ausbau der Photovoltaik in Bayern. Insgesamt würden die Investitionsbedingungen stimmen, auch wenn die Förderung von Kleinanlagen zurückgefahren werde. Für größere Anlagen gebe es Investitionsanreize und die Eigennutzung von Photovoltaikanlagen bei privaten Haushalten sei ebenfalls lukrativ.

Strom ist ein schwieriges Geschäft auf einem umkämpften Markt. In der Sparte Strom haben die Stadtwerke 2018 sogar schon mal rote Zahlen geschrieben. 2019 gelang es dann über eine heftige Strompreisanpassung von 15 Prozent eine Trendumkehr zu erreichen, seither "sind wir ganz gut kostendeckend unterwegs", sagte Steiner.

Für die Zukunft setzen die Stadtwerke auf mehrere neue Modelle. So wollen sie bei der Elektromobilität als Partner auftreten. In der nächsten Woche sollen Flyer an mehrere 1000 Dorfener Haushalte verteilt werden. Dabei geht es um einen neuen Ladetarif und das Angebot der Stadtwerke, bei diesen Kunden auch Wallboxen zu montieren. Ferner wollen sie, "so pervers wie es klingt", sagte Klaus Steiner, Kunden unabhängiger von den Stadtwerken machen, indem sie ihnen PV-Anlagen mit eigenem Speicher schmackhaft machen und sie auch installieren. "Wir stellen den Laden momentan ganz schön auf den Kopf", sagte der Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen.

© SZ vom 22.02.2021
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