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Stadthalle Erding:Unverzichtbar

Die Stadthalle benötigt im Jahr 650 000 Euro aus öffentlichen Mitteln, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Rahmenbedingungen sind schwer, sagt die Geschäftsführerin Jutta Kistner

650 000 Euro schießt die Stadt Erding als alleinige Gesellschafterin der Stadthalle Erding alljährlich zu, um den Betrieb in Erdings derzeit einzigem größerem Veranstaltungsort am Laufen zu erhalten. Ob es dabei bleiben wird, darf bezweifelt werden, denn die Rahmenbedingungen für die Stadthalle sind nicht einfach, das verdeutlichte kürzlich die Geschäftsführerin Jutta Kistner den Erdinger Stadträten. Sie legte dazu die Bilanz für 2018 vor und gab eine Einschätzung ab, wie die Bilanz für 2019 aussehen wird. Dabei betonte sie, dass die Buchungslage für 2019 stabil gewesen sei. Es gibt aber andere Posten, die Löcher in die Kasse reißen.

An diesem Samstag lockt die "Bayerische Rauhnacht" mit Schariwari in die Stadthalle.

(Foto: Christian Endt)

Im Wettbewerb um lukrative Tagungen im Münchner Umland ist die Stadthalle Erding zuletzt zurückgeworfen worden, wie Kistner erläuterte. Zu den schwierige Rahmenbedingungen gehört weiterhin die schwierige Erreichbarkeit der Halle, die sich im Jahr 2018 nochmals verschärft hat durch die Sperrung der Freisinger Brücke. "Die Leute haben bei Tagungen überhaupt nicht mehr zu uns gefunden", sagte Kistner. Mit der Tiefgarage gebe es auch immer wieder Probleme, was die ohnehin schon große Parkplatznot weiter verschärfe. Im Jahr 2019 hat ihr dann die Baustelle der Sparkasse am Alois-Schießl-Platz die Vermarktung der Räume erschwert. Der Vorplatz war nur eingeschränkt zu nutzen, Lärm und Vibrationen beeinträchtigten die Tagungen, auch der Seminarraum war schwerer zu vermieten. Zudem bescheinigte Kistner dem Alois-Schießl-Platz "zunehmenden Hinterhofcharakter" mit "Problemen durch Jugendliche, Migranten und Obdachlose". Das werde aber sicher wieder besser, fügte sie an.

Oft geht es profaner zu wie bei der Ehrung der Forsterner Fußballerinnen.

(Foto: Renate Schmidt)

Dazu kommen Probleme, die auch viele andere Betriebe haben: "überbordende Regulierungs- und Dokumentationspflichten", wie Kistner sagte, Investitionen in Digitalisierung und Prozessoptimierung und ein "explodierender Rechts- und Beratungsaufwand" durch ständig neue Auflagen und Gesetze. Dies lähme das Tagesgeschäft, erschwere die Kundenbetreuung und erhöhe die Personalfixkosten. Nach oben gehen aber auch die Energiekosten, Nebenkosten und Zumietkosten für Technik und die Werbekosten. Aber auch der Fachkräftemangel macht sich an dem Haus bemerkbar: Wie Kistner erläuterte, sei kaum ein "qualifizierter Veranstaltungstechniker" kurzfristig zu buchen. Die Engpässe in Zeiten des Fachkräftemangels und einer "überhitzten Veranstaltungsbranche" seien von enormen Preiserhöhungen begleitet worden. Die Stadthalle hat daraus Konsequenzen gezogen und "nach Jahren des Outsourcings" wieder eigenes veranstaltungstechnisches Fachpersonal fest an das Haus gebunden. Nur so sei der Spielbetrieb sicherzustellen, sagte sie. Kistner fügte aber auch an, dass es mittlerweile sogar schwer sei, Aushilfskräfte zu bekommen - weder Studenten noch Rentner.

Auch der Tanzwettbewerb "Lets Dance", bei dem Harry Seeholzer Tango tanzte, fand in der Stadthalle statt.

(Foto: Renate Schmidt)

Im Erdinger Stadtrat gibt es keine Zweifel, dass die Stadthalle von unschätzbarer Bedeutung für die Stadt ist. Auch Kistner sagte, sie trage als weicher Standortfaktor dazu bei, dass Erding nicht zu einer reinen Schlafstadt mutiere. "Wir stehen zu unserer Stadthalle", sagte auch OB Max Gotz (CSU). "Wir wollen eine lebendige Stadt." Sie sei mit ihrem "breit gefächerten Programm" nicht mehr wegzudenken, fügte Ludwig Kirmair (CSU) an, der zweite Bürgermeister und Kulturreferent. Das Geld, das die Stadt Erding zum Betrieb zuschießt, sei nicht als Defizit zu sehen, sagte auch Horst Schmidt (SPD). "Das ist unser Beitrag." Man müsse deutlich machen, dass Kultur Geld koste. Petra Bauernfeind (FW) unterstützte Kistner in ihrer Auffassung, dass es im Moment unklug sei, zu sehr an der Preisschraube zu drehen. "Manche würden es sich dann überlegen, ob sie es sich leisten können", sagte Bauernfeind. Kister sagte ihr zu, vor allem ein kostengünstiges Angebot für Kinder und Jugendliche bereitzustellen.

Insgesamt hat die Zahl der Veranstaltungen im Jahr 2018 laut Kister abgenommen, was auch einer zweieinhalb Monate währenden Schließung für Brandschutzmaßnahmen anzulasten sei. Mit der Anzahl der Veranstaltungen (185 im Jahr 2018, 212 ein Jahr zuvor) ging auch die Zahl der Besucher zurück: von 69 930 auf 62 341. Trotzdem wurde 2018 mit 897 000 Euro der zweithöchste Gesamterlös der Unternehmensgeschichte erzielt, was unter anderem vier ausverkauften Veranstaltungen mit Monika Gruber zu verdanken war.