Süddeutsche Zeitung

Streit um Trassenführung der A94:Gegner bezweifeln Verkehrsprognosen

Nächste Runde im Streit um A94: Die Gegner werfen Verkehrsgutachter Harald Kurzak vor, die Zahlen fehlerhaft ermittelt zu haben.

Verkehrsgutachter Harald Kurzak muss sich rechtfertigen: Der Experte, der für die Autobahndirektion Südbayern die Prognosen erstellt hat, steht in der Verwaltungsstreitsache gegen den Autobahnabschnitt von Pastetten nach Dorfen in der Kritik. Die Dorfener Autobahngegner halten ihm vor, seine Zahlen seien in sich widersprüchlich und würden "zufällig" mit der jeweiligen Interessenslage seines Auftraggebers übereinstimmen.

Kurzak ist nach Ansicht von Rechtsanwalt Claus Deißler eine Schlüsselfigur im Rechtsstreit um die Wahl der Autobahntrasse. Sein Name "taucht im Planfeststellungsbeschluss 40 Mal auf". Deißler vertrat vor dem achten Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) die "Grundthese", es sei bei der A 94 "kein ergebnisoffenes Verfahren durchgeführt worden". Die Trassenentscheidung "stand von Anfang an fest".

Und Kurzak habe der Autobahndirektion die erforderlichen Zahlen geliefert. Die Gegner der Isentaltrasse konnten mehrere Beispielen vorbringen. So habe Kurzak im Jahr 2004 prognostiziert, das Verkehrsaufkommen im besonders unfallträchtigen Abschnitt zwischen Haag und Heldenstein werde trotz des Baus der Trasse Dorfen weiter zunehmen. Das war damals Wasser auf den Mühlen der Dorfener Kläger.

Im nächsten Gutachten aus dem Jahr 2008 prognostizierte Kurzak plötzlich, das Verkehrsaufkommen werde im selben Abschnitt und gleichen Prognosezeitraum um 20 Prozent abnehmen.

Auch beim Vergleich seiner Prognosen für die Flughafentangente Ost (FTO) aus dem Jahr 2003 und seiner Prognose für die A 94 nur ein Jahr später klafften seine Angaben zum Restverkehr in den Gemeinden Pastetten und Markt Schwaben einmal 42 und einmal 47 Prozent auseinander.Kurzak räumte ein, er hätte genauer arbeiten können: "Aber dann wäre es teurer geworden und den Auftrag hätte ein anderer bekommen."

Heiner Müller-Ermann, Sprecher der Aktionsgemeinschaft gegen die A 94, warf Kurzak vor, man könne die Ergebnisse seiner Verkehrsuntersuchung "schlechterdings nicht nachvollziehen". Auch der Vorsitzende Richter Erwin Allesch verglich Kurzak mit den "Wahrsagern, die im Fernsehen Wirtschaftsprognosen stellen": "Ich bin mit meiner Auffassungsgabe am Ende, weil ich ihre Modelle nicht verstehe." Andererseits erkundigte sich Richter Allesch bei den Klägern, was es für eine Rolle spielen solle, wenn zwischen Haag und Heldenstein auf der B12 nach dem Bau der Dorfener Trasse 2000 Fahrzeuge mehr oder weniger am Tag verblieben.

Rechtsanwalt Deißler erläuterte, man erhebe den Vorwurf, dass die Zahlen fehlerhaft ermittelt worden seien und zweifle an deren gerichtlichen Belastbarkeit. Mit den Beispielen wolle man klären, ob man mit dieser Methode einer Verkehrsuntersuchung "zu einem vernünftigen Ergebnis kommt". Allesch sagte, Kurzak werde die üblichen Methoden angewandt haben: "Wenn sie das kritisieren, müssen sie wohl die ganze Zunft kritisieren."

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Quelle:
SZ vom 22.10.2010/isa
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