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Stadtentwicklung:Dorfen beschließt Einzelhandelskonzept

Fachgeschaefte am Unteren Markt in Dorfen

Alteingesessene Fachgeschäfte wie hier am Unteren Markt sollen nicht ausbluten, wenn an der Autobahn ein großes Gewerbegebiet entsteht.

(Foto: Stephan Görlich)

Mit einer erwünschten Sortimentsliste will die Stadt verhindern, dass das neue Gewerbegebiet an der Autobahn den vorhandenen Strukturen in der Innenstadt und auf der Galgenwiese schadet

Entlang der Autobahn bei Oberhausmehring hat Dorfen ein Gewerbegebiet ausgewiesen, für das sich bereits Investoren interessieren. Die Stadt hat dafür ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept erstellen lassen, das künftig regeln soll, welche Verkaufssortimente in der Innenstadt und auf der Galgenwiese bleiben sollen und für welche sich das neue Gewerbegebiet eignet. Als grobe Faustregel gilt: Was sich zu Fuß oder mit dem Rad transportieren lässt, zählt zum täglichen Innenstadtbedarf. Was man mit dem Auto transportieren muss, wie beispielsweise Baumarktartikel, Möbel oder Autozubehör, darf im Gewerbegebiet verkauft werden. Hundertprozentig trennscharfe Grenzen kann das Konzept jedoch nicht ziehen, weil die großen Märkte neben ihrem Hauptsortiment auch noch branchentypische Randsortimente im Angebot haben. Bei Gartenmärkten sind das beispielsweise Fachbücher übers Gärtnern. Der Stadtrat hat daher diese Randsortimente auf zehn Prozent der Gesamtverkaufsfläche begrenzt und das Konzept einstimmig beschlossen.

Das Konzept hat die Beratungs- und Management GmbH Cima erstellt, eingebunden war eine Lenkungsgruppe bestehend aus Stadträten, Vertretern des Förderkreises und der Stadtverwaltung. Darüber hinaus muss die Regierung von Oberbayern dem Konzept zustimmen, was nach Angaben von Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) bereits am vergangenen Freitag erfolgt sei. Cima-Projektleiter Christian Hörmann stellte das Konzept in der Stadtratssitzung vor und erläuterte die Grundsätze und Kriterien. Er schickte dabei voraus, dass die bestehende Einzelhandelssituation in Dorfen sehr gut sei. So habe man kaum Leerstände bei Geschäften in der Innenstadt, was nicht selbstverständlich sei. Darüber hinaus seien auch die Einkaufsmärkte auf der Galgenwiese insofern ein Sonderfall, als dass man sie zu Fuß oder mit dem Rad erreichen könne. "Normalerweise hat man so etwas an einer Ausfallstraße, drei bis vier Kilometer vom Zentrum entfernt", sagte Hörmann. "Wir wollen die Innenstadt und die Galgenwiese stark halten, weil sie ungewöhnlich sind in Dorfen. Das hat man sonst in anderen Städten nicht", betonte Hörmann. "Sie können sich sehr glücklich schätzen, das ist sehr selten. Fahren sie nach Mittelfranken, da laufen unter der Woche nicht so viele Leute umher, da funktionieren die Innenstädte nicht mehr." Sinn des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes sei es, für eine städtebauliche Entwicklung zu sorgen, die der bestehenden Infrastruktur keinen Schaden zufüge. Es gehe dabei jedoch nicht um einen Wettbewerbsschutz für den ortsansässigen Handel.

Denn in dem neuen Gewerbegebiet könne sich beispielsweise ein Markt für Tierbedarf ansiedeln, obwohl es bereits ein Zoogeschäft in der Dorfener Innenstadt gebe. Das hängt laut Hörmann damit zusammen, dass es sich einerseits nicht um Waren des täglichen Bedarfs handele und andererseits der Dorfener Bedarf in diesem Segment nur zu 33 Prozent gedeckt werde. "Bei Zooartikeln liegt Deutschland europaweit nach Frankreich an zweiter Stelle. Das ist ein immenser Bedarf. Wir haben einen Anbieter", sagte Hörmann, "aber es ist mehr Marktpotenzial da. Das können wir nicht binden, das fließt in umliegende Mittel- und Oberzentren ab." Ähnliches gelte beispielsweise für Farben und Lacke, Spielwaren, Sportartikel, Fahrräder oder Heimtextilien.

Gewerbereferent Martin Greimel (CSU) nannte das Konzept "gelungen", weil es sich um eine Positivliste handele: "Ich hatte immer das Gefühl, wir müssten was verbieten." So ergebe sich aber nun ein klares Bild und eine klare Außenwirkung. Uli Frank-Mayer (GAL) sorgte sich wegen der Randsortimente, damit Bau- und Gartenmärkte nicht ein zu großes Buch- oder Floristikangebot mitbringen würden. Projektleiter Hörmann sagte, zehn Prozent der Fläche seien eine erprobte Größenordnung und ergänzte: "Ohne ein Mindestmaß an Randsortiment werden sie das Hauptsortiment auch nicht bekommen." Bürgermeister Grundner fügte hinzu, dass auch die Regierung von Oberbayern sich damit einverstanden erklärt habe, die jeweiligen Randsortimente auf eine Verkaufsfläche von zehn Prozent zu begrenzen.

© SZ vom 03.03.2017

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