Stadthalle vor Umbruch Ein geschärftes Profil

Geschäftsführerin Jutta Kistner möchte die kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Funktion der Stadthalle neu ausrichten

Von Matthias Vogel

Was machst du heute Abend? Ich gehe zu Günter Grünwald. Toll! Wo spielt denn der? In der Erdinger Stadthalle. Aha! Es liegt nicht an der Qualität einzelner Vorstellungen, warum Jutta Kistner, Leiterin der Kultur- und Tagungsstätte, noch nicht ganz in ihrem Element ist. Seit einem Dreivierteljahr ist sie im Amt und kürzlich trat sie mit dem Aufsichtsrat der Erdinger Stadthallen GmbH in Kontakt, um eine Neukonzipierung anzustoßen. "Die Stadthalle braucht ein eigenes Gesicht, muss in der Bürgerschaft verankert sein." Drei Funktionen erfüllten Häuser wie ihres, sagt Kistner - und die gelte es, stärker hervorzuheben. Zum einen wäre da die kulturelle Funktion. Für Veranstaltungen brauche es künftig ein festes Budget, regte sie an, während sie mit vier der sieben Aufsichtsratsmitglieder - mit dabei Vorsitzender und Bürgermeister Max Gotz (CSU) - unterwegs war, um sich Konzepte der entsprechenden Häuser in Unterschleißheim und Fürstenfeldbruck anzusehen. "Nur dann habe ich den Daumen auf der Qualität der Darbietungen", sagt Kistner. Was eben nicht der Fall sei, wenn externe Veranstalter die Stadthalle mieten würden. Als negatives Beispiel 2011 sei ihr der Auftritt des Ensembles "Hot Africa" in Erinnerung, "eine Aneinanderreihung von einzelnen Revuenummern ohne durchgängige Handlung". Das reiße niemanden vom Hocker. Das fixe Budget sei aber auch wichtig, um die gesamte Bandbreite von Veranstaltungen anzubieten. Nicht nur Theater, sondern etwa auch Kindertheater, Rockmusik für junge oder jung gebliebene Leute, die Inszenierung der Zauberflöte oder einfach einmal einen DJ. Das alleine könne die kulturelle Schiene aber nicht aufwerten, so Kistner. "Stadt und Kulturschaffende müssen grundsätzlich über die Ausrichtung nachdenken. So müssen auch Veranstaltungen organisiert werden, die die Stärken Erdings hervorheben." Kistner denkt an die Erdinger Boogie-Woogie-Institution Peter Heger oder die hohe Dichte an Laientheatergruppen im Landkreis. "Warum nicht jährlich die Bayerischen Volksspieltage anbieten? Als Alleinstellungsmerkmal." Um die gesellschaftliche Funktion macht sich Kistner weniger Gedanken. Zu bewerben sei die Stadthalle als Treffpunkt, für Bälle, Weihnachtsfeiern oder für Vereinsjubiläen aber auch. "Die Stadthalle ist eine Location mit Platz und schönem Ambiente", sagt sie. Im Bereich Tagungsgeschäft, der wirtschaftlichen Funktion der Stadthalle, sei hingegen noch ein "wahrer Schatz" zu heben. Die Nähe zur wunderschönen Altstadt berge viel Potential. "Man fällt ja von uns aus dort fast hinein." In diesem Bereich sieht Kistner deshalb auch großen Nutzen für die Erdinger Geschäftswelt. Sie belegt das auch: "Als etwa die Deutsche Echtheitskommission im vergangenen Jahr einen Kongress abhielt, kam die spanische Delegation auf den letzten Drücker. Die haben sich aus Zeitmangel in der Stadt komplett neu eingekleidet." Für alle Bereiche gilt für Kistner außerdem: sich umhören, was es für Neuerungen auf dem Markt gibt und mit der Zeit gehen. Plakate, Programm- und Abohefte sowie der Internetauftritt müssten in ansprechenderer Optik daherkommen. Alle ihre Vorschläge sind freilich mit Kosten verbunden. Das weiß Kistner. Sie hat aber den Eindruck gewonnen, dass der Aufsichtsrat ihren Ideen sehr offen gegenüberstehe. "Darüber freue ich mich sehr", sagt sie. In regelmäßigen Gesprächsrunden im Rathaus soll nun weiterentwickelt werden. "So eine neue Konzeption lässt sich ja auch nicht aus dem Boden stampfen." Zumal 2012 im Zeichen der Renovierungsarbeiten an der Bühnentechnik und dem Brandschutz stehen wird. Aber eines Tages müsste sich nach ihrem Geschmack eine Unterhaltung zweier Kulturfreunde so anhören: Was machst du heute Abend? Ich gehe in die Stadthalle. Toll! Was läuft denn da? Günter Grünwald. Aha!