Stadtwerke Dorfen:Energiewende und Energiekrise

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Stadtwerke Dorfen: Sieht nicht nach viel aus, ist aber ein "geniales" System, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Steiner sagt: das Dorfener Heizkraftwerk, in dem mit Hackschnitzeln aus Forstabfällen Fernwärme hergestellt wird.

Sieht nicht nach viel aus, ist aber ein "geniales" System, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Klaus Steiner sagt: das Dorfener Heizkraftwerk, in dem mit Hackschnitzeln aus Forstabfällen Fernwärme hergestellt wird.

(Foto: Stephan Görlich)

Die Stadt Dorfen hat anderen Kommunen einiges voraus, was erneuerbare Energien und lokale Energieversorgung angeht. Das Fernwärmesystem der Stadtwerke ist nicht nur CO2-neutral, sondern auch krisensicher. Doch es gibt noch viel zu tun, sagt Stadtwerkechef Klaus Steiner.

Von Florian Tempel, Dorfen

"Wir haben in Bayern eine sehr ordentliche Energiekrise, vor allem mit Blick auf den nächsten Winter." Klaus Steiner, der Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen, will Niemandem Angst machen. Doch er und seine Leute machen sich ernste Gedanken, was man tun muss, wenn eines kalten Tages zu wenig Erdgas da sein wird. Dann werde nämlich folgendes passieren, erklärt Steiner: Wenn zu wenig Erdgas im Netz ist und der Druck in den Leitungen unter ein bestimmtes Niveau abfällt, werden in den einzelnen Haushalten, Betrieben und öffentlichen Einrichtungen, die mit Gas heizen, Sicherungen automatisch die zu schwache Gaszufuhr abriegeln. Diese Sicherungen können nur Fachleute wieder freischalten, sagt Steiner, und danach muss die Heizungsanlage neu eingestellt werden. Das dauert Tage.

Wenn man alle verfügbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtwerke Dorfen in einem Schnelllehrgang zu Gassicherungsfreischaltern ausbilde, würde man schätzungsweise eine Woche brauchen, um bei den mehr als 2000 Dorfener Gaskunden die Heizungen wieder in Gang zu bringen. Das heißt auch: "Wir brauchen dann solange große Wärmehallen für viele Menschen."

Stadtwerke Dorfen: Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen bei der feierlichen Inbetriebnahme der Heizwerk-Erweiterung vor einem Jahr.

Klaus Steiner, Geschäftsführer der Stadtwerke Dorfen bei der feierlichen Inbetriebnahme der Heizwerk-Erweiterung vor einem Jahr.

(Foto: Stephan Görlich)

Die könnte man vielleicht in den Schulturnhallen einrichten. Denn die Schulen in der Stadt Dorfen sind ans städtische Fernwärmenetz angeschlossen. Auch andere große öffentliche Einrichtungen wie die Klinik und das Marienstift sowie viele Privathaushalte haben damit gewissermaßen eine Trumpfkarte gezogen. "Wer am Fernwärmenetz ist, muss Gasmangel nicht fürchten", erklärt Steiner. Wer mit Dorfener Fernwärme heizt, wird es auch in diesem Winter bei sich zu Hause, unter der Dusche und in der Badewanne schön warm haben.

Dorfen hat anderen Kommunen in Sachen Energiewende viel voraus. Die ökologische Fernwärme, die von Steiners Vorgänger Karl-Heinz Figl konzipiert wurde, ist "genial", sagt der jetzige Stadtwerkechef. Sie ist zu hundert Prozent CO2-neutral und krisensicher, da sie mit heimischer Biomasse befeuert wird. Karl-Heinz Figl hatte schon vor vielen Jahren den Klimawandel fest im Blick und vorausschauend entschieden, das Gasnetz in Dorfen nicht mehr auszubauen.

Das größte Problem beim Ausbau des Fernwärmenetzes ist derzeit, Leitungsrohre zu besorgen

Am nördlichen Stadtrand steht das Heizkraftwerk Rinning, wo mit Hackschnitzel vorwiegend aus Forstabfällen heißes Wasser produziert wird, das durch ein Leitungssystem zu den Abnehmern fließt. Die Kapazität der Holzöfen ist erst vor eineinhalb Jahren erhöht worden und reicht noch für einige Neukunden. "Die rennen uns derzeit die Tür ein", sagt Steiner. Das Problem liege jedoch derzeit vor allem darin, Rohre für den Ausbau des Fernwärmenetzes zu bekommen. Wie bei so vielem anderen, gibt es auch bei Stahlrohren massive Nachschubprobleme.

Es gibt in Rinning zwar Blockheizkraftwerke. Sie wurden zuletzt mit zertifiziertem Biomethan ebenso CO2-neutral betrieben. Eigentlich nur, um stundenweise Strom zu produzieren und nebenbei mit ihrer Abwärme Dorfener Fernwärmewasser aufzuheizen. Nun, da Gas so teuer geworden ist, stehen die Blockheizkraftwerke still.

Wenn der Strom im Winter allgemein knapp werden sollte und es zu Ausfällen kommt, werde Dorfen davon nicht verschont, sagt Steiner. Im Gebiet der Stadtwerke wird zwar durch Biogas- und Photovoltaikanlagen mehr Strom produziert, als in Dorfen verbraucht wird. Doch das lokale Leitungsnetz lässt sich bei einem Blackout nicht solitär aufrechterhalten. "Wir können uns nicht abklemmen." Wenn in Bayern die Lichter ausgehen, dann auch in Dorfen. Außer bei denjenigen, die zum Beispiel mit einer PV-Anlage auf dem Dach ihres Hauses Strom für den Eigenverbrauch produzieren, einen Batteriespeicher und eine schwarzstartfähige Anlage haben, die bei einem Stromausfall durch Abkopplung vom Netz die Eigenversorgung weiter möglich macht.

Dorfen hat zwar schon einiges für die Energiewende geleistet, aber auch noch viel vor sich, sagt Steiner. Unter dem Titel "Energiewende jetzt: Dorfen hält zusammen und legt los", findet deshalb am kommenden Montag eine große Informationsveranstaltung im Jakobmayer statt, bei der es um die Themen Energiewende und die Energiekrise geht. Referenten sind neben ihm Detlef Fischer vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft und der Dorfener Physiker und Energieexperte Manfred Groh. Der Umbau zu bezahlbaren, sicheren und umweltfreundlichen Energien müsse mutig angegangen werden. In der Veranstaltung am Montag "beziehen wir Stellung", sagt Steiner: "Was bedeutet das konkret für uns in Dorfen und was können wir tun, um die Energiewende vor unserer Haustür voranzubringen? Was planen die Stadtwerke Dorfen und was kann die Bevölkerung leisten?" Und natürlich: "Wie geht es mit dem Ausbau der Fernwärme voran?"

Energiewende jetzt, Montag, 25. Juli, 19 Uhr, Jakobmayer, Unterer Marktplatz 34, Dorfen.

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