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Stadtentwicklung:Provisorium sucht neue Heimat

Der Standort der Agentur für Arbeit am S-Bahnhof in Containern ist nur eine Übergangslösung. Das Amt würde gerne auf ein Grundstück an der Landgestütstraße umziehen, doch vorher muss sich die Stadt mit dem Eigentümer einigen

Seit zehn Monaten ist die Agentur für Arbeit nun provisorisch an der Zufahrt zum Park-and-Ride-Platz am Erdinger Bahnhof untergebracht. Von dem Provisorium aus Containermodulen bekommen aber weder die rund 30 Mitarbeiter noch die etwa 6500 Kunden, die dort jährlich vorbei kommen, etwas mit, wie Ralf Holtzwart, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern, am Dienstag bei einem Besuch der Erdinger Agentur sagte. Und trotzdem sollen die Container nur eine Übergangslösung bleiben. Ein alternativer Standort in einem Neubau wäre schon gefunden: an der Landgestütstraße. Doch ob das Projekt wie gewünscht bis Ende 2020/Anfang 2021 realisiert werden kann, sieht Oberbürgermeister Max Gotz nicht. Dazu müsste es von Seiten des Grundeigentümers noch "mehr Bewegung" geben.

Wartezeiten und überfüllte Gänge gibt es nicht mehr, da vorab Termine ausgemacht werden müssen.

(Foto: Renate Schmidt)

Notwendig war der Umzug geworden, weil der Mietvertrag für die vorherigen Räumlichkeiten an der Freisinger Straße zum 31. Januar 2018 vom Eigentümer gekündigt worden waren. Zwar gab es noch eine Fristverlängerung, aber als die Stadt ihr das Grundstück in der Nähe des S-Bahnhofes anbot, konnte der Umzug erfolgen. Dort ist der Mietvertrag mit der Stadt auf Ende 2020 befristet, aber OB Gotz sagte bei einem Pressegespräch in der Agentur zu, dass man den Vertrag so lange verlängern werde, wie nötig. Allerdings werde das Grundstück irgendwann für den Tunnelbau bei der Verlängerung der S-Bahnstrecke benötigt. Gotz war sich mit Nikolaus Windisch, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freising, die auch den Landkreis Erding betreut, einig, dass auch künftig die Agentur zentral in der Stadt ihren Sitz haben müsse. "Wir wollen in der Fläche bleiben, vor Ort. Zentrumsnah, mit einer guten Anbindung an den ÖPNV, aber fußläufig zu erreichen", sagte Windisch. Auch Gotz betonte die Wichtigkeit der Agentur: "Erding ist ein Oberzentrum, also gibt es keine Diskussion darüber, ob wir eine Arbeitsagentur brauchen oder nicht."

Dass es sich bei dem neuen Standort der Agentur für Arbeit um Container handelt, erkennt man in den Zimmern nicht.

(Foto: Renate Schmidt)

Der gewünschte neue Standort werde auch von ihm unterstützt, auch in Hinblick auf den neuen Bahnhof im Rahmen des S-Bahn-Ringschlusses. Für das Grundstück gebe es einen gültigen Bebauungsplan aus dem Jahr 2007. Damals habe man sich an der Stelle einen Lebensmittelmarkt, ähnlich wie die Wasserburger Markthallen, vorstellen können. Doch dazu sei es nie gekommen. Der Stadtrat habe nun zwar beschlossen, den Bebauungsplan zu ändern, aber dafür erwartet Gotz "einen respektvollen Umgang aller Beteiligten an der Stelle". Derzeit wird das Grundstück zwischen der Dr.-Henkel-Straße und der Landgestütstraße als Parkplatz benutzt. Es werde kein Gebäude geben, das das Baurecht maximal ausnutze, aber nicht in das Stadtbild passe. Ob dann, wie von Landrat Martin Bayerstorfer gewünscht, auch das Jobcenter mit ein zieht, ist offen. Aber man war sich einig, dass es wünschenswert wäre, beide Kundenangebote unter einem Dach zu haben, da auch die Aufgaben und das Klientel ähnlich seien.

Nur von außen ist die Containerbauweise erkennbar.

(Foto: Renate Schmidt)

Bis dahin müssen die Mitarbeiter weiter mit den Containern über zwei Geschosse leben. Allerdings bieten sie genügend Fläche, damit die meisten der rund 35 Mitarbeiter in Einzelbüros sein können, womit Beratungs- und Vermittlungsgespräche unter Einhaltung des Datenschutzes stattfinden können. Windisch vermutet, dass Erding der einzige Standort sei, in dem Kundenkontakt in Containern stattfindet.

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen in Erding seit Jahren zu den niedrigsten in Deutschland zählen, wird die Arbeit nicht weniger. In diesem Jahr laufe die Wirtschafthier noch gut, aber man müsse auf 2020 vorbereitet sei, sagte Holtzwart. Es müsse nur einer der großen Arbeitgeber in der Region "leicht husten", und schon wären die Auswirkungen groß. Dazu komme, so Gotz, dass "der Wandel in der Berufswelt gigantisch ist". Kinder, die heute in die Grundschule kommen, würden am Ende der Schulzeit in 65 Prozent der Fälle in Jobs arbeiten, die es heute noch gar nicht gebe.

Auch die Agentur hat sich auf den Wandel eingestellt. Neben der klassischen Vermittlung von Jobs gibt es die "lebensbegleitende Beratung", damit man nicht erst bei Eintritt einer Krise aktiv werden müsse, zudem ermögliche es das neue Qualifizierungschancengesetz auch mittels Zuschüssen für Arbeitgeber, aus Menschen mit Hilfstätigkeiten Facharbeiter zu machen.

© SZ vom 10.07.2019
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